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Regenbogen geht auch ohne Sonne

10.09.2022 • 23:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Bregenz zogen die Demonstranten mit einer Botschaft durch die Innenstadt. <span class="copyright">Hartinger</span>
In Bregenz zogen die Demonstranten mit einer Botschaft durch die Innenstadt. Hartinger

Gestern gingen Hunderte für Gleichstellung und das Sichtbarmachen von LGBTIQ-Personen auf die Straße. „Wir sind hier!“, und Jubel waren in Bregenz zu hören.

Pünktlich zum Start der Regenbogenparade setzt am Kornmarktplatz in Bregenz Regen ein. „Wir sind hier!“-Rufe und Musik aus Lautsprechern sind zu hören, als sich die Menge mit vorwiegend jüngeren Demonstranten in Bewegung setzt. Sichtbarkeit von LGBTIQ-Personen will die Veranstaltung bewirken. Diese machen einen erheblichen Bevölkerungsanteil aus, sind sich mehrere Marschteilnehmer einig. Sie lassen sich bei der Parade nicht vom Wetter abhalten. In Sachen Outfit macht sich der Regen aber bemerkbar. Freizügige bunte Kostüme sind nur vereinzelt zu sehen. So wird etwa auch der aufgetragene Glitzer von Friderike Kaufmann durch die „spießige Regenjacke“ verdeckt. Sie ist eine der nach Angaben der Polizei 350 Demonstranten, die durch die Innenstadt die Regenbogenfahnen schwingt. „Die Pride ist wichtig, um zu zeigen, dass die Welt bunt und vielfältig ist, und weil es auf der Welt so viele Einschränkungen der LGBTIQ-Szene gibt“, erzählt die Lindauerin. Sie sieht sowohl Fortschritt als auch Rückschritt in der Gesellschaft.

Dominik Greißing <span class="copyright">Hartinger</span>
Dominik Greißing Hartinger


Dominik Greißing (Neos) spricht das auch an: „Immer wenn es einen Forschritt in der Gesellschaft gibt, ist eine Tendenz zum Rückschritt erkennbar. Der Fortschritt muss deswegen festgehalten werden“, so Greißing, einer der sechs Mitglieder des Vereins CSD-Pride Vorarlberg. Dieser wurde im Mai gegründet, um die Pride zu organisieren, die von Juni auf September verschoben wurde.

Nationalratsabgeordneter Mario Lindner (SPÖ) war auch dabei. Es ist die fünfte Pride, auf der er dieses Jahr anwesend ist. <span class="copyright">Hartinger</span>
Nationalratsabgeordneter Mario Lindner (SPÖ) war auch dabei. Es ist die fünfte Pride, auf der er dieses Jahr anwesend ist. Hartinger

Klein und friedlich

Im Gegensatz zu einem Zwischenfall mit einer Schreckschusspistole im Vorjahr verlief die Parade dieses Jahr laut Polizei friedlich. Es nahmen mehr als im Vorjahr teil, aber weniger als im teilnehmerstärksten Jahr 2019 mit ungefähr 700 Demonstranten.
Damit ist die Vorarlberger Ausgabe ein eher kleines Spektakel. Durch Wien sollen dieses Jahr laut Veranstalter etwa 250.000 marschiert sein. Der für die Pride angereiste Nationalratsabgeordnete Mario Lindner findet auch kleine CSD-Paraden wichtig und befürwortet, dass dieses Jahr zum ersten Mal in allen Bundesländern ein Marsch veranstaltet wurde: „Die Pride ist immer eine politische Veranstaltung, und es kann etwas damit bewirkt werden.“

Bunte Kostüme zeigten die Vielfalt in der Gesellschaft. <span class="copyright">Hartinger</span>
Bunte Kostüme zeigten die Vielfalt in der Gesellschaft. Hartinger


Wägen mit Musik gibt es in Bregenz auch keine wie in Großstädten, weil keine Fahrzeuge in der Innenstadt erlaubt sind. Greißing sieht darin etwas Positives: „So behält es einen Demonstrationscharakter.“ Als Demonstration habe die Pride begonnen. Dabei gehe es nicht ums Besserstellen, sondern um Gleichstellung. Greißing kritisiert: „Das, was sich rechtlich in den vergangenen Jahren getan hat bei der Gleichstellung, passt nicht mit dem überein, was in der Gesellschaft passiert.“ So sei „schwule Sau“ immer noch das beliebteste Schimpfwort am Schulhof.

Auf der Pride geht es um Sichtbarkeit. <span class="copyright">Hartinger</span>
Auf der Pride geht es um Sichtbarkeit. Hartinger

Auch Jay Jay Kaiser, der CSD-Obmann von Innsbruck, der für die Pride angereist ist, kritisiert, dass viele in der Gesellschaft LGBTIQ-Personen noch als krankhaft ansehen würden. So wird etwa auch Naomi Fister täglich auf ihre Homosexualität hingewiesen: „Ich muss mich jeden Tag outen. Ich werde immer noch angeschaut, wenn ich die Hand einer Frau halte“, erzählt die 23-Jährige. Sie marschiert deswegen durch Bregenz. Es ist eine eher kurze Route. Nicht nur die Demonstranten haben Regenbogenfahnen dabei. Am Straßenrand jubelt Fernanda Wachter mit einer in der Hand, sie ist zufällig in Bregenz. „Ich finde es schön, dass endlich die jungen Leute den Mut haben, sich dazu zu bekennen, wer sie sind“, so die 56-Jährige. Die Demonstranten verschwinden langsam von der Straße ins „Gösser“ für die Kundgebung. Trotzdem ist der Jubel noch bis nach draußen zu hören.

Bei der Kundgebung im Gösser war Michael Ritsch auch dabei. „Liebe ist stärker als Hass“, so der Bregenzer Bürgermeister.
Bei der Kundgebung im Gösser war Michael Ritsch auch dabei. „Liebe ist stärker als Hass“, so der Bregenzer Bürgermeister.

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