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Landeskrankenhäuser zittern wegen Stromkosten

07.09.2022 • 20:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Landeskrankenhäuser (im Bild Feldkirch, Sitz der KHGB) haben noch keinen Stromliefervertrag für 2023. <span class="copyright">HARTINGER</span>
Die Landeskrankenhäuser (im Bild Feldkirch, Sitz der KHGB) haben noch keinen Stromliefervertrag für 2023. HARTINGER

Die KHBG hat mit ihrem Energielieferant noch keinen Stromliefervertrag für 2023 abgeschlossen – angesichts der derzeitigen Preisentwicklung drohen Mehrkosten.

Die Verwerfungen auf den europäischen Energiemärkten und die damit verbundenen massiven Preissteigerungen machen auch vor öffentlichen Unternehmen in Vorarlberg nicht halt. Das gilt unter anderem für die Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft KHBG mit ihren fünf Landeskrankenhäusern. Sie gehören mit einem Jahresstromverbrauch von etwa 24.000 Megawattstunden (MWh) beziehungsweise 24 Gigawattstunden zu den führenden Strom-Großverbrauchern in Vorarlberg.

Kein Stromliefervertrag für 2023

Deshalb macht sich sowohl in der KHBG als auch im Landhaus in Bregenz jetzt zunehmend Nervosität breit. Denn nach bestätigten wpa-Informationen aus dem Landhaus hat die KHBG bis dato mit ihrem Stromlieferanten Illwerke vkw noch keinen Stromliefervertrag für die Jahre 2023 und danach abgeschlossen. Der bestehende Zwei-Jahres-Stromliefervertrag läuft für die Jahre 2021 und 2022 und endet in wenigen Monaten. Ein Blick auf die aktuell äußerst volatile Entwicklung des Strompreises an der Strombörse in Leipzig (D) zeigt, dass Stand gestern etwa 536 Euro pro Megawattstunde Strom zu bezahlen waren für Lieferungen im Jahr 2023 (German Power Future, Baseload). Im Jahr 2020 lag dieser Preis im Schnitt bei etwa 50 Euro und stieg dann bis Ende 2021 auf bis zu 140 Euro an. Seither geht es mit Schwankungen weiter nach oben. Den stärksten Ausschlag gab es am 26. August 2022 mit etwa 985 Euro pro Megawattstunde. Auch der Spot-Markt Leipzig (Day-Ahead-Auktion) zeigt zwischen 2021 und der Gegenwart teilweise eine Veracht- bis Verzehnfachung des Strompreises.

Mehraufwand

Zur groben Einschätzung der Größenordnung: Geht man davon aus, dass die KHBG ihren Stromliefervertrag für 2021/2022 im Jahr 2020 abgeschlossen hat, so dürfte die preisliche Dimension bei etwa fünf bis sechs Cent pro Kilowattstunde gelegen sein. Bei einem Verbrauch von 24 Millionen Kilowattstunden (24 GWh) dürfte der finanzielle Aufwand für den reinen Stromarbeitspreis (ohne Steuern, Gebühren und Abgaben, ohne Netzentgelt, ohne Berücksichtigung des Lastprofils) dann bislang bei etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr liegen. Bei der aktuellen Preissituation wären es ab 2023 etwa zwischen zwölf und 15 Millionen Euro, jedenfalls ein zweistelliger Millionen-Euro-Betrag.

Bei der KHBG heißt es auf Anfrage, dass man sich mit Illwerke vkw in einer jahrzehntelangen und strategisch vorausschauenden Partnerschaft befinde und man im kontinuierlichen Austausch stehe, um optimale Lieferbedingungen sicherzustellen. „Unterschiedliche Tarif- und Bezugsmodelle werden laufend evaluiert.“ Warum bislang kein neuer Stromliefervertrag abgeschlossen wurde, bleibt offen.

Hoffnung auf politische Eingriffe

Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang der Hinweis der KHBG-Geschäftsführung auf die am 9. September 2022 anstehende Tagung des Europäischen Energieministerrates. „Diese gilt es jedenfalls abzuwarten. Die Ergebnisse dieser Tagung sind in die weitere Vorgehensweise miteinzubeziehen, sie haben Einfluss auf die kommenden Entscheidungen.“ Derzeit absehbare Mehrkosten wegen des gestiegenen Strompreises seien im Budget 2023 berücksichtigt. Konkrete Angaben dazu machte die KHBG nicht.

Beim KHBG-Eigentümer Land Vorarlberg erklärte der Pressesprecher Florian Themessl-Huber auf wpa-Anfrage, dass die Beobachtung des Strompreises und der Abschluss von Stromlieferverträgen zu den ureigensten Aufgaben des Managements gehören. „Das Land Vorarlberg mischt sich hier nicht ein.“

Diese ohne politische Eingriffe bevorstehende Explosion der Stromkosten bei den Landeskrankenhäusern interessiert naturgemäß das Land Vorarl­berg als Eigentümer und die Vorarlberger Gemeinden sehr. Denn Land und Gemeinden müssen den finanziellen Abgang der Landeskrankenhäuser im Verhältnis 60/40 tragen.

Günther Bitschnau/wpa