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Warum Miroslav Klose in Österreich landete

16.07.2022 • 13:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Miroslav Klose startet in die zweite Hälfte
Miroslav Klose startet in die zweite Hälfte GEPA pictures

Miroslav Klose steigt am Samstag mit Altach im ÖFB-Cup in Wien-Favoriten ins Dasein als Cheftrainer ein.

Er überschlug sich vor Freude und diese spektakulären Szenen haben sich eingeprägt ins kollektive Fußball-Gedächtnis. Miroslav Klose hat zu oft getroffen, um sich nicht an das Ritual zu erinnern. Doch mit dem nach vielen Treffern praktizierten Salto kehrte der erfolgreichste Torschütze der deutschen Nationalmannschaft keineswegs sein Innerstes nach außen. Er wirkt niemals abgehoben und baut, der Introvertiertheit seiner Persönlichkeit entsprechend, mit Bedacht die Trainerkarriere auf.

Als Fundament suchte sich der in Polen geborene Deutsche konsequenterweise die Provinz aus, dass es sich um die österreichische handelt, wird als Aufwertung für die heimische Bundesliga erachtet. Ein derartiger Schritt eines Weltmeisters geht naturgemäß nicht heimlich, still und leise über die Bühne, wiewohl Klose die Kraft aus der Ruhe schöpft. Die Altacher und damit auch die Vorarlberger dürfen sich glücklich schätzen, in puncto Promifaktor den Vogel abgeschossen und die Aufmerksamkeit Richtung Westen gelenkt zu haben.

Genau seine Werte

Die neue Umgebung scheint laut den eigenen Beschreibungen wie geschaffen für Klose. Denn er sieht sich verankert in der “Bodenständigkeit”, das liegt ihm. “Die Werte, für die dieser Verein steht, Dinge gemeinschaftlich umzusetzen, das ist genau meins, deshalb freue ich mich so auf die Aufgabe”, erklärt der 44-Jährige.

Mit dem seinen Charakter darstellenden sanften Einstieg in den Cheftrainerbetrieb zieht Klose eine Parallele zur Spielerlaufbahn, die bis zum 20. Lebensjahr in der siebthöchsten Liga ablief, ehe er beim 1. FC Kaiserslautern mit fast 22 erstmals mit dem Profidasein Bekanntschaft schloss. Es entwickelte sich eine Langzeitbeziehung von ausgeprägter Nachhaltigkeit.

Start in die zweite Hälfte

Die Erfahrungen spielt er routiniert und gezielt aus. “Ich habe viel erlebt und mir sehr viel erarbeitet. Mir war klar, dass ich nach dem Karriereende mit der zweiten Lebenshälfte was Vernünftiges anfangen will, was mir Spaß macht. Das ging dann schon in Richtung Fußball und so habe ich die Trainerlizenzen erworben.” erzählt Klose, der auch hier einem klaren Plan folgt. “Ich wollte noch einmal eine ganz andere Perspektive auf den Fußball bekommen, so habe ich mir die Zeit genommen, mit der Jugend zu arbeiten. Das ist ja eine ganz andere Generation, und so geht es jetzt los mit meiner Trainerkarriere.”

Der Start erfolgt im ÖFB-Cup am östlichen Ende Österreichs, in Wien-Favoriten auf dem Platz des Regionalliga-Ost-Klubs Elektra. Das ist für die Fans ein Lockangebot und für Klose eine gute Gelegenheit, seiner Philosophie freien Lauf zu lassen. “Ich stehe für Ballbesitzfußball. Ich war ja selbst Stürmer und möchte dominant und offensiv auftreten, das Spiel bestimmen. Das ist meine Idee vom Fußball.”

“Ordentlicher Ball”

Miroslav Klose ist ein höflicher Mensch, aber sein Urteil über den österreichischen Fußball basiert nicht auf Einhaltung der erworbenen Umgangsformen. “Wir können uns hier nicht beschweren, da wird schon ein ordentlicher Ball gespielt.” Der Zuhörer ist geneigt, die Aussage für bare Münze zu nehmen.

Trotzdem hat er natürlich in seine langfristige Planung den Aufstieg einkalkuliert. “Natürlich ist es mein Ziel, irgendwann einmal in der (deutschen) Bundesliga zu trainieren. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich das total langsam und in Ruhe angehen werde. Jeder Schritt muss erarbeitet werden, mal schauen, wo mich die nächsten Jahre hinbringen.” Ein typischer Klose eben.