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Liz Truss wird künftige Premierministerin

05.09.2022 • 17:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Außenministerin Liz Truss gewann die parteiinterne Abstimmung für die Johnson-Nachfolge
Die Außenministerin Liz Truss gewann die parteiinterne Abstimmung für die Johnson-Nachfolge APA/AFP/ADRIAN DENNIS

Großbritannien droht, in eine Rezession zu stürzen.

Liz Truss soll neue britische Premierministerin werden. Wie die regierenden Konservativen am Montag mitteilten, setzte sich die Außenministerin in einer parteiinternen Abstimmung gegen den früheren Finanzminister Rishi Sunak durch. Sie tritt die Nachfolge von Boris Johnson an der Partei- und damit auch Regierungsspitze an.

Die 47-Jährige setzte sich in einem über Wochen hinweg mit harten Bandagen geführten Wettstreit um die Führung der Konservativen Partei durch. Truss erhielt 57,4 Prozent der Stimmen, Sunak 42,6 Prozent. Wie in Großbritannien üblich, ist Truss als neue Vorsitzende automatisch auch als Regierungschefin gesetzt, da die Konservativen derzeit im Unterhaus die Mehrheit haben.

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Schweres Erbe

Truss übernimmt ein schwieriges Erbe: Großbritannien ist mit einer galoppierenden Inflation konfrontiert und droht, in eine Rezession zu stürzen. Millionen Familien haben Angst, im bevorstehenden Winter ihre Strom- und Heizrechnungen nicht mehr bezahlen zu können. Hinzu kommen Unsicherheiten durch den Krieg in der Ukraine, die Coronapandemie und den Brexit.

Empfang auf Balmoral

Beschwerden beim Gehen sind der Grund, warum die Queen den anstehenden Wechsel an der Regierungsspitze in dieser Woche von Balmoral aus begleiten wird. Sowohl der scheidende Premier Boris Johnson als auch seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger sollen Anfang kommender Woche dafür nach Schottland reisen.

>>Tories müssen zur Queen nach Balmoral

 

Johnson hatte nach einer Reihe von Skandalen und Ministerrücktritten auf massiven Druck aus der Öffentlichkeit und der eigenen Partei im Juli seinen Rücktritt erklärt. Daraufhin begann bei den Konservativen die Nachfolge-Suche, während der in Ungnade gefallene Premier geschäftsführend weiter im Amt blieb. Das letzte Wort hatten die Parteimitglieder, die mehrere Wochen Zeit hatten, über die Neubesetzung des Tory-Chefsessels abzustimmen.

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Johnsons Außenministerin Truss, die als ihr Vorbild die frühere Premierministerin Margaret Thatcher nennt, entpuppte sich schnell als Favoritin der Basis. Mit Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses beginnt nun der formelle Prozess der Amtsübergabe. Johnson wird am Dienstag bei Königin Elizabeth II. erwartet, um ihr offiziell seinen Rücktritt anzubieten. Anschließend soll Truss mit der Bildung einer Regierung beauftragt werden.

Truss dankte “Freund” Johnson

Die künftige britische Premierministerin Liz Truss hat nach ihrem Wahlsieg dem scheidenden Regierungschef Boris Johnson gedankt. In ihrer ersten Rede direkt nach ihrer Wahl zur Tory-Vorsitzenden nannte die 47-Jährige den Amtsinhaber einen “Freund”. Johnson habe den Brexit erledigt, die Labour Party abgewehrt, für die schnelle Einführung des Coronaimpfstoffs gesorgt und sich gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin gestellt, sagte Truss am Montag in London.

Die bisherige Außenministerin zeigte sich überzeugt, dass die Ziele ihrer Partei von der Mehrheit der Briten unterstützt würden. Die Tories werden nach ihren Worten die für 2024 geplante Parlamentswahl gewinnen. “Wir werden liefern, wir werden liefern, wir werden liefern”, betonte Truss. Umfragen sehen derzeit allerdings die oppositionelle Labour Party deutlich in Führung.