Allgemein

„Vorher war das klarer geregelt“

01.08.2022 • 18:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In den Vorarlberger Pflegeheimen zeigt man sich derzeit noch eher abwartend.  <span class="copyright">Symbolbild Shutterstock</span>
In den Vorarlberger Pflegeheimen zeigt man sich derzeit noch eher abwartend. Symbolbild Shutterstock

Auch in Pflegeheimen und anderen sozialen Einrichtungen dürfen Covid-Infizierte ohne Symptome seit ges­tern arbeiten – eine zwiespältige Sache.

Mit 1. August ist die Quarantänepflicht für symptomfreie Corona-Positiv-Getestete gefallen. Covid-19-Infizierte können somit auch arbeiten gehen – allerdings mit Maske. Pflegeheime und Einrichtungen für vulnerable Personengruppe sind davon nicht ausgenommen – für die Zuständigen dieser Einrichtungen eine zwiespältige Sache.

Winfried Grath, Verwaltungsleiter der Stiftung Liebenau, die an sechs Standorten im Land Pflegeheime betreibt, zeigte sich gestern noch eher unentschlossen in Hinblick auf die neue Regelung. Das werde man sich erst genauer ansehen müssen. Vorerst werde man nicht viel ändern, sagte er, derzeit würde noch die aktuelle Regelung beibehalten.

Warten auf das Land

Carmen Helbok-Föger, Geschäftsführerin der gemeindeeigenen Benevit, will nun zunächst einmal abwarten, was diesbezüglich vom Land kommt, da es sich ja um eine Bundesverordnung handle. Die Benevit betreibt sieben stationäre Pflegeheime, 60 betreute Wohnungen und eine betreute Wohngemeinschaft im Land.
Die Benevit-Geschäftsführerin sieht das Quarantäne-Aus ambivalent. Dass symptomfreie Infizierte unter bestimmten Bedingungen auch arbeiten können, kann sie sich schon vorstellen – vor allem in Hinblick auf massive Personalausfälle, wie sie etwa während der Omikron-Welle aufgetreten sind. Andererseits habe man natürlich eine Schutzpflicht gegenüber den Heimbewohnerinnen und -bewohnern, sagte sie.

Benevit-Geschäftsführerin Carmen Helbok-Föger.  <span class="copyright">Benevit</span>
Benevit-Geschäftsführerin Carmen Helbok-Föger. Benevit

Derzeit halte man sich an die allgemeinen Bestimmungen, wie es weitergeht, müsse man schauen. Die Angst, dass die Bewohnerinnen und Bewohner massiv gefährdet seien, sei nicht mehr so groß, erklärte Helbok-Föger. „Es gibt Medikamente, es gibt eine Impfung.“ Sie geht davon aus, dass die Gesellschaft mit dem Virus leben lernen müsse.

Allerdings brauche es genaue, vollständige und klare Erklärungen, warum gewisse Maßnahmen getroffen werden – im speziellen für die Einrichtungen, für die Heimbewohnerinnen und -bewohner und deren Angehörige, betonte Helbok-Föger. „Derzeit haben wir aber noch nichts auf dem Tisch“, so die Benevit-Geschäftsführerin gestern Vormittag.

Regionaldirektor Senecura Christian Längle.    <span class="copyright">Senecura</span>
Regionaldirektor Senecura Christian Längle. Senecura

Christian Längle, Regionaldirektor Vorarlberg der Senecura, die hierzulande sieben Pflegeheime betreibt, ist mit dem Quarantäne-Aus „nicht ganz glücklich“: „Vorher war das klar geregelt.“ Bei der Senecura, die österreichweit tätig ist, gebe es seit Beginn der Pandemie einen Corona-Krisenstab, erzählte er. Der sei derzeit damit beschäftigt abzuklären, wie die neue Verordnung gehandhabt werden soll bzw. ob auch infiziertes Personal die Häuser betreten dürfe.

Die Entscheidung darüber soll in den nächsten Tagen fallen und werde dann in den Häusern der Senecura bundesweit und somit auch in Vorarlberg umgesetzt. „Es ist eine schwierige Entscheidung, nachdem sich ja nicht einmal die Experten einig sind“ so Längle. Oberstes Ziel sei aber der Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner und der Mitarbeitenden, betonte er.

Regelung für August

Bei der Caritas Vorarl­berg schaut die neue Regelung so aus, dass auch symptomfreie Infizierte fünf Tage nach dem ersten positiven Befund nicht am Arbeitsplatz eingesetzt werden, wenn es sich dabei um einen Bereich mit vulnerablen Klientinnen und Klienten handelt „und solange der Dienstbetrieb an der Stelle nicht gefährdet ist“, hieß es gestern von Personalleiterin Monika Kawaus. Dort wo es möglich ist, soll Homeoffice vereinbart werden. Ansonsten handle es sich um eine bezahlte Dienstfreistellung

In anderen Arbeitsbereichen soll von Infizierten möglichst auf Homeoffice ausgewichen werden. Falls das nicht möglich sei, seien die Sicherheitsmaßnahmen bzw. zumindest das durchgehende Tragen einer FFP2-Maske „ununterbrochen und konsequent einzuhalten“. Diese Regelung gilt vorerst für den Monat August. Anschließend werde evaluiert und neu entschieden, hieß es vonseiten der Caritas Vorarlberg.

Bei der Lebenshilfe Vorarlberg konnte gestern auf Nachfrage niemand etwas zur dortigen Handhabe sagen – „weil alle im Urlaub sind“.