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Höchste Alarmbereitschaft bei MotoGP

19.08.2022 • 12:54 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Zahlreiche Häuser wurden durch den Sturm abgedeckt
Zahlreiche Häuser wurden durch den Sturm abgedeckt Thomas Zeiler/BFVB Knittelfeld

Für die Einsatzkräfte war es eine denkbar kurze Nacht. Noch immer stehen die Feuerwehren quer durch die Bezirke Murtal und Murau im Dauereinsatz.

Geübt hat die Feuerwehr ein solches Szenario schön öfters – aber dass es einmal Wirklichkeit wird, hätte sich in dieser Intensität niemand gedacht: “Jede einzelne Feuerwehr in unserem Bereich war gestern im Unwettereinsatz, 340 Leute haben 300 Einsätze absolviert. Das ist unglaublich”, erzählt Erwin Grangl, stellvertretender Landesfeuerwehrkommandant. Gleichzeitig ist er Einsatzleiter der Feuerwehr am Red Bull Ring, wo bis Sonntag bis zu 200.000 Besucher erwartet werden. Zwei Großeinsätze also, die aufeinanderprallten: “Ohne unsere detaillierte Planung und die vielen, vielen Übungen hätte das nie funktioniert. Genau diese Szenarien üben wir immer wieder.”

Bis drei Uhr nachts war die Feuerwehr quer durch den Bezirk Murtal unterwegs, auch im benachbarten Murau laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Um fünf Uhr früh traf dann ein weiteres Gewitter die Region. “Auf den Campingplätzen gibt es Sachschäden, aber kein Vergleich zur Lage rundherum”, erzählt Grangl. Es gäbe in der Region keine einzige Gemeinde ohne Schäden. “Wir hatten am Ring enormes Glück, dass die Sturmfront nicht ganz so schlimm war. Und dass die Anreise erst langsam angelaufen ist, als das Unwetter kam.”

Einsatzstab tagte

“Unglaublich froh”, dass es keine verletzten Personen gibt, ist auch Bezirkshauptfrau Nina Pölzl, die den behördlichen Einsatzstab am Ring leitet. Katastrophenalarm war keiner nötig, im schwer getroffenen Knittelfeld wurde am Donnerstagabend noch ein Einsatzstab eingerichtet. Nun hofft man auf einen ruhigen Freitag – doch das ist alles andere als sicher: “Wir müssen aufpassen. Die Sicherheitskonzepte stehen, Rotes Kreuz, Feuerwehr und Polizei sind gerüstet.”

Besonders die Feuerwehr ist in Alarmbereitschaft: “Wir beobachten alle möglichen Wetterradars, die es gibt. Es schaut gut aus – aber wir verlassen uns nach gestern nicht mehr auf Prognosen. Wenn ein Gewitter kommt, schärfen wir sofort nach.” Immerhin gibt es am Red Bull Ring Tausende Camper, die im Notfall nur ihr Zelt als Schutz haben. “Wir können jederzeit Feuerwehren aus anderen Regionen nachalarmieren und sind immer einsatzbereit – natürlich auch abseits der Rennstrecke.”

Gebiet um Ingeringsee evakuiert

“Es war am Donnerstag eigentlich ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist. Als der Hubschrauber der Polizei die 25 Wanderer vom Ingeringsee geholt hat, haben wir noch 37 Leute wirklich zwischen den Bäumen rausgeholt. Es war eine unfassbare Zerstörung”, erzählt Grangl. “Die Bäume sind kreuz und quer gelegen.”

Am Freitag rückte der Hubschrauber der Polizei von Spielberg aus, um die besonders betroffenen Gebiete – unter anderem in Gaal – von der Luft aus zu erkunden. Abseits der Unwetter sei die Lage am Red Bull Ring ruhig, man verzeichnet nur kleinere Delikte wie Diebstähle, Unfälle, eine Führerscheinabnahme und Sachbeschädigungen.

Einsatz in den Bergen

In den Seetaler Alpen kam es zu einer alpinen Notlage am Gipfel des Kreiskogels (2306 Meter Seehöhe) aufgrund des Unwetters: Zwölf Bergretter der Bergrettung Judenburg, zwei Alpinpolizisten sowie sechs Bedienstete des Bundesheeres stiegen zu sieben in Not geratenen Personen auf und begleiteten sie sicher zur Diensthütte der Bergrettung Judenburg. Auch in den Rottenmanner Tauern mussten drei Alpinisten vom Dreisteckengrat (2449 Meter) in einer siebenstündigen Rettungsaktion ins Tal geholt werden. “Wir mussten die Personen mit Seil gesichert in sehr steilem, nassen und rutschigen Gelände bei widrigsten Wetterbedingungen ins Tal begleiten. Dazu kam dann noch die Dunkelheit, starker Wind, Nebel und Regen”, schildert Christoph Kandler, Einsatzleiter der Bergrettung Hohentauern. Ein weiterer Einsatz fand am Großen Bösenstein statt.

Noch immer sind quer durch die Obersteiermark viele Haushalte ohne Strom, zahlreiche Straßen (etwa im Bereich Pöls und Kobenz) sind gesperrt. Nicht begehbar ist derzeit auch der Wipfelwanderweg in Rachau, ein beliebtes Ausflugsziel. Ebenso gesperrt sind Mountainbike-Strecken quer durch die Region.

Anreise erschwert

Für alle, die zur MotoGP mit der Bahn anreisen: Die Unterbrechung auf der Südstrecke für die Verbindung von Wien nach Villach wird noch mindestens bis Mitternacht des 19. August andauern. Fahrgäste werden aufgrund der aktuellen Situation eindringlich ersucht, nicht dringende Reisen zu verschieben. Sollte dies nicht möglich sein, können Reisende von Wien aus – statt über die Südstrecke – über die Weststrecke via Salzburg nach Kärnten fahren.

Der aktuelle Ereignisstand findet sich laufend unter http://fahrplan.oebb.at/bin/help.exe/dn?tpl=showmap_external. Weitere aktuelle Informationen sind unter oebb.at, auf den Social Media-Kanälen oder telefonisch unter 05-1717 verfügbar.