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„Es geht darum, Geld zu machen“

07.09.2022 • 20:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/Reuters

Konzerne geben Situation am Treibstoffmarkt die Schuld für Engpässe. Fachgruppenobfrau widerspricht.

Für Aufregung hat am Dienstag ein Schild an einer Zapfsäule einer niederösterreichischen Tankstelle gesorgt. Wie unter anderem der Kurier und der ORF Nieder­österreich berichteten, war darauf zu lesen, dass derzeit kein Diesel verfügbar sei. Lediglich der „Premium Diesel“ war noch zu haben. Andere Tankstellen in der Umgebung hatten auch noch regulären Diesel im Angebot. Auf Nachfrage hieß es seitens der OMV gegenüber den Medien, dass die Situation auf dem europäischen Kraftstoffmarkt angespannt sei und die leere Zapfsäule eine Folge davon. Sowohl die OMV-Raffinerie in Österreich als auch andere Raffinerien seien von Produktionseinschränkungen betroffen. Es könne daher immer wieder vereinzelt zu Lieferengpässen kommen.

Petra Girardi, Fachgruppenobfrau der Vorarlberger Garagen-, Tankstellen- und Servicestationsunternehmungen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Petra Girardi, Fachgruppenobfrau der Vorarlberger Garagen-, Tankstellen- und Servicestationsunternehmungen. Hartinger

Auch Petra Girardi, Obfrau der Fachgruppe Garagen-, Tankstellen- und Servicestationsunternehmungen in der Vorarlberger Wirtschaftskammer, bestätigt, dass es immer wieder zu Engpässen kommen könne. Denn die Nachfrage nach Treibstoff sei trotz gestiegener Preise nach wie vor ungebrochen.

Lediglich vorgeschoben

Die Ursache sieht sie jedoch nicht auf dem angespannten Kraftstoffmarkt, sondern mehr bei den Konzernen. „Es geht darum, Geld und Politik zu machen“, ist die Expertin überzeugt. Seitens der Konzerne werde die derzeitige Situation ausgenutzt, um die Preise hoch zu halten. Die Begründung mit den Engpässen auf dem Markt sei lediglich vorgeschoben. Die permanente Debatte um die Teuerung und Preissteigerungen würden bei vielen Kunden zu Resignation führen. Über die höheren Kos­ten ärgere man sich zwar, aber sich würden hingenommen.

Unabhängigkeit

Girardi spricht hier auch aus eigener Erfahrung vom Austausch mit den eigenen Kunden. Mittlerweile sei der Preis von Benzin zwar auf etwa 1,6 Euro zurückgegangen, aber selbst als das Tanken deutlich mehr gekostet habe, sei die Nachfrage unverändert gewesen. Die Menschen hätten bei Preisen jenseits der zwei Euro zwar weniger, aber dafür öfter getankt. Die Kunden würden es sich auch durch höhere Preise nicht nehmen lassen, mit dem Auto zu fahren, ist die Fachgruppenobfrau überzeugt. Für viele bedeute die Fahrt mit dem eigenen Auto auch Freiheit und Unabhängigkeit.

Tanktourismus

Doch nicht nur bei den heimischen Autofahrern ist die Nachfrage nach Treibstoff ungebrochen. Auch der Tanktourismus boomt, wie Girardi berichtet. Deutschland spiele hier keine so große Rolle, denn es gebe keine so eklatanten Preis­unterschiede. Vor allem aus der Schweiz würden derzeit jedoch viele zum Tanken nach Vorarlberg fahren, denn der Sprit sei hierzulande um bis zu 30 Cent günstiger als bei den Eidgenossen. Auch gegenüber dem Fürs­tentum Liechtenstein gebe es im Ländle günstigere Preise.

Wie lange der Höhenflug der Treibstoffpreise noch anhalten wird, ist für die Expertin schwer zu sagen. Solange allerdings permanent über die Preissteigerungen diskutiert werde, werde der Sprit nicht günstiger werden, ist sie überzeugt.