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Netflix: Dunkle Wolken über dem Partyzelt

29.08.2022 • 16:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Netflix feiert seinen 25. Geburtstag
Netflix feiert seinen 25. Geburtstag (c) APA/dpa/Alexander Heinl (Alexander Heinl)

Vor 25 Jahren wurde in Kalifornien Netflix gegründet.

Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz: Kaum ist man erwachsen, da häufen sich die Probleme. Unser heutiges Geburtstagskind könnte ein Lied davon singen, würde aber wohl eher eine Serie daraus machen. Wobei, die Konkurrenz hat die perfekte Vorlage schon vor Jahren geliefert: Noch sitzt Netflix am Eisernen Thron, doch man hört es klar und deutlich, das Wetzen der Messer im Kampf der Streaminggiganten. Gut, im Entertainmentgeschäft ist die Überzeichnung ein fixes Ensemblemitglied, aber wenn Reed Hastings und Marc Randolph, Gründer von Netflix, auf die nackten Zahlen schauen, dürfte ihnen wohl die Gänsehaut auffahren.

Die Konkurrenz holt im Kampf um die Abozahlen mächtig auf: Der Disneykonzern hat mit seinen Streamingangeboten Disney+, Hulu und ESPN+ mittlerweile gleich viele Abonnenten wie Netflix, also rund 221 Millionen. Auch die aktuelle Weltlage wird die Situation noch verschärfen: Gingen während der Coronakrise die Zahlen bei allen Anbietern nach oben, so wird sich das nun bald ändern: Der kurzfristige Trend zum Dritt- oder gar Viertabo dürfte aufgrund ökonomischer Einschnitte im Privatbereich auch schon wieder vorbei sein. Auf die Party folgt verlässlich der Kater.

Reed Hastings, Gründer von Netflix
Reed Hastings, Gründer von NetflixImago

Zum 25. Geburtstag wünscht Winter dem Streamingriesen, der 1997 im kalifornischen Scotts Valley als Online-Videothek mit DVD-Versand begonnen hat, und 2007 ins Video-on-Demand-Geschäft eingestiegen ist, dass man sich die Vielfalt bewahren könne. Denn nicht nur der Medienwissenschaftler ortet ob der ökonomischen Zwänge einen Trend in Richtung Blockbuster und Spektakelfilme: “Das, was diese Form von Qualitätsfernsehen am Anfang ausgemacht hat, dass es eben auch kulturelle Inhalte transportiert, gesellschaftskritische Betrachtungen – wenn man etwa an Serien wie ‘Breaking Bad’ denkt – das geht verloren.”

Eine Tendenz, die man auch bei der Konkurrenz beobachten könne, wo Serien oft schon nach einer Staffel beendet werden. Das Verschwinden jener Serien droht, die auf gesellschaftliche Verhältnisse reagieren und so eine Art Seismografen ihrer Zeit sind. Bestimmt allein der Algorithmus, also die Zahlen, schaut es nicht nur für Nischenproduktionen düster aus.

Doch im Kampf um Abos hat Netflix längst einen Strategiewechsel vollzogen und dabei auch eine heilige Kuh geschlachtet: Günstigere Abos mit Werbeunterbrechung sollen 2023 anlaufen, und immer öfter geht man, wie die Konkurrenz auch, auf die wöchentliche Ausstrahlung von Serienfolgen zurück. Liebe Grüße aus der Steinzeit des Bewegtbildes.

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