Allgemein

Der Streaming-König schwächelt

22.08.2022 • 15:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
25 Jahre Netflix
Netflix feiert seinen 25-jährigen Geburtstag APA/dpa/Alexander Heinl

Die Konkurrenz rüstet auf, während Netflix Kunden verliert.

Mit Serien wie “House of Cards” hat Netflix das Fernsehen ins Internet gebracht und so die Unterhaltungsbranche revolutioniert. Die Firma entwickelte sich vom DVD-Verleih im Netz zum Maß aller Dinge im boomenden Streaming-Geschäft. Doch die Konkurrenz wird immer stärker. Zuletzt verlor Netflix Kunden, während Rivalen wie Disney kräftig zulegten.

Darum setzt Netflix auf neue Strategien und bricht mit seinen Traditionen. Für viele Nutzer könnte dies schon bald unangenehme Folgen haben. So will Netflix im kommenden Jahr damit beginnen, strikter gegen Kunden vorzugehen, die ihre Log-in-Daten mit anderen teilen. Das Unternehmen geht davon aus, dass über die zuletzt knapp 221 Millionen regulären Abonnenten hinaus noch mehr als 100 Millionen Haushalte den Streaming-Dienst unbefugt mitnutzen. Bisher verfolgte Netflix hier eine lockere Linie, doch damit soll jetzt Schluss sein. Aber lassen sich die Trittbrettfahrer so einfach in zahlende Kunden verwandeln? “Netflix muss vorsichtig vorgehen, um Nutzer nicht zu vergraulen”, meint Experte Simon Baker vom Geldhaus Société Générale. US-Umfragen deuteten auf eine relativ hohe Abwanderungsbereitschaft hin.

Nachdem der Streaming-Boom zu Beginn der Pandemie noch für einen Abonnentenansturm gesorgt hatte, verlor Netflix im ersten Halbjahr 2022 mehr als eine Million Kunden. Besonders im angesichts zahlreicher Konkurrenzangebote zunehmend übersättigten Heimatmarkt Nordamerika klinkten sich zuletzt viele Nutzer aus. Nach Jahren als Börsenliebling hat Netflix mittlerweile auch an der Wall Street einen schweren Stand: Die Aktie ist in diesem Jahr um knapp 60 Prozent gefallen – deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Und ausgerechnet jetzt kommt auch noch die Konkurrenz in Fahrt.

Der vor weniger als drei Jahren als Netflix-Jäger gestartete Rivale Disney+ gewann in den drei Monaten bis Ende Juni – nicht zuletzt dank der “Star Wars”-Serie “Obi-Wan Kenobi” – rund 14,4 Millionen Abos hinzu und liegt nun schon bei gut 152 Millionen Nutzerkonten. Zählt man Disneys weitere Streaming-Dienste Hulu und ESPN+ hinzu, so hat der Hollywood-Riese schon in etwa mit Netflix gleichgezogen. Allerdings half Disney in den vergangenen Jahren auch kräftig mit Rabatten und Sonderangebote nach. Zudem sind die Zahlen nur bedingt vergleichbar, da Disney viele Nutzer mit Kombi-Deals lockt. Ob der Micky-Maus-Konzern sein starkes Wachstum beibehalten kann, muss sich auch erst zeigen. Dennoch sieht Netflix momentan geschwächt aus.

Von einem anderen Markenzeichen hat sich Netflix bereits verabschiedet. So brachte der Online-Videodienst bei den jüngsten Staffeln von “Stranger Things” und “Ozark” nicht mehr wie üblich alle Folgen auf einmal heraus. Damit gibt Netflix seine Tradition auf, den Stoff für das auf Englisch “Binge-Watching” genannte Marathonschauen neuer Serienstaffeln zu liefern. Das Kalkül der Reform: Kunden länger bei der Stange halten – Serienfans können nun nicht mehr alles in einem Rutsch schauen und ihr Abo wieder abbestellen. Während es in der klassischen TV-Branche üblich ist, nur eine Folge wöchentlich zu veröffentlichen, bricht Netflix damit seine langjährigen Standards.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.