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„Das Szene Open Air ist immer geil“

05.08.2022 • 19:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Auf dem Weg zum Alten Rhein, wo es sich wunderbar abkühlen lässt.<br><span class="copyright">Beate Rhomberg</span>
Auf dem Weg zum Alten Rhein, wo es sich wunderbar abkühlen lässt.
Beate Rhomberg

Selbst am Vormittag ist beim Szene Open Air in Lustenau schon recht viel los.

Freitagvormittag beim Szene Openair in Lustenau: Dafür, dass die Nacht für viele lang war, ist schon viel los. Vor mehreren Zelten sitzen junge Menschen in Klappstühlen, Musik läuft, das eine oder andere Bier wird getrunken. Auf den Straßen zwischen den Zelten, zum Beispiel in Richtung Alter Rhein, sind viele Festivalbesucher unterwegs. Manche tragen nur Shorts oder Bikini und halten Badetücher in den Händen. Auffallend ist: Die jungen Menschen wirken fröhlich und sind freundlich. So manch einer treibt Schabernack: Drei junge Männer etwa lassen sich im Rhein auf einer großen weißen Kinder-Luftmatratze in Form eines Ponys treiben. Sie singen, und weil das bekanntlich durstig macht, haben sie Bierdosen dabei.

Eine kleine Ausfahrt mit der Pony-Luftmatratze. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Eine kleine Ausfahrt mit der Pony-Luftmatratze. Rhomberg

Das 32. Szene Openair hat am Donnerstag begonnen und dauert bis Sonntagmittag. Das Organisationsteam rund um Hannes Hagen rechnet mit bis zu 25.000 Besuchern. Die Konzerte sind so gut wie ausverkauft, Restkarten aber noch erhältlich. Rund 55 Bands treten beim größten Festival im Westen Österreichs auf. Headliner sind Scooter, Marteria und Casper. 400 Menschen arbeiten hier und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Die meisten von ihnen helfen ehrenamtlich.

„Arbeit hier ist schön“

Einer der ehrenamtlichen Helfer ist Djachar aus Lustenau. Er ist der Herr über eine der zwei Fahrrad-Lounges. Besucher, die mit dem Rad kommen, können es dort im Festivalgelände abstellen. Ein Festival-Mitarbeiter passt dann auf die Fahrräder auf. Djachar versieht diesen Dienst an allen Tagen, vorgestern sei es richtig stressig gewesen. Dennoch: „Die Arbeit hier ist schön. Man lernt Menschen kennen und es ist nicht langweilig.“

Leon, Richi, Julian, Samuel und Lukas. Die Verletzung von Julians Nase stammt nicht vom Festival. <span class="copyright">neue</span>
Leon, Richi, Julian, Samuel und Lukas. Die Verletzung von Julians Nase stammt nicht vom Festival. neue

Nein, langweilig ist es hier bestimmt nicht. Das ist schon ein paar Schritte weiter zu erleben. Vor einem Zelt sitzen fünf junge Männer, sie trinken Bier, hören Rock, grölen ein wenig und laden herzlich ein, bei ihnen Platz zu nehmen. Die fünf kennen sich schon länger, teilweise sind sie Arbeitskollegen. Um 6 Uhr in der Früh ist der letzte der Gruppe schlafen gegangen, aufgestanden sind die jungen Herren zwischen 6 und 8 Uhr. Zum Frühstück wurden Leberkäs-Semmel und/oder Schulmäuse verzehrt. Auf die Frage, was das Beste am Szene Openair ist, sagt Julian: „Alles.“ Und konkretisiert dann: „Die Atmosphäre und dass man schnell neue Menschen kennenlernt.“ Leon ruft dazwischen: „Das Szene Openair ist immer geil. Hier gibt es auch keine Assis.“
Was es hier aber sehr wohl gibt, ist eine Kirche. Quasi jedenfalls. Denn es handelt sich dabei um ein Zelt, das in der Optik von bunten Kirchenfenstern gestaltet ist. „Pop-up-Church“ wird diese Kirche genannt, betrieben wird sie von der Jungen Kirche. Soeben schaut ein junger Mann vorbei. „Grüß Gott“, sagt er. „Kann ich bitte mein Handy laden?“ Das ist hier nämlich möglich. Zum dritten Mal ist die Junge Kirche beim Szene Openair vertreten. Festivalbesucher nützen die „Pop-up-Church“ einerseits als „Ruheoase“, wie Mona Pexa von der Jungen Kirche sagt. Andererseits seien sie und ihre Mitarbeitenden für die Menschen da, wenn sie ein offenes Ohr bräuchten. Oder wenn sie einfach nur reden und diskutieren möchten. „Ich bin sehr gerne mit der ‚Pop-up-Church‘ hier. Dadurch ist die Kirche dort, wo die jungen Menschen sind“, erklärt Mona Pexa.

Wodka ist vegan

Gleich neben dem Kirchen-Zelt ist ein Stand vom Verein gegen Tierfabriken (VGT). Die Tierschutzorganisation ist zum zehnten Mal beim Lustenauer Festival vertreten. Es sei hier einfach toll, weil: „Die Jugendlichen kennen sich schon aus mit dem Tierschutz und interessieren sich dafür. Es ist eine perfekte Ergänzung“, sagt VGT-Mitarbeiterin Ann-Kathrin Freude. 15.000 Sticker mit dem Schriftzug „Wodka ist vegan“ hätten sie schon ausgegeben, erzählt ihr Kollege Linus Kessler begeistert. Arbeit sei das, was er hier tue, nicht wirklich, sondern vor allem Freude und Spaß.

Feiern beim Konzert. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Feiern beim Konzert. Rhomberg

Das Szene Openair ist im ­Prinzip wie ein Städtchen, in dem es alles gibt, was man benötigt: Der Lebensmittelhändler Spar ist mit einem Zelt vertreten, wo Hygieneartikel, Getränke und Lebensmittel verkauft werden. T-Shirts, Kleider, Handtaschen, Sonnenbrillen oder Flip-Flops werden bei anderen Zelten angeboten. Vor Ort sind aber auch die Polizei, die Rettung und die Feuerwehr. Bei einem Festival dieser Größe geht es ohne nicht.
Beim Besuch der NEUE um die Mittagszeit sind im Zelt des Roten Kreuzes nur Mitarbeiter und keine Patienten. Letztere tauchen vor allem ab dem Abend auf. Bei Schönwetter wird das Rote Kreuz vor allem wegen Kreislaufproblemen, Bienen- oder Wespenstichen benötigt, bei Schlechtwetter wegen Stürzen. Probleme, die unabhängig vom Wetter enstehen, sind wegen Alkohol und/oder Drogen.

Musik und Spaß

Gegen 13 Uhr füllt sich der Platz, an dem die Konzerte sind, langsam. Um 13.10 Uhr spielt die Band Gas. „Yeah, jetzt geht es weiter!“, ruft ein Mann und streckt seine Hand, in der er ein Bier hält, in die Höhe. Viele Stunden voller Musik, Begegnung und Spaß liegen noch vor allen Festivalbesuchern.

Am frühen Nachmittag beginnen die Konzerte. In der Nacht gegen 1 Uhr hört das letzte des Tages auf.<span class="copyright">Rhomberg</span>
Am frühen Nachmittag beginnen die Konzerte. In der Nacht gegen 1 Uhr hört das letzte des Tages auf.Rhomberg

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