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Im Shoppingstress: Einkaufen mit Teens

03.09.2022 • 16:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kopfkino von Heidi Salmhofer. <span class="copyright">NEUE</span>
Kopfkino von Heidi Salmhofer. NEUE

Heidi Salmhofer mit ihrer Sonntags-Kolumne in der Neue am Sonntag.

Ich bin eine miserable Shopperin. Da ich äußerst selten den Einkaufsvorgang als sozialen Event zelebriert habe, ist mir das bis dato noch nicht aufgefallen. Jetzt war ich mit meinen Mädels in Wien und die Mariahilfer Straße der Ausflugsort schlechthin.
Zuerst wurde intensiv nach der Adresse von diversen Modegeschäften gegoogelt, von denen ich noch nie etwas gehört hatte, dann von selbst jene U-Bahnstation definiert, welche die beste Ausgangsposition ist, festes Schuhwerk angezogen und losmarschiert. Soviel freiwillige Selbständigkeit bekommt man als Mutter selten zu sehen.
Als Anerkennung habe ich versucht, mit dem Einkaufs­enthusiasmus mitzuhalten. Zwanzig Minuten hielt ich durch, dann überkam mich die Sehnsucht nach einer Melange im Gastgarten eines Wiener Caféhauses und vielleicht auch einem Spritzwein für die Nerven. Sensationell wie lange und leidenschaftlich sich die zwei Kids zwischen den Regalen der Bekleidungsindustrie aufhalten konnten. Ich war schon geneigt, ihnen ein Wurfzelt zu besorgen, um ihnen, der Einfachheit halber, eine Übernachtung vor Ort zu ermöglichen.
Würde ich diese Ausdauer der zwei Mädels beim Kleidungseinkauf umsetzen auf einen Ausflug in die Natur, hätten wir es geschafft, den Bodensee mit dem Rad einmal zu umrunden. Ohne Pause. Ich konnte einfach nicht mithalten. Mein Einkauf sieht normalerweise so aus: Heidi braucht eine Hose, Heidi hat eine konkrete Vorstellung dieser Hose, Heidi geht in ein konkretes Geschäft, gibt es diese Hose, wird sie gekauft, gibt es sie nicht, wird wieder nach Hause gegangen. Ich teste dann nicht 20 andere Beinbekleidungsmöglichkeiten durch. Aber, und das muss ich gestehen, dadurch entgehen mir natürlich auch diverse Ideen für neue Stilrichtungen.
Aber ich halte leider nicht durch. Entweder sind die Geschäfte übervoll oder eine wirklich nette Verkäuferin findet, dass dir alles unfassbar gut steht, weil sie dich jobbedingt zum Kaufen animieren will. Dann stehe ich da in der Umkleidekabine. Das Neonlicht knallt von oben auf meine Haut und reflektiert wunderbar jede einzelne Lebensdelle des Körpers. Während draußen schon zehn andere Damen mit Gewandhaufen über dem Arm auf Einlass warten, wünsche ich mir, nähen gelernt zu haben.
Meine Mädels sitzen jetzt aber glücklich in der U-Bahn. Zwei Einkaufstaschen voll mit neuer Bekleidung und das Handy am Ohr, weil aufgeregt mit den Freundinnen in Vorarlberg telefoniert wird. Es hat sich doch gelohnt.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.