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Wenn Oma im Krankenhaus bleiben muss

29.08.2022 • 20:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nicht alle, die einen bräuchten, bekommen einen Pflegeplatz.<span class="copyright">Hartinger</span>
Nicht alle, die einen bräuchten, bekommen einen Pflegeplatz.Hartinger

Mangel an Pflegepersonal betrifft nicht nur die Pflegeheime.

Wenn wir die Situation in der Pflege nicht in den Griff bekommen, kann es Auswirkungen auf andere Bereiche haben“, warnt Neos-Gesundheitssprecher Johannes Gasser. Dies könne dann eine Spirale nach unten bedeuten, so der Neos-Abgeordnete. Welche Folgen das haben könnte, will er mit einer aktuellen Anfrage zum Thema Pflege an die zuständigen Landesrätinnen aufzeigen.
Damit spricht er leerstehenden Pflegebetten aufgrund des Personalmangels im Pflegebereich an. Dies könne möglicherweise Auswirkungen auf die akute Gesundheitsversorgung im Land und auch auf die Angehörigen von Pflegebedürftigen haben. Letzteres beispielsweise, wenn ältere pflegebedürftige Menschen zwischen Krankenhaus und Pflegeheim daheim betreut werden müssen, weil sie keinen Platz bekommen. Ältere Menschen benötigen nach einem Krankenhausaufenthalt oft einen Pflegeheimplatz.

Gasser sieht die Situation in der Pflege als möglichen Grund für das Phänomen, dass ältere Menschen vermehrt für längere Zeit „teure“ Krankenhausbetten nach einer stationären Behandlung belegen würden. So sei ein Teil der Krankenhausbetten von pflegebedürftigen Vorarlbergern belegt, die in einem Pflegeheim besser aufgehoben wären. Es fehle aber das Personal, um die Warteliste in den Pflegeheimen abzubauen.
„Wenn kein Platz im Pflegeheim vorhanden ist, müssen ältere Patientinnen und Patienten viel länger in Vorarlbergs Krankenhäusern verbleiben als nötig“, weist er auf die Problematik hin.
Laut Zahlen des Tätigkeitsberichts des Vorarlberger Landesgesundheitsfonds nahmen im Jahr 2020 der Anteil der Langliegepatienten von 3,17 auf 3,43 Prozent zu. Während die Zahl der stationären Patienten um 17,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr sank, verringerte sich die Zahl der Langliegepatienten nur um 9,8 Prozent.

Neos-Gesundheitssprecher Johannes Gasser<span class="copyright">Stiplovsek</span>
Neos-Gesundheitssprecher Johannes GasserStiplovsek

Gasser sieht eine weitere Baustelle in der Überleitungskrankenpflege, also der Zwischenstation zwischen der Behandlung im Krankenhaus und der Pflege im Heim. Ohne die Optimierung von Überleitungskrankenpflege und des Entlassungsmanagements würden sich die Defizite in den Pflegebereichen in die Krankenhäuser verlagern. Dabei wären Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung möglich, so Gasser. Zudem könnten Betten in der Remobilisation und Nachsorge nur effizient genutzt werden, wenn Folgestrukturen in der Langzeitpflege vorhanden seien.

Aktuelle Anfrage

Um die Lage in Vorarlbergs Krankenhäusern herauszufinden und darauf aufbauend konkrete Lösungswege aufzeigen zu können, hat Gasser eine Anfrage an die Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker gestellt. Mit der Anfrage möchte Gasser „Licht ins Dunkle bringen und den Druck erhöhen, dass mehr passiert“, so der NEOS-Abgeordnete.
Darin stellt er zehn Fragen zu bestimmten Zahlen an verfügbaren beziehungsweise belegbaren Betten in den Bereichen Remobilisation, Nachsorge und Überleitungspflege. Außerdem geht es darin um die konkrete Anzahl an belegten Betten durch Langliegepatienten in Vorarlbergs Krankenhäusern. Sie thematisiert auch die Frage, ob der hohe Anteil von Langliegepatienten auf Coronapatienten oder auf Wartende auf Pflegeplätze zurückzuführen ist. Von Seiten der Vorarlberger Landeskrankenhäuser heißt es, dass der gestiegene Anteil an Langliegepatienten sowohl auf Coronapatienten und fehlende Pflegeplätze zurückgeführt werden kann. Dabei bestätigt die Krankehaus-Betriebsgesellschaft, dass vermehrt ältere Langliegepatienten Krankenhausbetten belegen, weil sie keinen Pflegeplatz bekommen. In den Krankenhäuser seien die Auswirkungen der Personalsituation der Pflegheime wahrnehmbar.

Die Krankenhäuser merken Auswirkungen des fehlenden Pflegepersonals. <span class="copyright">Shutterstock, Symbolbild</span>
Die Krankenhäuser merken Auswirkungen des fehlenden Pflegepersonals. Shutterstock, Symbolbild

Lösungsvorschläge

Bezüglich des Personalmangels nennt Gasser unterschiedliche Problemlösungsvorschläge. Diese setzen schon bei der Ausbildung an. „Viele wollen in Pflege und bekommen keinen Ausbildungsplatz“, so Gasser. Der Zugang zur Pflegeausbildung soll einfacher, attraktiver und kostengünstiger gestaltet werden. Die Gestaltung der Ausbildung richte sich vorwiegend nach der späteren Ausübung im Krankenhaus, beschreibt Gasser. Er empfiehlt eine verstärkte Praktikumsbegleitung in Pflegeheimen, damit Auszubildende den Spaß der Ausübung des Berufs vor Ort besser erfahren können. Auch der Pflegeberuf selbst müsse attraktiver werden. Hier sei vor allem die Bezahlung im Pflegeheim ein Thema. Diese müsse besser werden und an die Bezahlung im Krankenhaus angepasst werden. Er erwähnt die unterschiedliche Verantwortung in beiden Bereichen. „Man ist in Pflegeheimen mehr auf sich alleine gestellt und kann nicht durchgehend auf die Meinung eines Arztes zurückgreifen“, erklärt Gasser.
Ein großer Schlüssel für mehr Pflegepersonal sind laut Gasser bessere Rahmenbedingungen, die Frauen die Ausübung des Jobs erleichtern. Dabei spricht er Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Dies könne durch Ausbau der Kinderbetreuung etwa ermöglicht werden. Neben der Ausstattung der Pflegeheimen sei auch Pflegeprävention wichtig.

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