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Die große Reise
des kleinen Allen

24.08.2022 • 20:38 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
T-Shirts und Zahnbürste hatte der Achtjährige selbst auf dem Gepäckträger dabei. Oma und Opa transportierten Nudeln und Nutella in den Satteltaschen.<span class="copyright">Gerda Burtscher</span>
T-Shirts und Zahnbürste hatte der Achtjährige selbst auf dem Gepäckträger dabei. Oma und Opa transportierten Nudeln und Nutella in den Satteltaschen.Gerda Burtscher

Ein Achtjähriger und seine Großmutter haben ein Abenteuer hinter sich.

In 23 Tagen mit dem Rad von Feldkirch bis nach Hoek van Holland — so ein Abenteuer können nicht viele Achtjährige vorweisen. Allen Adlassnigg schon. Er ist nach der Tour nicht erschöpft. Diese machte er nicht alleine. Seine Großmutter Gerda Burtscher begleitete ihn auf der Fahrt über den Rheinradweg von Feldkirch über die Schweiz, Frankreich, Deutschland bis in die Niederlande.
„Am Radfahren macht mir Spaß, dass man viele Städte und Kirchen anschauen kann“, erzählt er von der Radtour. Besonders begeistert war er von der Größe des Kölner Doms und der Fahrt mit der Fähre.

Auch das Sightseeing kam nicht zu kurz. <span class="copyright">Gerda Burtscher</span>
Auch das Sightseeing kam nicht zu kurz. Gerda Burtscher


Nicht nur dem Achtjährigen macht Radfahren Spaß. Seine Oma ist diesen Sommer bereits mit dem Fahrrad sechs Wochen lang nach Barcelona gefahren. Eine Tour mit dem Enkel empfand sie aufgrund der zusätzlichen Verantwortung als aufregender. Sie wählte eine Route mit wenig Steigung und achtete darauf, dass es nicht zu anstrengend für ihn wurde. An einem Tag mit 38 Grad Celsius fuhr sie beispielsweise schon früher los, um nicht in die Mittagshitze zu kommen. Bei anstrengenden Streckenabschnitten mit Steigungen legte sie mehr Pausen ein. „Die Radreise war schön“, resümiert Allen. Seine Füße hätten ihm nie weh getan und er habe auch nie unter Muskelkater gelitten. Er legte jedoch täglich ungefähr 50 Kilometer zurück.

Der Achtjährige fuhr mit dem Rad in 23 Tagen von Feldkirch nach Hoek van Holland. <span class="copyright">Gerda Burtscher</span>
Der Achtjährige fuhr mit dem Rad in 23 Tagen von Feldkirch nach Hoek van Holland. Gerda Burtscher

Gratis Reparatur und Spiegeleier

Nur zwei Pausentage gönnten sich die zwei. Diese dienten mehr dem Wäschewaschen und der Reparatur vom Fahrrad als der Erholung. In der Werkstatt seien die Handwerker begeistert gewesen, dass der Achtjährige so weit mit dem Rad gefahren ist. Sie spannten kostenlos die Kette und montierten ein Licht. Nicht nur in der Werkstatt stieß er auf positive Rückmeldungen. In einem Hotel kochte die Hotelbetreiberin vor Bewunderung für ihn Spiegeleier. An den Pausentagen übernachteten sie im Hotel, sonst im Zelt.

Die Mutter Angie Adlassnigg besuchte ihren Sohn Allen auf der Reise. Sie brachte sogar Spaghetti mit. Diese hat seine Schwester Michelle gekocht. <span class="copyright">Gerda Burtscher </span>
Die Mutter Angie Adlassnigg besuchte ihren Sohn Allen auf der Reise. Sie brachte sogar Spaghetti mit. Diese hat seine Schwester Michelle gekocht. Gerda Burtscher


Dann gab es meistens Pasta, zubereitet auf dem Campingkocher. Fürs Frühstück hatte die 62-Jährige Brot und Nutella in der Satteltasche mit dabei. „Damit Allen den Spaß nicht verliert“, meint die Pensionistin. Der Speiseplan richtete sich nach den Vorlieben des Achtjährigen. Spaghetti mit Tomatensauce ist sein Favorit. Die Aufenthalte am Campingplatz machten dem Feldkircher mehr Spaß als im Hotel. Dort konnte er nach der Ankunft am Nachmittag mit anderen Kindern spielen. „Es ist erstaunlich, dass sich Kinder mit unterschiedlichen Sprachen so gut verstehen“, sagt die ehemalige Pflegerin. Die Trennung jeden Tag von diesen sei aber immer wieder schwer für ihn gewesen.

Die Großmutter Gerda Burtscher suchte zwar den einfacheren Weg raus, doch es ging auch mal durchs Wasser.<span class="copyright">Gerda Burtscher</span>
Die Großmutter Gerda Burtscher suchte zwar den einfacheren Weg raus, doch es ging auch mal durchs Wasser.Gerda Burtscher

Obwohl es das erste Mal war, dass der Schüler so lange von zu Hause weg war, habe er kein Heimweh gehabt. „Ich habe meine Mama aber echt vermisst“, meint Allen. Deswegen hat seine Mutter Angie Alassnigg ihn während der Reise in Osterspai in Rheinland-Pfalz mit dem Auto besucht. Sie hat ihm von seiner Schwester Michelle gekochte Spaghetti mitgebracht. Nicht nur Pasta hatte sie im Gepäck – Auch Johannes Burtscher fuhr mit. Der 55-jährige Großvater von Allen begleitete die zwei für die restlichen Tage mit dem Elektrofahrrad. Am 1. August hat die Radreise der Oma und dem Enkel begonnen und vorgestern sind sie zu dritt in Hoek van Holland angekommen.

Geschlafen haben die Radreisenden im Zelt. Zwei Nächte machten sie Pause im Hotel um Wäsche zu waschen und das Fahrrad zu reparieren.<span class="copyright">Gerda Burtscher</span>
Geschlafen haben die Radreisenden im Zelt. Zwei Nächte machten sie Pause im Hotel um Wäsche zu waschen und das Fahrrad zu reparieren.Gerda Burtscher

Lichterkette für die Uroma

Auslöser für die Reise war der Tod der Urgroßmutter von Allen beziehungsweise der Mutter von Gerda Burtscher. Sie haben auf der Radtour in den größeren Kirchen Kerzen für die Verstorbene angezündet. „Wir sind den Weg für die Uroma gefahren und haben eine Lichterkette für sie gemacht“, beschreibt Burtscher die Radtour. Die Gespräche über den Tod während der Fahrradtour hätten den Verarbeitungsprozess gefördert. Die 94-Jährige war fünf Tage vor der Abfahrt in Langenegg beerdigt worden. Oma und Enkel haben sich gegenseitig Mut gemacht und sich motiviert. „Ich habe zuerst gedacht, der Weg nach Holland ist zu weit“, meint der Achtjährige. „Jetzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich es schaffe.“ Er hat schon die nächste Tour um den Bodensee geplant.

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