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Schulstart als Neustart für die Bildungspolitik?

12.09.2022 • 15:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Conditorei Sluka vers��t Schulstart
Conditorei Sluka versüßt Schulstart (c) Conditorei Sluka (Conditorei Sluka)

Neues Schulfach ist größte bildungspolitische Reform seit Langem.

Für 750.000 Schüler und Schülerinnen im Westen und Süden Österreichs beginnt er heute wieder, der sogenannte “Ernst des Lebens”. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, diese Formulierung einzumotten. Denn ernst ist das Leben von Kindern und Jugendlichen schon seit geraumer Zeit.

Wer heuer in die vierte Volksschulklasse kommt, hat noch kein Schuljahr ohne Corona-Einschränkungen erlebt und auch wenn die diesmal weniger streng ausfallen, macht der Krisenmodus auch vor dem heurigen Schuljahr nicht Halt. Jetzt ist es die Energie- und Teuerungskrise. Schulhefte kosten in diesem Herbst um 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die steigenden Energiepreise können auch Milliardenhilfen höchstens abdämpfen.

Die angespannte Lage hat zu einer fatalen Reaktion geführt: All die Krisen haben Schul- und Bildungsfragen ins politische Abseits gedrängt. Das neue Schulfach “Digitale Bildung”, in dem 12.000 Klassen nun eine Stunde in der Woche unterrichtet werden, ist die größte bildungspolitische Reform seit Langem. Mehr ist nicht drin. Zu groß scheint es, sind all die anderen Probleme, um jene im Schulsystem anzugehen. Dabei liegt genau darin der Schlüssel, um künftige Herausforderungen zu meistern.

Von allen Orten ist das Schulsystem der wirkungsvollste, um vom kurzfristigen Mängelverwalten zum Über-den-Tag-hinaus-Denken zu wechseln: Den Fachkräftemangel bekämpfen? Zu technologischen Durchbrüchen verhelfen, um die Energiewende zu meistern? Konflikt-, Diskurs- und Widerstandsfähigkeit trainieren, um die gesellschaftliche Spaltung zu vermeiden? Die Integration von Zuwanderern, der soziale Ausgleich, die demokratische Grundbildung? All das kann ein gutes Schulsystem schaffen.

Aber nur, wenn es gut ausgestattet ist: Erstens, mit genügend gut qualifiziertem Lehrpersonal, das nicht permanent an der Belastungsgrenze arbeitet – unter Dauerstress lässt sich nun mal schwer Freude am Wissen vermitteln. Zweitens, mit ausreichend Unterstützungspersonal, das bei Schwächen gezielt unterstützen kann – sonst liegt es am Nachhilfebudget der Familien, ob die Kinder durch die Schule kommen. Drittens, mit genügend Schulpsychologinnen und Mediatoren, die bei der sozialen und emotionalen Entwicklung helfen. Viertens, mit zeitgemäßen Unterrichtsformen, Stundenplänen, Materialien und Lehrmitteln – längst nicht alle der versprochenen Tablets und Laptops sind bisher ausgeliefert.