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Van der Bellen nimmt nicht an TV-Debatten teil

13.07.2022 • 19:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Amtsinhaber und Kandidat Alexander Van der Bellen
Amtsinhaber und Kandidat Alexander Van der Bellen Christoph Kleinsasser; KLZ/Chris

“Aus heutiger Sicht” wird der Amtsinhaber an keinen direkten Konfrontationen vor der Wahl am 9. Oktober teilnehmen, so ein Sprecher. Auch Heinz Fischer verzichtete vor seiner Wiederwahl auf TV-Duelle mit Barbara Rosenkranz und Rudolf Gehring.

Seit Mittwoch ist es offiziell: Walter Rosenkranz, derzeit Volksanwalt, wird als Kandidat der FPÖ in den Bundespräsidenten-Wahlkampf gegen Amtsinhaber Alexander Van der Bellen ziehen.

Bei seiner Vorstellung an der Seite von Parteichef Herbert Kickl gab sich der 59-Jährige alle Mühe, sich als Alternative zu Van der Bellen zu inszenieren. Dieser sei ein “Dreiparteienkandidat mit ÖVP-Duldung” – wer von seiner Amtsführung nichts halte, den lade Rosenkranz ein, “mit mir eine Allianz zu bilden” und am 9. Oktober ihn zu wählen. Programmatisch setzt der Niederösterreicher auf eine am Dreiklang Corona, Russland und EU aufgespannte rechte Plattform.

So müsse das Covid-19-Maßnahmengesetz weg – die FPÖ sei an der Spitze der Antimaßnahmenbewegung gestanden. Die Russland-Sanktionen seien überzogen: “Das würde ich einer Regierung als Bundespräsident nie durchgehen lassen”, so Rosenkranz. Mit der EU sei er zunehmend unzufrieden: Angesichts aktueller Entwicklungen wie der schnellen Erklärung der Ukraine zum Beitrittskandidaten oder der Entwicklung der Asylfrage “muss man überlegen, ob man zu dieser Familie noch dazugehören will, wenn das alles so kommt”.

Das Kalkül der FPÖ mit Rosenkranz’ Nominierung ist ein doppeltes: Einerseits soll er die blaue Wählerschaft gegenüber den beiden anderen rechten Kandidaten (MFG-Chef Michael Brunner und Ex-BZÖ-Chef Gerald Grosz) isolieren. Andererseits soll der Jurist als Volksanwalt (“immerhin auch eines der obersten Organe der Republik”, wie es Kickl formuliert) seriös genug auftreten, um als in einer Liga mit Van der Bellen wahrgenommen zu werden.

Van der Bellens Brutalo- und Jux-Dilemma

Für Van der Bellen und sein Team eröffnet das ein Dilemma: Sich mit unbekannteren und Jux-Kandidaten wie Dominik Wlazny auf Podien oder im TV zu duellieren, würde diesen Aufmerksamkeit und Reichweite verschaffen, die sie sonst kaum bekämen. Sich Diskussionen zu verweigern – vor allem mit “seriösen” Kandidaten wie Rosenkranz –, würde von diesen als Schwäche ausgelegt.

In Van der Bellens Team tendiert man dazu, in keine direkten Konfrontationen zu gehen. “Aus heutiger Sicht wird es keine geben”, sagt Kampagnensprecher Stefan Götz-Bruha zur Kleinen Zeitung. Man werde abwarten, wer am Wahlzettel steht – das ist 37 Tage vor der Wahl fix, wenn Kandidaten je 6000 Unterschriften von Unterstützern vorlegen müssen. Richtschnur sei, “was für Österreich am besten ist”. Nachsatz: sich in Talkshows gegenseitig zu attackieren, eher nicht.

Einen Präzedenzfall gab es 2010: Auch damals hatte Amtsinhaber Heinz Fischer direkte TV-Konfrontationen mit den Kandidaten Barbara Rosenkranz (FPÖ, nicht verwandt) und Rudolf Gehring abgesagt.

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