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Wie Tirols Parteien in die heiße Phase starten

28.08.2022 • 22:21 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
In einem Monat werden die Karten in Tirol neu gemischt
In einem Monat werden die Karten in Tirol neu gemischt Pixabay

Ein Monat vor Landtagswahlen positionieren sich die Parteien.

Nach dem Rücktritt von Langzeit-Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) werden in Tirol die Karten neu gemischt: Kommende Woche startet der Wahlkampf für die Tiroler Landtagswahl am 25. September in seine heiße Phase. ÖVP, SPÖ, Grüne und Liste Fritz werden in den nächsten Tagen offiziell ihren Wahlkampf einläuten. Die FPÖ und Neos starten erst in der Woche darauf.

Die Tiroler Kandidatinnen und Kandidaten werden auch aus dem Bund unterstützt – immerhin geht es gerade für die ÖVP, die das “heilige Land” seit 1945 durchgehend regiert, um viel. Umfragen zufolge könnte die schwarze Partei von über 44 Prozent auf ein Drittel der gültigen Stimmen fallen. Selbst Mehrheiten abseits der Volkspartei wären dann möglich.

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“Toni Mattle mag keine Großevents”

Um das zu verhindern, will die Tiroler Volkspartei kommende Woche den “Turbo zünden”, wie es AAB-Chef Dominik Mainusch ausdrückte. Am Dienstag präsentiert die Partei in Person von Landesgeschäftsführer Martin Malaun in Innsbruck ihre erste Plakatwelle, als letzte der wahlwerbenden Parteien. Diese dürfte ganz auf Obmann und Spitzenkandidaten Anton Mattle zugeschnitten sein, der zuletzt mit seiner Absage an eine Koalition mit der FPÖ für Aufsehen gesorgt hatte.

Der Wahlkampfauftakt startet dann am Samstag in Mattles Heimatgemeinde Galtür im Paznauntal. Anders als bisher wird es aber keine Großveranstaltung, sondern eine Pressekonferenz in oder beim dortigen Alpinarium. Dabei werden alle 72 schwarzen Kandidatinnen und Kandidaten, die zur Landtagswahl antreten, vertreten sein und das offizielle Wahlprogramm präsentiert.

ÖVP-Wirtschaftslandesrat Anton Mattle wäre gerne Landeshauptmann, mag aber keine Großveranstaltungen
ÖVP-Wirtschaftslandesrat Anton Mattle wäre gerne Landeshauptmann, mag aber keine GroßveranstaltungenAPA

Bundespolitische Prominenz von Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) abwärts wird nicht erwartet, “es geht in Galtür um die Kandidaten”, erklärte eine Sprecherin der Tiroler Volkspartei. Nach dem Auftakt beginne Mattles Tour durch Tirol. Große Kundgebungen werden auch dann ausbleiben, denn: “Toni Mattle mag keine Großevents, sondern das direkte Gespräch mit den Menschen.”

Für ungewünschte Aufmerksamkeit auf Bundesebene dürfte der ÖVP-U-Ausschuss sorgen. Genau zehn Tage vor der Wahl sollen ÖVP-Landesgeschäftsführer Martin Malaun, Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP) und der Obmann der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend, Dominik Traxl, vor den Abgeordneten aussagen.

Betont staatstragender Dornauer

Die Tiroler SPÖ bläst hingegen am Donnerstagabend zu einem großen Wahlkampfauftakt in der Orangerie des Innsbrucker Congresses. Rund 200 Sympathisanten, Funktionäre und Anhänger werden zu diesem “Warm Up für die heiße Phase” erwartet, erklärte Landesgeschäftsführer Lukas Matt.

SPÖ-Chef Georg Dornauer gibt sich im Wahlkampf betont staatstragend
Georg Dornauer gibt sich im Wahlkampf betont staatstragendAPA

Als Höhepunkt gilt die Rede von Spitzenkandidat und Parteichef Georg Dornauer, der sich bisher im Wahlkampf betont staatstragend präsentierte und die Partei nach zehn Jahren zurück in die Regierung führen will. Die Zeiten, in denen Dornauer gegen die Bundespartei schoss und die eigene Flinte im Cabrio liegen ließ, dürften – zumindest nach außen hin – vorbei sein.

Dennoch hält auch die SPÖ den Bund zum Auftakt außen vor: Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner, die erst Anfang August mit Dornauer in Tirol aufgetreten war, wird diesmal nicht zugegen sein. Zwei Tage zuvor legt auch die SPÖ ihr Wahlprogramm vor, mit dem sie zurück in die Regierung will – und mehr Gemeinden gewinnen als noch 2018.

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FPÖ zwischen Bürgertum und Krawall

Mehr als eine Woche später, am 10. September, startet die FPÖ mit einer “offenen” Großveranstaltung – und blauer Prominenz aus dem Bund. Neben Landesparteichef Markus Abwerzger wird auch Bundesparteiobmann Herbert Kickl eine Rede halten. Dabei dürfte auch schon die Bundespräsidentschaftswahl am 9. Oktober ins Auge gefasst werden, immerhin stellt die FPÖ als einzige Partei im Nationalrat einen eigenen Kandidaten – und auch Walter Rosenkranz wird eine Rede im Innsbruck-Saal des Congress halten.

Das Event soll “sehr bürgerlich” ausfallen, heißt es aus der blauen Partei. Das dürfte Teil der allgemeinen Wahlkampfstrategie sein: Zuletzt hatte Abwerzger nach Mattles Koalitionsabsage in einem “Offenen Brief” an ÖVP-Wähler um das “bürgerliche” Klientel geworben. Auch Bundespräsidentschaftskandidat Rosenkranz dürfte – anders als der eher rabiate Bundesparteichef Kickl – als eine Ansage an das Bürgertum gemeint sein. Dem entgegen stehen Aussagen, dass Rosenkranz als Staatsoberhaupt womöglich Regierung und Nationalrat entlassen könnte.

Markus Abwerzger will Bürgerliche ansprechen
Markus Abwerzger will Bürgerliche ansprechen und trotzdem weit rechts gegen den “Mainstream” fahrenAPA

Und auch die Tiroler Blauen sorgen für Aufregung: Auf Listenplatz sieben findet sich mit Gudrun Kofler eine Südtirolerin, der innerhalb der Partei Freunderlwirtschaft vorgeworfen wird – und von außen Rassismus: “Was waren das noch für Zeiten, als die Jolly-Malfarben-Palette hierzulande nur eine Hautfarbe hatte”, schrieb sie etwa auf Social-Media. Zudem soll sie “Guten Morgen, deutsches Volk” geschrieben haben. Kofler wies gegenüber der TT den Vorwurf der Deutschtümelei zurück. Abwerzger verteidigte sie als “hervorragende Kandidatin und sicher einen Kontrapunkt zum derzeitigen Mainstream”.

Zumindest der Mainstream der politischen Parteien hat sich von der FPÖ abgewandt: Außer der SPÖ haben alle anderen Landtagsparteien eine Koalition mit den Blauen ausgeschlossen. Die möglichen Regierungsvarianten werden somit auch im “heiligen Land” eng.

Grüne schauen auf die Krisen

Die Grünen starten – zumindest offiziell – kommenden Freitag und setzen wie Koalitionspartner ÖVP nicht auf eine Großveranstaltung, sondern auf eine “klassische Pressekonferenz”. Neben Spitzenkandidat Gebi Mair werden die ersten acht auf der Landesliste zugegen sein. Die Woche darauf wird dann Vizekanzler und Bundessprecher Werner Kogler an Mairs Seite in Tirol erwartet, nachdem erst diese Woche die Regierungsmitglieder Leonore Gewessler und Johannes Rauch zugegen waren.

Grünen-Chef Gebi Mair setzt auf Unterstützung vom Bund
Grünen-Chef Gebi Mair setzt auf Unterstützung vom BundAPA

Die Grünen kämpfen im Wahlkampf mit dem Image als Regierungspartei und grenzen sich merklich vom Koalitionspartner ab. “Hinschauen, wo’s brennt” lautet die einzige Plakatreihe der Öko-Partei. Die Kampagne stehe ganz im Zeichen der “aktuellen Krisenstimmung” und setze sich mit “Teuerung, Klimarettung und Korruption” auseinander, teilte die Landespartei am Sonntag mit.

Liste Fritz mit Dinkhauser

Die oppositionelle Liste Fritz startet am Samstag am Innsbrucker “Maxnhof” in die heiße Phase. 120 Sympathisanten hätten sich bereits angemeldet, viele würden noch hinzukommen, hieß es. Der Wahlkampfauftakt wird gleichzeitig auch den “Bürgertag” der Liste bilden.

Eine Tiroler Besonderheit ist die ´Liste Fritz´, gegründet von Fritz Dinkhauser und nun angeführt von Andrea Haselwanter-Schneider
Eine Tiroler Besonderheit ist die ´Liste Fritz´, gegründet von Fritz Dinkhauser und nun angeführt von Andrea Haselwanter-SchneiderAPA

Neben Reden von Spitzenkandidatin Andrea Haselwanter-Schneider und Listenzweitem Markus Sint wartet noch ein drittes Highlight auf die Parteianhänger: Gründer und Namensgeber Fritz Dinkhauser wird einen seiner mittlerweile seltenen öffentlichen, gewohnt markanten, Auftritte absolvieren.

Straßenwahlkampf in pink

Die NEOS begehen ihren offiziellen Auftakt am Abend des 8. September im Innsbrucker Lokal “Glorious Bastards”. Mit Spitzenkandidat Dominik Oberhofer wird dabei auch Bundesparteichefin Beate Meinl-Reisinger vor erwarteten rund 150 Anhängern bei DJ-Klängen für Mobilisierung sorgen.

Dominik Oberhauser will mit Neos in Tirol regieren
Dominik Oberhauser will mit Neos in Tirol regierenAPA

Meinl-Reisinger wird aber auch schon kommende Woche im Tirol-Einsatz sein: Am Programm stehen am Mittwoch unter anderem eine Pressekonferenz mit Oberhofer in Innsbruck sowie Straßenwahlkampf in der Tiroler Landeshauptstadt. Das Ziel der pinken Partei ist klar: Man will in die Landesregierung. Zumindest mit der SPÖ wird das schwierig, hat deren Landesparteichef Dornauer doch eine rot-grün-pinke Dreierkoalition ausgeschlossen. Da sie ein Bündnis mit der FPÖ ausschließen, könnten die Neos realistisch nur mit ÖVP und Grünen koalieren.

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