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Mit Teens ist Kofferpacken Nervensache

20.08.2022 • 15:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kopfkino von Salmhofer. <span class="copyright">NEUE</span>
Kopfkino von Salmhofer. NEUE

Heidi Salmhofer mit ihrer Sonntags-Kolumne in der Neue am Sonntag.

Endlich Urlaub. Etwas Entspannung, die Gedanken frei fliegen lassen, keine berufliche Verantwortung, schlafen, Abstand vom Alltagsleben. Meine Erwartungshaltung für diese zwei Wochen ist groß. Denn danach sollte es wieder fit in den Berufsalltag zurückgehen. Um das zu erreichen ist der Plan, wieder einmal nach Innerösterreich zu fahren. Es steht kein Flug nach China an, keine Besteigung des Mount Everest und schon gar kein Trip zum Mars. Somit eine vermeintlich leicht zu organisierende Geschichte. Drei kleine Koffer packen, diese in den Kofferraum des Autos legen und los geht’s. Alles keine Hexerei. Ich habe die Rechnung ohne meine zwei Töchter gemacht. Seit einer Woche bereite ich sie geistig darauf vor, dass wir demnächst Vorarlberg für zwei Wochen verlassen werden und sie doch bitte daran denken mögen, ihre Köfferchen zu füllen. „Easy!“ hörte ich, „Klar!“ wurde mir entgegengesäuselt und noch ein „du musst nicht immer alles kommandieren“ hinterher geworfen. Bis zum Tag X hat sich, trotz täglicher Aufforderung, nichts getan. Meine Überraschung diesbezüglich hält sich in Grenzen. Also deponiere ich noch einmal ein, nun mit Strenge gewürztes Geheiß, gefälligst dafür zu sorgen, dass genug Unterhosen den Weg mit nach Niederösterreich finden. Was auch ich dabei vergesse, dass meine Strenge immer zu einem Streit meiner Töchter führt. Türen werden geknallt, Schimpfwörter durch den Raum geschleudert und sich sekündlich eine andere Schwester gewünscht. Kein Koffer ist somit um halb zehn Uhr abends fertig. Tochter 2 hat zwei T-Shirts, drei kurze Hosen und zwei Socken für zwei Wochen vorbereitet. Auf mein Vermutung hin, dass eventuell noch zwei lange Hosen und etwas für kühlere Tage von Nöten sein könnte, bekomme ich nur ein Schulterzucken „Es ist Sommer“. Tochter 1 hat hingegen drei Ikea-Säcke voll mit Bekleidung gefüllt, inklusive Glätteisen, Föhn und Schminkkoffer. Ich verspüre das dringende Bedürfnis nach einem großen Glas Wein. „Mädels, wir sollten morgen in der Früh los und nichts, wirklich nichts ist ordentlich gerichtet! Wie lange quatsche ich jetzt schon mit Euch! Es ist doch wirklich jedes Mal dasselbe!“ Ich erschrecke in der Sekunde über die Jahrhunderte alten Erziehungsfloskeln die aus meinem Mund quellen. Meine Töchter kriegen sich sofort wieder in die Haare und ich informiere mich über Last-Minute-Ferienlager für Teens. Im Übrigen sind wir am nächsten Tag nicht los, weil es wie aus Kübeln schüttete. Somit haben wir nochmal einen Tag zum Kofferpacken gewonnen. Yeah!

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.

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