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Über Müllsäcke und andere Kuriositäten

05.09.2022 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jan Kawelke, Martina Tiefenthaler, RIN und Vassili Golod (von links) in der Remise in Bezau. <span class="copyright">(c) Daniel Furxer</span>
Jan Kawelke, Martina Tiefenthaler, RIN und Vassili Golod (von links) in der Remise in Bezau. (c) Daniel Furxer

In der Remise in Bezau wurde über Mode diskutiert.

Von Daniel Furxer
neue-redaktion@neue.at

Ein live mitgeschnittener Podcast über Politik und Rap – das klingt erst einmal sehr spannend. Kombiniert mit der kontrovers diskutierten Welt der Mode konnte man von einem hochpolitischen Gespräch ausgehen. Weit gefehlt.
Jan Kawelke und Vassili Golod, die sympathischen Hosts des Podcasts „Machiavelli – Politik und Rap“, begannen in der Remise in Bezau mit viel Drive und Vassili mit einer Spezialeinlage, da er vom Führersteig der geparkten Lok auf die Bühne turnte. Die beiden – ihres Zeichens Politexperten und Journalisten (unter anderem für ARD und WDR) packten einen guten Wortwitz und eine gediegene Eloquenz aus, die Markenzeichen dieses Podcasts sind.

Steile Karriere

Nach einleitendem Warmreden wurden die beiden Gäste auf die Bühne gebeten. Die Vorarlbergerin Martina Tiefenthaler hat in der Modewelt eine steile Karriere hingelegt und ist mit 36 Jahren Chief Creative Officer der Modemarke Balenciaga. Zur Überraschung vieler trat sie in unauffälliger Schwarz-in-Schwarz-Basic-Wear auf die Bühne. Rapper RIN (28) war standesgemäß in Streetwear gekleidet, trug eine etwas oversized Hose, ein legeres T-Shirt und Sneakers. Modisch fielen sie schon fast gegen Vassili Golod ab, der in einem schicken beigen Anzug erschien.

Wer eine Diskussion über Mode und Politik erwartete, wurde bis auf die letzten fünf Minuten mehr oder weniger enttäuscht. Rapper RIN, bürgerlich Renato Simunovic, erzählte seine Geschichte vom „Gastarbeiterkind“, das sich als Underdog nach Ansehen und Anerkennung sehnte, die er schließlich nach fünf Jahren rappen erlangte. Mit dem Auftritt bei Rock am Ring hat er sicher einen neuen Karrierehöhepunkt erreicht. Nur sehr halbherzig bekannte er sich dazu, dass viel Geld, viele Drogen und ein Porsche keine Lebensziele seien.

Hang zum Workaholic

Martina Tiefenthaler betonte, dass es viel Arbeit und einen Hang zum Workaholic brauche, um soweit zu kommen wie sie. Die Modebranche sei ein ganz normales Business und nur halb so glamourös, wie man sich das vorstelle. Ohne Spaß und Witz im Büro gehe dieser anstrengende Job auch gar nicht.

Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Kreativabteilung auf einen Müllsack-Bag kam, der in der Winter-Kollektion 2022 für 1400 Euro vertrieben wird. Ob man damit auch Müll transportieren könne, hakte Vassili frech nach, was aber von Tiefenthaler verneint wurde.

Teil des Systems

Tiefenthaler bedauerte in den letzten fünf Minuten des Gesprächs, dass nach der Pandemie die Produktionsabläufe noch viel schneller geworden seien. Auf die Frage eines Zuschauers, ob sie als CCO einer großen Modemarke nicht aus dieser Fast-Fashion-Maschinerie aussteigen könne, blieb sie sehr wortkarg und schob die Verantwortung auf ihren CEO ab. Die beiden Protagonisten auf der Bühne gefielen sich ungeniert darin, Teil des turbokapitalistischen Systems zu sein, weil sie ja auf der Seite sitzen, wo es ordentlich Kohle gibt.

Die abschließende Abmoderation, dass es, wie in jedem Business, egal ob bei Rap oder Mode, schließlich nur ums Geld ginge, war eine Binsenweisheit, die an Banalität kaum mehr zu übertreffen war. Leider wurden Themen wie der Einfluss von Mode auf die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Politik nur sehr kurz angesprochen, und dann auf eine sehr unkritische Art und Weise. Für die neuesten Modetipps bedarf es keiner FAQ-Veranstaltung.