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Geht Österreich langsam das Wasser aus?

21.08.2022 • 12:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Weil der Donau-Pegel in der Wachau so niedrig ist, dürfen Güterschiffe nur noch teilbeladen werden
Weil der Donau-Pegel in der Wachau so niedrig ist, dürfen Güterschiffe nur noch teilbeladen werden ROLAND SCHLAGER

Sinkende Pegelstände, ausgetrocknete Gewässer und Trinkwasserknappheit.

Österreichs Pegelstände sinken. In einigen Bundesländern trocknen erste Gewässer aus, jetzt droht sogar das Trinkwasser knapp zu werden, etwa in Oberösterreich. “Aufgrund der anhaltenden Witterungsverhältnisse bitten wir dringlich darum, vom Rasensprengen und Befüllen von Schwimmbecken etc. abzusehen”, appelliert Traunkirchens Bürgermeister Christoph Schragl (VP) diese Woche an die Gemeindebewohnerinnen und -bewohner. Auch in Pinsdorf (Bezirk Gmunden) sind die Einwohner zum Wassersparen aufgerufen, heißt es vom Land. In den Oberläufen im Innviertel sind bereits kleinere Gewässer trocken gefallen.

Ähnlich ist die Situation im Burgenland. Wo der Seewinkel bereits seit Längerem mit den ausbleibenden Niederschlägen und zunehmenden Hitzetagen schwer zu kämpfen hat. Der Zicksee ist bereits verlandet, am Neusiedler See wurde im Juli der tiefste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Indes weiter auf sehr niedrigem Stand befindet sich der Bodensee in Vorarlberg. Mit 308 Zentimetern lag der Bodensee-Pegel am Dienstag noch elf Zentimeter höher als beim bisherigen Tiefststand.

Drittwärmster Sommer der Messgeschichte

Als Ursache werden die ansteigenden Hitzetage und die fehlenden Niederschläge geführt. Laut Zamg gab es in den meisten Landeshauptstädten heuer schon rund 40 Prozent mehr Hitzetage als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre. Setzt sich der heiße Trend in den nächsten zwei Wochen fort, könnte der diesjährige Sommer als einer der wärmsten in die Geschichte eingehen.

Im Land Salzburg sind der Flachgau und Tennengau am stärksten von der Austrocknung betroffen. Grund ist auch hier der fehlende Niederschlag: “Wir verzeichnen bis jetzt nur knapp die Hälfte der durchschnittlichen Niederschlagsmenge”, berichtet Theodor Steidl von der Salzburger Wasserwirtschaft. Die Gemeinden Köstendorf, Seekirchen und Henndorf am Wallersee (Bezirk Salzburg-Land) rufen ihre Bewohner zudem zum Wassersparen auf. In Henndorf ist der Pegelstand des Hauptbrunnens von rund einem Meter auf nunmehr einen halben Meter gesunken. Auch die Seen weisen eine fallende Tendenz auf, etwa der Fuschlsee, der in den vergangenen Wochen um zehn Zentimeter zurückgegangen ist.

Niedrigwasserwerte werden auch in Niederösterreich gemessen. In Wiener Neustadt erreicht der Grundwasserpegel den tiefsten Stand seit 1972, wie Günther Konheisner von der niederösterreichischen Wasserwirtschaft berichtet: “Vor allem in den östlichen und südöstlichen Bezirken ist der Wasserstand so niedrig, wie schon lange nicht mehr.” In der Steiermark nähere man sich beim Grundwasser den Tiefständen, etwa im Grazer Becken, wo der Grundwasserpegel seit August des Vorjahres durchgehend rückläufig ist. Die Pegelstände sowohl im Mur-, Raab- als auch im Ennsgebiet liegen unterhalb des mittleren jährlichen Durchflusses.

Niedriger Donau-Pegel führt zu Problemen bei Schifffahrt

Einen Rückgang weist auch die Donau auf. Da wegen Trockenheit und Hitze das Regulierungsniederwasser in der Wachau um 17 Zentimeter unterschritten ist, dürfen Güterschiffe nur noch teilbeladen werden, erklärt Konheisner. Auf die restliche Schifffahrt hat der gesunkene Donau-Pegelstand momentan noch keine Auswirkungen. Bei weiter sinkendem Pegel könnten aber Touristenschiffe bald nicht mehr ohne Weiteres durchfahren. Für die Gemüsekulturen im Bereich Weinviertel und Tullnerfeld sei noch ausreichend Wasser vorhanden. Konheisner: “Die Gemüsefelder werden über den Marchfeldkanal mit dem Donau-Wasser gespeist. Die Bewässerung funktioniert derweil wie gewohnt.” In Kärnten liegt der Wörthersee mit einem Pegel von 103 Zentimetern rund 23 Zentimeter unter dem jährlichen Mittelwert. Fällt der Pegel weiter ab, könnte zu Problemen für die Schifffahrt führen.

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