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„Zwischenzeit“ auf der Burgruine

07.09.2022 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dietmar Nigsch (l.) und Eigen Fulterer sind die Macher des Walserherbsts.<br><span class="copyright">Magdalena Türtscher</span>
Dietmar Nigsch (l.) und Eigen Fulterer sind die Macher des Walserherbsts.
Magdalena Türtscher

Ein dreitägiges Wal­serherbst-Intermezzo findet Mitte September auf der Ruine Blumenegg statt.

Vor 18 Jahren fand erstmals der vom Schauspieler Dietmar Nigsch und damals noch der Literaturwissenschaftlerin Sieglinde Eberhart-Müller veranstaltete Walserherbst statt. Das nach Eigendefinition „steilste Festival in den Bergen“ fand mit seinem stark regional verankerten Programm sein Publikum. Durchgeführt wird es – mittlerweile wird Nigsch von Eugen Fulterer unterstützt – alle zwei Jahre.

Damit die Zeit zwischen den Festivals nicht zu lang wird, gibt es seit 2019 zwischen den Jahren eine kurze „Zwischenzeit“. Dies ist auch heuer wieder der Fall. Drei Tage lang – von 16. bis 18. September – wird der Kulturraum der Ruine Blumenegg in Thüringerberg Schauplatz für eine ganze Reihe an Veranstaltungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Literatur.

Der Kulturraum der Ruine Blumenegg ist Schauplatz der "Zwischenzeit".<span class="copyright"> Hanno Mackowitz</span>
Der Kulturraum der Ruine Blumenegg ist Schauplatz der "Zwischenzeit". Hanno Mackowitz

„Ganz kann man sich von der derzeitigen Situation, dem Kriegsgeschehen, der Unsicherheit nicht lösen“, sagt Festivalleiter Nigsch. Umso wichtiger ist es für ihn, „da auch in der Kultur etwas zu machen“. So wird am letzten „Zwischenzeit“-Tag, am Sonntag, die ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk aus ihrem Buch „Blauwal der Erinnerung“ lesen. Im Roman geht es um einen ukrainischen Volksheld des frühen 20. Jahrhunderts.

Im Anschluss spielt der seit einigen Jahren in Vorarlberg lebende russische Musiker und Musikschullehrer Evgenij Baev russische Autorenlieder von 1950 bis heute auf der siebensaitigen Gitarre. Lieder, die Ausdruck tiefster Emotionen und zugleich Ventil für Widerstand und Freiheitswillen in der Sowjetzeit und im Russland danach sind, so die Veranstalter. An diesem Tag werken in der mobilen Garküche die Ukrainerinnen Irina Vasileva und Ludmilla Popitchenko, die seit dem Frühjahr in Fontanella leben. Sie kochen Gerichte aus ihrer Heimat.

Urs Mannhart liest aus seinem Kuh-Essay.              <span class="copyright">Gina Folly</span>
Urs Mannhart liest aus seinem Kuh-Essay. Gina Folly

Ein besonderes Highlight ist für Nigsch der erste Programmpunkt am Sonntag: Maria Fliri, Helga Pedross und Michael Heinzel lesen aus dem Band „Erklärung für alles“. Darin schildern 45 vom Außenministerium nach Österreich eingeladene „Artists in Residence“ unverblümte Sichtweisen auf ihre Herkunftsländer, auf Österreich und Europa. „Eine spannende Sache“, so der Festivalleiter.

Begonnen wird am Freitag mit einer Lesung des Schweizer Autors Urs Mannhart aus seinen zwei neuesten Werken. „Gschwind oder Das mutmaßlich zweckfreie Zirpen der Grillen“ und „Lentille. Aus dem Leben einer Kuh“ lauten die vielversprechenden Titel der Bücher. Aus der Schweiz kommt auch das Bluescht Duo, das am selben Abend ein Konzert gibt.

“Feldküche”

Während des gesamten Wochenendes wird in der Ruine Blumenegg eine „Feldküche“ installiert. Sie begleitet das Programm kulinarisch mit einfachen Speisen aus der jeweiligen Region der Künstlerinnen und Künstler. Ums Essen – und ums Altern – geht es am zweiten Tag, dem Samstag. Die zwei Wirte außer Dienst Eugen Fulterer und Stefan Schartlmüller begleiten das an diesem Tag geplante Literaturprogramm kulinarisch. „Übers Essen wollen wir reden“ ist denn auch der Titel der Lesung mit kulinarischen Gedichten und Geschichten.

Beim anschließenden „Übers Alter wollen wir reden“ geht es um die Begleiterscheinungen desselben, die Lida Winiewicz-Lefèvre (1928–2020) augenzwinkernd im Band „Ist die schwarze Köchin da?“ in Gedichtform erörterte. Es lesen Maria Fliri, Helga Pedross und Dietmar Nigsch. Heidelinde Gratzl auf dem Akkordeon und Melissa Coleman auf dem Cello präsentieren am Abend als Duo Tagada Klassik, Tango und Jazz.

Während diese „Zwischenzeit“ noch bevorsteht, wird auch schon für den „Walserherbst“ im kommenden Jahr geplant. Stattfinden soll er von 18. August bis 10. September 2023.
Karten für die „Zwischenzeit“ unter www.walserherbst.at