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Sommerwanderung im Zürser Skigebiet

15.08.2022 • 19:28 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Gerhard Vylet</span>Der Zürser See.
Gerhard VyletDer Zürser See.

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern zur Oberen Wildgrubenspitze.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Es ist ein Alpinweg zur Oberen Wildgrubenspitze, teils wegloses Gelände, aber ein fantastischer Panoramablick über das Lechquellengebirge.

Anforderung und Gehzeit: In fünfeinhalb Stunden sind circa 930 Höhenmeter zu bewältigen, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß, weiß-blau-weiß

Charakter der Wege: Forst- und Wiesenwege, alpiner Steig im steilen Schottergelände

Kultur und Natur: Zürser See, Madlochjoch, Obere Wildgrubenspitze, Lechquellengebirge

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk mit Profilsohle, Kleidung je nach Wetter, Jause, Getränke

Einkehrmöglichkeiten: beim Zürser See „Bergrestaurant Seekopf“, in Zürs Restaurant „Enzian“

Start und Ende: Parkplatz Zürs, Bushaltestelle Linie 4, Haltestelle Trittkopf ab Lech, Linie 91 ab Langen, Linie 92 ab St. Anton a. Arlberg

Zürs ist bekannt als Skigebiet, darf jedoch auch im Sommer entdeckt werden. Am südlichen Ende (Richtung Flexenpass) des großen Parkplatzes beginnt der Aufstieg zum ersten Highlight der Wanderung, dem Zürser See. Nach wenigen Metern auf der ­Forststraße zweigt rechts der Wiesenweg ab. Rasch gewinnt man an Höhe, quert kleine Wasserläufe und begegnet, je nach Wetter, ­vielleicht einem Alpensalamander.

Ab der Geländekante wird es flacher und eröffnet einen unerwarteten Blick über eine hügelige Alplandschaft. Links ragt die Vordere Hasenfluh schroff auf, geradeaus sind Seekopf und Omeshorn zu sehen. In diesem als „Jazzi“ bezeichneten Gebiet entspringen „Jazzibächle“ und „Jazzibach“, letzterer wird im weiteren Wegverlauf gequert. Der Weg mündet kurz unterhalb des Seekopfs in die Straße, welche weiter nach oben zum Sattel führt. Nun zeigt der Wegweiser das Madlochjoch mit einer Stunde Gehzeit an.

Zürs ist der Start und das Ziel der Wanderung. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Zürs ist der Start und das Ziel der Wanderung. Gerhard Vylet

Nach der Talstation der Muggengratbahn geht es über einen Wasserlauf und entlang dem See über einen weiteren Bach, ehe der nächste Wegweiser etwas oberhalb erreicht wird. Die Zeitangabe mag rätselhaft sein, aber Ziel und Richtung stimmen. Steil steigt man neben der „Madlochbahn“ auf, erreicht einen kleinen Sattel und blickt auf eine Ebene, die einstmals sicher ein See war. Die flache Passage lässt den nächsten Anstieg leichter bewältigen. Ist die Ebene gequert, führt der Weg beim Lift zuerst steil, dann über die Wiese wieder etwas flacher hinauf.

Rastplatz mit Ausblick

Am Joch bietet sich bereits ein herrlicher Ausblick über das Lechquellengebirge (Spuller Schafberg, Mehlsack, Westlicher Johanneskopf, Bratschenkopf, Hochlichtspitze) und den Spullersee im Westen. Im Osten schaut man auf die Lechtaler Alpen (Rüfispitze, Erlispitz, Valluga und Trittkopf). Sicher lässt sich hier auch ein guter Rastplatz finden. Es bietet sich jedoch an, noch auf die Obere Wildgrubenspitze (2629 Meter) hoch zu gehen. Dazu folgt man dem Wanderweg links Richtung Spullersee und geht geradeaus zum Schotterhang. Auf großen Steinen kann der Hang nach rechts, leicht ansteigend gequert und der Bergrücken erreicht werden. Spätestens dort sind die Wegmarkierungen für den Aufstieg zu sehen. Verschiedene Wegspuren führen zum Grat. Auf den Gipfel müssen die letzten Meter geklettert werden (Stahlseil ist vorhanden). Man genießt jedoch vor dieser Kletterpassage einen überwältigenden Blick übers Klostertal, Montafon und Rätikon, bis zu den Schweizer Bergen, ohne den Gipfel zu stürmen.

Rückweg

Zuerst erfreut am Rückweg der Ausblick auf die Berge in Richtung Tirol und auf den Zürser See. Beim Wegweiser links in Richtung Madlochalpe/Zürs führt der Weg an einer Höhle vorbei. Ein weiteres lohnendes Motiv für ein Foto bevor es beim See links hinuntergeht. Hier könnte eingekehrt oder auch mit der Seekopfbahn hinuntergefahren werden. Mit Blick auf Lech führt der Weg zur Madlochalpe, dort rechts über ein ebenes Alpgelände zum Abstieg nach Zürs. Der Alpweg schlängelt sich abwärts, gibt den Blick auf Zürs frei und mündet in einem Forststraße. Ein Wiesenweg kürzt eine Kehre ab. Bei der Abzweigung oberhalb der Straße geht man rechts über die Brücke, wieder rechts und ein letztes Mal leicht ansteigend ins Dorf. Dem Zürsbach entlang führt der Weg durchs Dorf zur Bushaltestelle oder zum Parkplatz.

Chronik und ein sagenhafter Senner

Die kleine Ansiedlung Zürs wurde 1416 erstmals urkundlich erwähnt und 1843 der Gemeinde Lech zugeordnet. Der Saumweg von Lech, Warth und Hochkrumbach führte durch Zürs über den Flexenpass ins Klostertal. Nach der Eröffnung der Arlbergbahn 1884 wurde 1897 die Flexenstraße gebaut, um eine sichere Verbindung und Anbindung ans Verkehrsnetz zu ermöglichen.
Damit begann auch die touris­tische Erschließung, welche in den 1920 Jahren stark gesteigert wurde und mit dem Bau des ersten österreichischen Schlepplifts 1937 einen ersten Höhepunkt erreichte. Der weitere Ausbau der Lifte ab 1951 ermöglichte die berühmte Skirundfahrt „Der Weiße Ring“. Teil der Rundfahrt ist die Skiabfahrt vom Madlochjoch nach Zug.

Der Weiße Ring geht alljährlich über die Bühne. <span class="copyright">Steurer</span>
Der Weiße Ring geht alljährlich über die Bühne. Steurer

Der Senner auf der See-Alp (Sage)

Auf der Alpe am Zürser See war einmal ein Senner, der bei der Arbeit unachtsam und schlampig war. So hat er beim Kochen immer wieder Milch und Rahm verschüttet, die am Herd eingebrannt ist. So ging viel Ertrag verloren, die reichen Bauern sind nicht reicher geworden, aber die Armen hatten ihre Not. Nachdem der Senn verstorben war, hat seine Seele keine Ruhe gefunden und ist immer wieder einmal als Geist auf die Alp zurückgekehrt. Manche Jäger und Hirten, die auf der Alp übernachteten, haben ihn gesehen. Immer wieder hat er Mus gekocht, alles anbrennen lassen, das Verkohlte und den Russ zusammengeschabt und ins Mus gegeben. Das fertige Mus hat er dann den Jägern oder Hirten angeboten. Doch niemand hat es gewagt, davon zu essen. Eines Tages kam ein Hirtenbub auf die Alpe, der einen anstrengenden Tag und seit dem Frühstück nichts gegessen hatte. Er war sehr hungrig. Auch ihm erschien der Geist und bot ihm das Mus an. Der Bub hatte nicht nur Hunger, sondern auch Angst vor dem Geist und aß das ganze Mus auf. Da bedankte sich der Geist, erzählte dem Buben seine Geschichte und war erlöst.

Quellen: Flora Helvetica- Haupt Verlag, Wikipedia, lechzuers.com, gemeinde.lech.eu, Vorarlberg Atlas, sagen.at

Das Alpen-Hornkraut. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Das Alpen-Hornkraut. Gerhard Vylet

Blumenkunde

Das Alpen-Hornkraut (Cerastium alpinum) kommt auf steinigen Rasen, Gratrücken und in Felsspalten bis auf circa 2500 Meter Höhe vor. Die Blütezeit ist von Juli bis September. Es gehört zur Gattung der Hornkräuter in der Familie der Nelkengewächse. Die Blätter sind oval bis spitz zulaufend geformt und gegenständig angeordnet. An jedem Stängel sind nur ein bis drei Blüten. Blätter und Stängel sind abstehend behaart. Das Alpen Hornkraut wird 6 bis 20 Zentimeter hoch.