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Verbindung von Musik und Poesie
in Marlis Petersens „Innenwelten“

01.08.2022 • 18:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Musik und Poesie im Seestudio           <span class="copyright">Dietmar Mathis</span>
Musik und Poesie im Seestudio Dietmar Mathis

Marlis Petersen, Stephan Matthias Lademann und Ulrich Reinthaller boten am Sonntag im Seestudio ein harmonisches Zusammenspiel von Liedern und Gedichten.

Im Zusammenwirken von Musik und Lyrik, Lied und Rezitation bescherten die deutsche Sopranistin Marlis Petersen, der Pianist Stephan Matthias Lademann und der Schauspieler Ulrich Reinthaller im Bregenzer Seestudio einen ungemein stimmigen Abend auf ihrer Reise nach innen. Mit perfektem Timing, um vor Beginn der Seebühnenaufführung fertig zu sein, verkürzten die Künstler die Pause auf ganze zwei Minuten, schufen dadurch noch mehr eine Einheit in ihrem Programm.

Stephan Matthias Lademann, Marlis Petersen und Ulrich Reinthaller<span class="copyright">Dietmar Mathis</span>
Stephan Matthias Lademann, Marlis Petersen und Ulrich ReinthallerDietmar Mathis

Marlis Petersen ist in Tuttlingen aufgewachsen, hat in Stuttgart studiert und ihre ersten gro­ßen Partien am Staatstheater in Nürnberg gestaltet. Längst ist sie eine gefeierte Opernsängerin, die sich voll und ganz in die Gestaltung ihrer Figuren hineinbegibt, seien es Lulu, Medea, Marietta („Die tote Stadt“) oder bald Elsa in Wagners „Lohengrin“. So neugierig und furchtlos wie im Operngesang widmet sie sich auch der Gattung Lied, entwickelt gemeinsam mit ihrem Pianisten Stephan Matthias Lademann Programme mit vielen Querbeziehungen zwischen den Epochen und Komponisten. Entspricht ihr Programm „Innenwelten“ musikalisch der dritten ihrer „Dimensionen“-CDs, so wird diese Auswahl von Nachtstücken, Meditationen, Träumen und Gebeten der unterschiedlichsten Art durch die Lyrik von Rilke, Novalis, Hofmannsthal oder Ingeborg Bachmann nochmals vertieft. Die Sängerin und ihr Pianist gehen auf Entdeckungsreise, neben bekannten Liedern von Richard Strauss, Johannes Brahms, französischer spätromantischer Sinnlichkeit oder zuletzt „Urlicht“ von Gustav Mahler, bringen sie auch Lieder von Max Reger mit dessen typischer klanglicher Fülle oder von Karl Weigl, einem Wiener Spätromantiker im Umkreis von Mahler und Arnold Schönberg.

Explosive Dramatik

Marlis Petersen begeistert mit den gro­ßen Linien ihrer farbenreichen Stimme, der Ruhe und Intensität, die die Stimme leuchten lässt, und der explosiven Dramatik von Regers „Schmied Schmerz“. Bald wunderbar verinnerlicht, verzweifelt, schlicht oder blühend lebt sie sich in diese inneren Welten hinein, getragen vom facettenreichen, sensiblen und vielgestaltigen Spiel von Stephan Matthias Lademann, der mit vielen großen Sängern und Schauspielern arbeitet.
Das Programm ist durchkomponiert, Musik und Lyrik stehen nicht nebeneinander, sondern greifen Themen, Bilder, Empfindungen auf, immer geht es auch in den Texten ums Hören und Lauschen, um Ruhe, Unsterblichkeit und Tod. Gerne hätte man auch die gesprochenen Texte mit- oder nachgelesen, denn manchmal sind sie allzu flüchtig in ihrer Bildsprache.
Marlis Petersen und Ulrich Reinthaller hören einander zu und durch die ebenfalls so modulationsreiche Stimme des Wiener Theater- und Filmschauspielers wird auch die Sprache Musik: Sanft, ruhig, melodisch mit Atem und Pausen, zurückhaltender Dramatik führt der Weg zu Ingeborg Bachmanns „Hinter der Welt wird ein Baum stehen“ und Richard Wagners „Träume“ aus den Wesendonck-Liedern. Die Bregenzer Festspiele, die charaktervolle Sängerin und ihre künstlerischen Begleiter gestalten ein feinsinniges Gesamtkunstwerk.
Von Katharina von Glasenapp