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Der Reiz der modernen Technologie

06.08.2022 • 18:11 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Techniker Leopold Zeh, Manfred Streitler und Georg Lässer sowie Helmut Hopfner (von links). <span class="copyright">Beate Rhomberg</span>
Die Techniker Leopold Zeh, Manfred Streitler und Georg Lässer sowie Helmut Hopfner (von links). Beate Rhomberg

Wie und wo die Elektrobusse des Verkehrsverbunds in Schuss gehalten werden.

Auf beinahe 60 Jahre Berufserfahrung als Kfz-Techniker bei der Postbus AG Vorarlberg mit Hauptsitz in Wolfurt können Manfred Streitler und Georg Lässer zurückblicken. Rund 190 Omnibusse des Unternehmens sind im Auftrag des Verkehrsverbunds Vorarlberg im ganzen Land unterwegs, um Fahrgäste an ihr Ziel zu bringen. Seit zwei Jahren sind am Standort in Feldkirch auch vier Elektrobusse im regulären Einsatz. Diese bieten den Passagieren nicht nur eine noch umweltfreundlichere und komfortablere Mobilität, sondern haben aufgrund ihrer modernen Technik auch für die Postbus-Mitarbeiter einen besonderen Reiz.

Den Fehlern auf der Spur

Sowohl Manfred Streitler als auch Georg Lässer haben in ihrer Jugend eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker absolviert. Bevor sie 1993 beziehungsweise 1994 zur Postbus AG gestoßen sind, haben sie vor allem an Pkw und deren Motoren geschraubt. Nach dem Wechsel verlagerte sich der Fokus der Arbeit schließlich auf die Omnibusse. Der Schraubenschlüssel war damals noch das wichtigste Werkzeug für die beiden Techniker. Über die Jahre hat sich dies jedoch gewandelt. Durch neue Technologien sind heute Mess- und Diagnosegeräte mindestens genauso wichtig, um die Ursache von Fehlern oder Defekten zu finden.

Manfred Streitler und Georg Lässer bei der Arbeit. <span class="copyright">Beate Rhomberg</span>
Manfred Streitler und Georg Lässer bei der Arbeit. Beate Rhomberg

Georg Lässer hat dazu ein anschauliches Beispiel parat. Früher führten etwa Seilzüge oder Gestänge vom Platz des Lenkers zum Motor, um Gas zu geben oder die Kupplung zu betätigen. „Da war oft schon nach einer einfachen Sichtprüfung klar, was das Problem ist, weil etwa ein Seil gerissen war“, erklärt der Experte. Mittlerweile haben die Seilzüge und Gestänge jedoch weitgehend ausgedient. Stattdessen führen Kabelstränge vom Fahrerplatz zu den verschiedensten Einrichtungen im Bus: „Eine Sichtprüfung hilft da nicht weiter. Stattdessen schließt man ein Diagnosegerät an und macht sich so auf die Suche nach der Fehlerursache.“

Die vier E-Busse

Seit dem Frühjahr 2020 sind die vier E-Busse der Marke Iveco in der Region zwischen Götzis und Bludenz im Einsatz. Die Fahrzeuge sind zwölf Meter lang und 3,4 Meter hoch. Insgesamt sechs Batteriepakete liefern den Strom für den Betrieb. Zwei sind im Heckbereich untergebracht und vier weitere auf dem Dach.

Trotzdem spielt der Schraubenschlüssel bei der Arbeit immer noch eine wichtige Rolle. Genau diese Mischung aus moderner Technik und der klassischen Tätigkeit als Mechaniker macht für die zwei langjährigen Postbus-AG-Mitarbeiter den Reiz an ihrem Beruf aus. „Es gibt immer etwas Neues zu lernen und das ist eine schöne Herausforderung. Wichtig ist es, immer wissbegierig zu sein und mit den Änderungen bei der Technik mitzugehen“, meint Manfred Streitler.

Hochvolttechnik

Auch die vier E-Busse sind eine dieser schönen Herausforderungen für die Techniker. Schließlich kommt bei diesen Hochvolt-Technik zum Einsatz, die mit Spannungen von 1000 Volt und mehr bei unsachgemäßem Umgang sogar lebensgefährlich sein kann. Um Wartungs- und Reparaturarbeiten an den E-Bussen durchführen zu dürfen, müssen die Werkstatt-Mitarbeiter daher eine Hochvolt-Ausbildung absolvieren. In den Weiterbildungskursen, die etwa vom Wifi Vorarlberg oder auch den Fahrzeugherstellern selbst angeboten werden, lernen die Kfz-Experten den richtigen und sicheren Umgang mit der Technologie. Die Hochvolt-Ausbildung wird in mehreren Stufen absolviert. Auf dem „Einstiegs-Level“ lernen die Techniker beispielsweise, wie die E-Busse spannungsfrei geschaltet werden, um ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen. Ohne diesen grundlegenden Schritt dürfen an den Bussen keine Wartungs- oder Reparaturtätigkeiten durchgeführt werden. Wer die höheren Stufen der Ausbildung absolviert hat, darf an den E-Bussen auch noch komplexere Arbeiten wie etwa direkt an den Batteriepaketen durchführen.

Die E-Busse sind in der Region zwischen Götzis und Bludenz unterwegs. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die E-Busse sind in der Region zwischen Götzis und Bludenz unterwegs. Klaus Hartinger

Doch nicht nur in Kursen wird das nötige Wissen für den richtigen Umgang mit der Technik vermittelt. Auch die Kfz-Mechaniker untereinander tauschen ihre Erfahrungen bei der Arbeit an den verschiedensten Bus-Modellen – egal ob Diesel- oder E-Bus – miteinander aus. Manfred Streitler und Georg Lässer sind überzeugt davon, dass es wichtig ist, sein Wissen weiterzugeben und sich mit den Kollegen auszutauschen. Dieser Ansicht ist auch Helmut Hopfner, Leiter der Postbus-Werkstätte in Wolfurt. Gerade angesichts des Fachkräftemangels im Land hält er es für wichtig, potenziellen neuen Mitarbeitern ein interessantes Arbeitsumfeld zu bieten. Er ist überzeugt davon, dass dies in der Postbus-Werkstätte der Fall ist. Jüngere Kfz-Mechaniker hätten die Möglichkeit, von den älteren Kollegen zu lernen. Umgekehrt schätzt Hopfner an erfahreneren Bewerbern, dass mit ihnen neues Wissen in die Werkstatt kommt.

Flotte soll weiter wachsen

Der Leiter ist immer auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, denn der öffentliche Nahverkehr in Vorarlberg boomt. Auch die E-Busse haben sich in den ersten beiden Betriebsjahren bewährt. Seitens des Landes wurde bereits angekündigt, dass die elektrische Busflotte in den kommenden Jahren deutlich aufgestockt werden soll. Für die Techniker bietet das die Möglichkeit, auch künftig vermehrt mit Fahrzeugen mit dieser Antriebstechnologie zu arbeiten.

Auf dem Dach sind vier der insgesamt sechs Batteriepakete untergebracht. <span class="copyright">Beate Rhomberg</span>
Auf dem Dach sind vier der insgesamt sechs Batteriepakete untergebracht. Beate Rhomberg

Einen großen Unterschied beim Wartungsaufwand für die E-Busse gibt es nach Angaben von Manfred Streitler und Georg Lässer im Vergleich mit den herkömmlichen Dieselbussen nicht. Schließlich sind die Fahrzeuge grundsätzlich gleich aufgebaut. Die E-Busse verfügen lediglich über einen anderen Antrieb und große Batteriepakete, aber haben dafür keinen großen Dieselmotor mehr. Auch größere Schwachstellen bei der recht neuen Technologie haben die Kfz-Experten aus der Postbus-Werkstätte nicht festgestellt.

Permanente Weiterentwicklung

Bei den Batterien gibt es aus Sicht von Helmut Hopfner allerdings noch Verbesserungspotenzial. Man habe schon mehr von ihnen austauschen müssen als erwartet. Doch ein übermäßiger Grund zur Besorgnis ist das für den Werkstatt-Leiter nicht. Schließlich entwickelt sich die Elektrofahrzeug-Technologie permanent weiter. Das freut auch die Manfred Streitler und Georg Lässer. Schließlich haben sie so die Gelegenheit, sich weiter fortzubilden und neue Herausforderungen zu bewältigen.