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Ernährung verbessert den Sonnenschutz

16.07.2022 • 20:03 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
An heißen Tagen wird gerne mit einem kühlen Bier gegrillt. Oder wäre Tee und scharfes Essen besser? <span class="copyright">Hartinger</span>
An heißen Tagen wird gerne mit einem kühlen Bier gegrillt. Oder wäre Tee und scharfes Essen besser? Hartinger

Angelika Stöckler spricht über richtige Ernährung bei Hitze.

Unter der Hitze leidet der Appetit. Soll man sich dann zum Essen zwingen?

Angelika Stöckler: Es ist typisch, dass man bei Hitze weniger Appetit verspürt. Dann ist ein gut zusammengestellter Speiseplan wichtig. Sonst ist die Gefahr groß, dass man zwischendurch vermehrt zu Süßigkeiten oder schnellen Snacks greift. Abwechslungsreiche Mahlzeiten aus wasserreichen Lebensmitteln sind wichtig im Sommer.

Welche Lebensmittel soll so ein Speiseplan beinhalten?

Stöckler: Es ist ein Vorteil, dass wir im Sommer Leichtverdauliches bevorzugen. Fettreiches Essen liegt länger im Magen und macht müde. Eiweißreiche Nahrung, wie Fleisch, fördert die Wärmeentwicklung im Körper. Bekömmlich sind Salate, Gurken, Melonen und Beeren. Die wirken kühlend. Durch gesäuerte Milchprodukte können Mikrobiota im Darm und Abwehr gestärkt werden. Mit einem leichten Frühstück mit Joghurt und Beeren etwa.

Sie empfehlen kühlende Lebensmittel. In heißen Ländern wird aber oft scharf gewürzt.

Stöckler: Das Besondere an Schärfe ist, dass es keine Geschmacksrichtung ist, sondern sie aktiviert Hitzerezeptoren. Dadurch treibt es vielen den Schweiß auf die Stirn. Das hat eine kühlende Wirkung. In heißen Ländern wird scharfes Essen aber eher wegen der desinfizierenden Wirkung geschätzt.

Sollen wir den Salzkonsum im Sommer anpassen?

Stöckler: Im Sommer ist der Salzbedarf etwas höher als im Winter. Bei Hitze schwitzen wir, und dadurch geben wir Salz ab. Die Schweißproduktion hängt beispielsweise von Trainingszustand, Gewicht und Geschlecht ab. Männer schwitzen mehr als Frauen. Da wir in Österreich generell eher zu viel Salz zu uns nehmen, müssen wir im Sommer die Salzzufuhr nicht erhöhen.

Mit dem Schweiß gehen auch Magnesium, Kalium und Calcium verloren. Wie kann der Bedarf wieder gedeckt werden?

Stöckler: Ich empfehle frische Früchte, Vollkornprodukte und Nüsse. Marillen enthalten Kalium, Sonnenblumenkerne Magnesium und Milchprodukte Calcium. Durch Smoothies bekommt der Körper etwa wichtige Nährstoffe. So sind keine Ergänzungen notwendig.

Ist bei Smoothies der Zucker kein Problem?

Stöckler: Ich spreche nicht von Kalorienbomben-Smoothies. Diese können aus Gurke, Kräuter und Melone hergestellt und mit Wasser gespritzt werden.

“Kaffee ist kein Flüssigkeitsräuber”

Angelika Stöckler, Ernährungswissenschaftlerin

Gibt es Lebensmittel, die den UV-Schutz der Haut unterstützen?

Stöckler: Ja, Ernährung kann den Sonnenschutz verbessern. Wir können so einen Grundsonnenschutzfaktor von zwei bis drei erreichen. Es geht darum, längerfristig schutzstoffreiche Lebensmittel zu verzehren, wie carotinhaltige Marillen und Karotten sowie vitamin-C-reiche Paprika. Tomaten, die Lycopin enthalten, unterstützen den Sonnenschutz. Ernährung hilft auch nach einem zu langen Sonnenbad bei Sonnenbrand. Dann sollen Innereien, Fisch, Eier oder Milchprodukte verzehrt werden.

Welche Folgen hat es, wenn man tagsüber nichts isst und am Abend beim Grillen zuschlägt?

Stöckler: Große Portionen sind belastend. Wenn sie erst kurz vor dem Schlafengehen verzehrt werden, liegen sie schwer im Magen. Das kann bei empfindlichen Personen den Schlaf stören. Bekömmlicher ist es, wenn man Mahlzeiten über den Tag verteilt. Bei Grillabenden ist es erfreulich, wenn immer mehr Vegetarisches auf dem Grill landet und wenn statt Mayonnaisesaucen auf leichtere Joghurt- oder Sauerrahmdips ausgewichen wird. Ein Thema beim Grillen ist auch der Alkohol.

Angelika Stöckler spricht über den erhöhten Flüssigkeitsbedarf an heißen Tagen und Wege, Wasser attraktiver zu machen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Angelika Stöckler spricht über den erhöhten Flüssigkeitsbedarf an heißen Tagen und Wege, Wasser attraktiver zu machen. Hartinger

Warum ist Alkohol im Sommer ein Problem?

Stöckler: Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit und ist reich an Kalorien. Alkohol muss zuerst abgebaut werden, wodurch vieles im Köper blockiert wird. Er ist nicht als Durstlöscher geeignet, sondern soll nur dem Genuss dienen. Alternativen wären Radler, alkoholfreies Bier und Longdrinks ohne Alkohol. Als Durstlöscher eignen sich gespritzte Fruchtsäfte, da ihre Verweildauer im Magen kürzer ist.

Kaffee hat doch auch eine dehydrierende Wirkung?

Stöckler: Früher herrschte die Meinung, dass Kaffee ein Flüssigkeitsräuber sei. Dies wurde widerlegt. Es spricht nichts gegen Kaffee im Sommer. Grund für die These war der verstärkte Drang, nach einer Tasse Kaffee auf die Toilette zu müssen. Kaffee regt die Nierentätigkeit an, und dadurch wird die Harnblase schneller voll. Das traditionelle Glas Wasser zum Kaffee ist trotzdem förderlich für das Weißbleiben der Zähne und das Wahrnehmen des Aromas. Kaffee ist kein Flüssigkeitsräuber.

Stimmt der Mythos, dass wir im Sommer Tee trinken sollen?

Stöckler: Nein, es werden sowohl warme und kalte Getränke im Verdauungstrakt an die Körpertemperatur angepasst. Eiskalte Getränke reizen den Magen, und heiße erwärmen den Körper. Oft werden warme Länder zitiert, in denen Tee getrunken wird. ­Dies hat mehr mit Tradition und Trinkwasserqualität zu tun, denn heißes Wasser tötet Keime und schützt vor Infektionen. Bei der Flüssigkeitsversorgung steht nicht die Temperatur, sondern Menge und Qualität im Vordergrund.

Kann man zu viel Wasser trinken?

Stöckler: Es gibt Berichte von seltenen Fällen, doch wer vernünftig trinkt, muss sich davor nicht fürchten. Bei zunehmenden Temperaturen ist das Risiko von zu geringem Wasserkonsum viel größer.

Was sind Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels?

Stöckler: Kinder brauchen mindestens einen und Erwachsene eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit am Tag, und bei hohen Temperaturen sogar noch mehr. Wer zu wenig trinkt, bekommt einen trockenen Mund, und der Harn verfärbt sich dunkel. Blutfluss und Schweißbildung ver­schlechtern sich. Die Körpertemperatur steigt, und Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sinken.

Herrscht dazu ein Bedarf an Bildung und Beratung?

Stöckler: Nicht alle sind gut informiert. Die Risiken werden oft unterschätzt. Ältere Menschen neigen dazu, wenig zu trinken, weil sie sich den mühsamen Toilettengang ersparen wollen. Außerdem wird Wasser teilweise als langweilig empfunden. Das Wasser kann durch Beeren, Kräuter und Zitrusfrüchte attraktiver gemacht werden. Als Trinkerinnerung können ein Trinkplan oder morgens bereitgestellte Flaschen eine Unterstützung sein.

Zur person

Angelika Stöckler ist Gesundheitsexpertin, Ernährungswissenchaftlerin und Pädagogin. Sie berät unter anderem Betriebe, Bildungseinrichtungen und Gemeinden. Sie hat in Wien und Graz studiert. Die 55-Jährige ist mit Stefan Stöckler verheiratet und hat zwei Kinder, David (25) und Isabella (24).