Allgemein

Frauen planen die Städte von morgen

13.09.2022 • 21:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Ausstellung Frauen Bauen Stadt im Bregenzer Martinsturm<span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Die Ausstellung Frauen Bauen Stadt im Bregenzer MartinsturmSieglinde Wöhrer

Die Ausstellung „Frauen Bauen Stadt.“ im Martinsturm
beleuchtet weibliche Perspektiven in der Stadtplanung.


Die meisten Städte wurden vorwiegend von Männern geplant und gebaut, obwohl im Jahr 2030 auch zweieinhalb Millionen Frauen in Städten leben und arbeiten werden und Bedürfnisse und Wünsche an ihre urbane Lebensumgebung stellen. Eine österreichische Architektin und Stadtplanerin proklamiert, es sei ein „Gebot des Menschenrechts, Genderaspekte zu berücksichtigen“ und darauf zu achten, wie es den Frauen in der Stadt geht. Die Ausstellung „Frauen Bauen Stadt. The City Through a Female Lens“, die derzeit im Martinsturm in Bregenz gastiert, wirft einen Blick auf die Ansprüche an öffentlichen Raum und berücksichtigt dabei Klima, Verkehr, technische Infrastruktur, soziale Spielregeln und andere Faktoren, die eine funktionierende Stadt ausmachen.

Stadt von Morgen

Die Kuratorinnen Katja Schechtner and Wojciech Czaja demonstrieren an Bauprojekten aus aller Welt, wie von Frauen gestaltete urbane Architektur aussieht, und weisen auf eine Stadt von morgen, die vergessenen Räumen eine neue Chance gibt, Sicherheit und Übersicht bietet und die Grenzen zwischen privat und öffentlich neu verhandelt.

Die Ausstellung gibt Einblicke in die Biografien zwölf internationaler Architektinnen, Stadtplanerinnen, Städtebauerinnen, Landschaftsarchitektinnen und Künstlerinnen, welche die heutige Stadt in den letzten 150 Jahren maßgeblich geprägt und beeinflusst haben, und zeigt beeindruckende und sehr unterschiedliche Bauwerke und Projekte von Frauen, die weltberühmt sind, hinter dem Namen männlicher Kollegen verschwanden oder in Vergessenheit gerieten. Diesen werden vergleichbare österreichische Bauwerke und Projekte gegenübergestellt, welche zeigen, wie sich ähnliche Elemente in Österreich verwirklichen lassen.

Blick der Architektinnen

Derzeitige Städte seien oft eine Mischung aus Zufall und Planung, und genauso zufällig gestalten sich die Hintergründe und Umstände, unter denen Frauen wie beispielsweise Emily Warren Roebling mit der technischen Leitung und Fertigstellung der Brooklyn Bridge in New York 1883 Rekorde brechen und den Weg für die Rechte der Frauen ebnen. Die Architektin Genia Awerbuch gewann mit 25 Jahren den Wettbewerb zur Gestaltung des Zina-Dizengoff-Platzes in Tel Aviv und hatte mit ihrem minimalistischen Stil aus horizontalen Linien und abgerundeten Ecken einen prägenden Einfluss auf das spätere Erscheinungsbild Tel Avivs und den Internationalen Stil der Israelischen Moderne. Marion Mahony Griffin war eine der ersten lizenzierten Architektinnen weltweit. Sie realisierte unter anderem das berühmte Capitol Theatre in Australien und gewann unter dem Namen ihres Mannes den internationalen Wettbewerb zur Planung der neuen Hauptstadt Canberra. Die 1940 in Pakistan geborene Yasmeen Lari erstellte Masterpläne und Bauanweisungen für mehrere Zehntausende Wohnhäuser aus lokalen Materialien wie Bambus, Ziegel und Lehm. Sie prägte sozial und kulturell nachhaltige Bauweisen und ressourcenschonende Low-Cost-Konzepte. Marjetica Potrc sucht in ihrer Arbeit die Verbindung von Stadt und Natur. Lina Bo Bardi berücksichtigt vor allem soziale Themen und entwickelt eine Architektur für die Armen.
Bis 30. Oktober im Martinsturm Bregenz. Infos über die Ausstellung: www.frauenbauenstadt.at