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Lage in Afghanistan wird immer dramatischer

29.08.2022 • 16:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Hunger und fehlende Bildung: Darunter leiden Frauen und Mädchen in Afghanistan
Hunger und fehlende Bildung: Darunter leiden Frauen und Mädchen in Afghanistan AP

Hilferufe aus Afghanistan werden immer dramatischer.

Es war eine Minute vor Mitternacht, als am 30. August 2021 das letzte US-Militärflugzeug vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul abhob. Damit endete unter chaotischen Umständen der internationale Afghanistan-Einsatz nach fast 20 Jahren, die erneute Herrschaft der Taliban begann und damit der weitere wirtschaftliche und menschenrechtliche Niedergang des Landes. Die Bedingungen für Frauen und für die Religionsfreiheit in Afghanistan haben sich seither „drastisch verschlechtert“, so eine US-Kommission. Die Taliban haben eine Sittenpolizei eingerichtet, um bei Frauen einen strengen Kleidungs- und Verhaltenskodex durchzusetzen. Auch die Bewegungsfreiheit, ihre Bildung, ihre Teilnahme am Sport und ihr Recht auf Arbeit wurden eingeschränkt.


„Hinzukommt, dass die Hälfte der Bevölkerung von Hunger bedroht ist“, erzählt Melissa Cornet, Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Care in Afghanistan. Frauen und Mädchen trifft es dabei besonders hart, weil sie im Familiengefüge an letzter Stelle stehen würden. Oft bleibe nur wenig Essen für sie auf den Tellern übrig. „Eine Million Kinder droht zu verhungern, sollte sich nichts ändern“, warnt die Frauenrechtsexpertin. Fast die Hälfte der Bevölkerung kann sich weniger als einer Mahlzeit am Tag leisten.

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Mittlerweile sei die Lage derart dramatisch, dass manche Menschen eine Niere verlaufen würden, oder ihre minderjährigen Töchter. In einer Studie, die Care kürzlich durchführte, gab zwölf Prozent an, sie müssten ihre Mädchen verheiraten. Somit wäre eine Person weniger am Tisch und die Aussteuer könne die restliche Familie zumindest für eine Weile ernähren, erzählt Cornet. „Viele Familien müssen sich entscheiden: entweder verhungern, ihre Kinder verhungern sehen, oder ihre Mädchen zu ‘verkaufen’.“

Folgen des Ukraine-Kriegs

Der Ukraine-Krieg hat das Land noch zusätzlich geschwächt, denn auch hier schlägt die Teuerung zu. Lebensmittel werden für mehr und mehr Menschen unleistbar. Und der Winter steht bevor. Cornet zeigt sich wenig optimistisch.

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