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Eine Sternstunde des Liedgesangs

24.08.2022 • 20:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das 2003 gegründete Quatuor Modigliani Quartett.   <span class="copyright">Schubertiade</span>
Das 2003 gegründete Quatuor Modigliani Quartett. Schubertiade

Das Quatuor Modigliani Quartett und Christoph Prégardien sorgten bei der Schubertiade Schwarzenberg für Jubel.

Das französische Quatuor Modigliani hat in dieser Schubertiade-Saison in fünf Konzerten alle Streichquartette von Franz Schubert aufgeführt und schon mit der brausenden Interpretation des d-Moll-Quartetts „Der Tod und das Mädchen“ die letzte Station dieser Reise durch Schuberts Quartettkosmos erreicht. Wie immer war auch eines der „frühen“ Quartette eine Entdeckung wert.

Ihr Programm eröffneten die Franzosen am Dienstagnachmittag mit dem einzeln stehenden Quartettsatz in c-Moll. Durch die Leidenschaftlichkeit ihres Spiels, die starke Dynamik mit dem leuchtenden Ton des Primarius Amaury Coeytaux und etwa der präsenten Basis des Cellisten François Kieffer wurde das Werk zu einem Minidrama.

Turbulentes Finale

Jung, experimentierfreudig und dabei spannend wirken die frühen Quartette Schuberts. Das E-Dur-Werk von 1816 ist dazu stark von der Verehrung für Mozart geprägt. Das zeigt sich hier vor allem in den innigen Dialogen im langsamen Satz. Nach dem Hell-Dunkel des Menuetts präsentieren die Franzosen ein turbulentes Finale, in dem manches durch das hohe Tempo verwischt wird und sich das Rad immer weiterdreht.

In den schnellen Sätzen von „Der Tod und das Mädchen“ entwickelte das Quatuor Modigliani viel Zugkraft, auch Druck und orchestrale Fülle, kontrastiert von innigen Seitenthemen. Im zentralen Variationensatz, aufgebaut auf sehr dichtem Legatothema, hoben sich die einzelnen Stimmen wie Charaktere heraus, um dann zu einem kraftvoll dynamischen Ensemble zu verschmelzen. Das erfahrene Kammermusikpublikum jubelte über diese sehr individuelle Deutung von Schuberts Werk.

Der Tenor Christoph Prégardien mit Begleiter Julias Drake in Schwarzenberg. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Der Tenor Christoph Prégardien mit Begleiter Julias Drake in Schwarzenberg. Schubertiade

Eine Sternstunde des Liedgesangs bescherten abends dann der Tenor Christoph Prégardien an der Seite des britischen Liedpianisten Julius Drake, der seinen Sänger ebenso fantasievoll wie sensibel trägt. Auch diese beiden Künstler beteiligten sich an der Gesamtaufführung aller Schubertlieder in der Reihung des Komponisten, wobei Prégardien bei ihm unbekannteren oder schwächeren Liedern (ja, auch das gibt es bei Schubert …) ungleich verhaltener agiert, während Drake Pianoteppiche oder kernige Arpeggien zaubert.

Bei anderen wie dem „Wanderer an den Mond“ oder „Zügenglöcklein“ kann man dagegen die wunderbar differenzierte Strophengestaltung der erfahrenen Künstler genießen, hören, wie sich das Klavier mit Drakes Anschlagskunst in eine Laute verwandelt oder wie ein Schlager wie „Auf der Bruck“ freudig neu belebt wird und verlischt.

Überraschung nach der Pause

Mit einer französischen Liedgruppe des Romantikers Henri Duparc überraschten die Künstler nach der Pause: Unendliche Atembögen, Empfindsamkeit, ein kurzes dramatisches Lied, die fein ansprechende Kopfstimme des Sängers, ein vielgestaltiger Klavierpart, der in manchem schon auf Debussy vorausweist oder ein großer zärtlicher Abgesang seien hier hervorgehoben.

Und auch wenn man die letzten Schubert-Liedgruppen schon so oft von Prégardien gehört hat, sind sie dank seiner Stimmführung, seiner Farben und seiner Atembögen immer wieder ein Geschenk – natürlich auch dank der liebevollen Gestaltung des Klavierparts durch Julius Drake. Mit einem spinnwebfeinen „Nacht und Träume“ entließen die beiden das selige Publikum in die Sternennacht. Katharina von Glasenapp

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