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Falsche Vorbilder befeuern Hass gegen Frauen

21.08.2022 • 15:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jugendliche suchen sich Vorbilder. Fündig werden sie unter anderem in den sozialen Netzwerken. Doch nicht alle Idole haben das Zeug zum Medienhelden
Jugendliche suchen sich Vorbilder. Fündig werden sie unter anderem in den sozialen Netzwerken. Doch nicht alle Idole haben das Zeug zum Medienhelden (c) IMAGO/NurPhoto (IMAGO/Nikolas Kokovlis)

In ihren Internetvideos kultivieren Social-Media-Stars mysogyne Gewalt.

Eine Frau ist das Eigentum ihres Mannes. Sie ordnet sich unter, sie gehorcht. Ansichten, mit denen der amerikanisch-britische Ex-Kickboxer Andrew Tate aufhorchen lässt. Opfern gibt er eine Mitschuld an einer Vergewaltigung. Männern empfiehlt er, nur 18- bis 19-Jährige auszuführen, weil diese noch „beeinflussbar“ wären.

Das Problem: Tate ist kein belangloser Haberer, seine Kampfansagen sind auch außerhalb der Sportkabine relevant. Allein auf der Video-App TikTok erzielte er insgesamt mehrere Milliarden Aufrufe. Auf Instagram und Facebook wurde er mittlerweile gesperrt. Vor allem jungen Männer dient er als Vorbild, der britische Kinderschutzbund NSPCC hingegen warnt im „Guardian“ vor ihm: Sieht sich ein Kind solche Inhalte an, könnte das die Haltung stark beeinflussen, was etwa in mehr Gewalt gegen Frauen und Mädchen gipfle – online oder in der Schule.

Mächtig = männlich?

Zu spüren ist ein reaktionärer Backlash. Mobilisiert wird bereits der Nachwuchs. Rund die Hälfte der 16- bis 24-Jährigen Männer sei der Meinung, der Feminismus wäre schon zu weit fortgeschritten, ergab eine Studie der britischen Stiftung „Hope not Hate“. Männer wie Tate scharen mit ihrem archaischen Verständnis von Männlichkeit große Massen um sich. Ein gefährliches Spiel, denn ein System, das solche Provokateure hochleben lässt, ist gleichzeitig auch ein System, das Frauen herabwürdigt. Und für den Rest der Männer toxische Maßstäbe setzt: Reiß dich zusammen, sei hart, setz dich durch, zeig keine Gefühle. Das Ergebnis sind Männer, die nie gelernt haben, Frust und Wut konstruktiv zu verarbeiten.

Härte über allem – das hat seinen Preis: Männer werden öfter Opfer von Gewalt, sind suchtgefährdeter und begehen öfter Suizid. Keine Frage: Das Patriarchat bevorzugt Männer, aber als Verlierer steigen wir alle aus.

Fakt ist: Jugendliche suchen sich ihre Vorbilder. Dabei übernehmen sie Überzeugungen und Werte. Gefragt sind deshalb wir alle: Es gilt hinzuschauen, das Gespräch zu suchen, Vorbehalte zu diskutieren. Denn die gute Nachricht ist: Werte, die von Menschen geschaffen und aufrechterhalten werden, können auch von Menschen verändert werden. Wir müssen es nur wollen.

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