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Tiertransporte: “Disziplin hat sich verbessert”

13.09.2022 • 21:48 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Anhand eines Beispielfahrzeuges wird den Kursteilnehmern demonstriert, was bei der Kontrolle berücksichtigt werden muss. Bei einer realen Kontrolle durfte die geladene Presse nur aus der Ferne zusehen. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Anhand eines Beispielfahrzeuges wird den Kursteilnehmern demonstriert, was bei der Kontrolle berücksichtigt werden muss. Bei einer realen Kontrolle durfte die geladene Presse nur aus der Ferne zusehen. Rhomberg

Mit Kontrollen von Transportern soll Tierschutzvergehen entgegengewirkt werden. Wie diese abläuft, lernten gestern Polizisten und Tierärzte bei einer Schulung.

Immer wieder sorgen negative Fälle von Tiertransporten für Aufsehen. Diese sind in Österreich durch das Tiertransportgesetz geregelt. Damit das Tierwohl nicht unter einem Transport leidet, muss unter anderem für genügend Nahrung, Wasser, Einhaltung von Temperaturgrenzen und Dauer sowie genügend Platz gesorgt werden. Durch Zufallskontrollen dieser Kriterien soll die Gesundheit der Tiere gewährleistet werden. Gestern fand dafür eine Schulung bei der Kontrollstelle auf der A 14 bei Nüziders statt. Dort sollten Polizei, Veterinärärzte und Behördenvertreter der Bezirkshauptmannschaften dafür das notwendige Spezialwissen lernen, da Tiertransportkontrollen keinen täglichen Bestandteil der Arbeit darstellen. Auch die Zusammenarbeit von Amtstierärzten und Polizei soll dadurch gefördert werden.

Im Rahmen des Praxisteils wurden anhand eines Beispiel-Lkws vom Kärntner Tierschützer Alexander Rabitsch die Schritte erklärt. Laut der Tierschutzombudsfrau des Landes Vorarlberg, Karin Keckeis, sind Tiertransportkontrollen nach Einsetzen der Pandemie in den Hintergrund gerückt. Dies will sie durch den zweitägigen Theorie- und Praxiskurs ändern.
Insgesamt nahmen über 30 Personen teil. Darunter war Polizistin Nina Frick. Für sie war die Schulung nützlich, um das Gelernte aus der Polizeiausbildung in Zukunft mit der tierärztlichen Sicht im Arbeitsalltag verknüpfen zu könne. „Ich kontrolliere sonst nur den Ist-Zustand und bin bei der Entstehung einer Routenplanung etwa nicht dabei“, so Frick. Jetzt wisse sie, was bei Tränkung und Fütterung zu beachten sei.
Auch Benjamin Hämmerle von der Autobahnpolizei Bludenz empfand den Kurs als lehrreich: „Das Tierwohl liegt mir am Herzen, deswegen ist es wichtig, dass man aktiv wird.“ Für ihn persönlich sei es erschreckend gewesen, was für Fälle es bei Tiertransporten gebe.

Es werden das Gewicht, Ventilatoren, Dokumente des Lenkers und des Fahrzeuges kontrolliert. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Es werden das Gewicht, Ventilatoren, Dokumente des Lenkers und des Fahrzeuges kontrolliert. Rhomberg

Zu wenig Platz

In Österreich gibt es einen Plan, der vorschreibt, wie viele Kontrollen von Tiertransporten im Jahr durchgeführt werden müssen. In Vorarlberg sind das 29 im Jahr. Der häufigste Transit durch Vorarlberg sei vom Norden in den Süden, so Keckeis. Bei Nichteinhaltung der Vorschriften droht bei Fahrlässigkeit eine Verwaltungsstrafe. Eher seltener kommt das Strafrecht ins Spiel, wenn ein konkreter Vorsatz zur Schädigung des Tieres vorliegt.
Die Kontrolle wird von der Polizei durchgeführt. Sie überprüft etwa die Dokumente und die Technik des Fahrzuges. Besteht ein Verdacht auf Mängel abseits davon, wird ein Amtstierarzt hinzugezogen.
Oft würden Dokumentationsmängel bei der Zeit, zu niedrige Ladehöhe bei Rindern, zu wenig Einstreu bei Schweinen und nicht funktionierende Tränken bei Legehennen festgestellt, so Rabitsch. Das häufigste Vergehen sei die Überladung der Fahrzeuge, so Peter Rüscher, stellvertretender Leiter der Landespolizei. Im Fall von Gefahr für Leib und Leben heißt es Fahrtende für den Lenker, etwa wenn Tiere eingeklemmt werden könnten. „Ich sehe in Europa nur ein bis zwei Mal im Jahr eingeklemmte Kälber, doch bei fast bis zu 50 Prozent besteht die Gefahr dafür“, so Rabitsch.
Auch wenn die Anzahl der erlaubten Tiere auf einer bestimmten Fläche überschritten wird, müssen die Tiere abgeladen werden. Dann muss ein Ersatzfahrzug organisiert werden und eine Nachversorgung stattfinden. „Das geht den Transporteuren ins Geld. Das hat bewirkt, dass wir beobachten können, dass sich die Disziplin in der letzten Zeit verbessert hat“, so Rüscher. Solche Fälle der Überladung kämen besonders bei holländischen Schweinetransporten für die Parmaschinkenproduktion auf dem Weg nach Italien vor.
Rüscher beobachtet im Rahmen der Kontrollen, dass manche Fahrzeuge makellos seien. Jedoch werde tendenziell öfters etwas beanstandet als nicht. Dies müsse aber nicht immer in Verbindung mit dem Tierwohl stehen, sondern betreffe auch die Technik, so Rüscher.

Temperatur und Route können über einen Ausdruck überprüft werden. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Temperatur und Route können über einen Ausdruck überprüft werden. Rhomberg

Handlungsbedarf

Die derzeitigen Bestimmungen in Europa decken nicht alle Aspekte, die für das Tierwohl notwendig wären, ab. Etwa dürfen Rinder auf Langstrecken nur bis zur Temperatur von 30 Grad transportiert werden, Kurzstrecken unter acht Stunden betrifft diese Regelung aber nicht. Sonst wäre es in Spanien im Sommer nicht möglich, Tiere zum Schlachter zu fahren. „Den Viechern geht es erbärmlich, wenn es so heiß ist“, so Rabitsch. Nicht nur spanische Rinder können unter dem Transport leiden. Generell können bei jungen Kälbern Krankheiten problematisch sein. Die Tiere haben laut Rabitsch noch nicht ausreichend Abwehrstoffe gebildet. Eine Novelle des Tiertransportgesetzes will den Tierschutz verbessern. Sie besagt, dass Kälber nicht mehr ab 14 Tagen nach der Geburt, sondern erst nach drei Wochen auf Langstrecken transportiert werden dürfen. Rabitsch sieht im Transport von so jungen Kälbern trotzdem ein Problem, weil diese kein Flüssigfutter der Mutterkühe bekommen. „Anhaltender Hunger ist tierisches Leiden“, sagt er.

Tierschützer und Tierarzt Alexander Rabitsch. Er kommt aus Kärnten. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Tierschützer und Tierarzt Alexander Rabitsch. Er kommt aus Kärnten. Rhomberg

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