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Vierzig Jahre künstlerische Arbeit

15.09.2022 • 21:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Künstlerin Ursula Dorigo <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Die Künstlerin Ursula Dorigo Wolfgang Ölz

Ein „Best of Ursula Dorigo“ zeigt Werke der Malerei, Zeichnung, Objektkunst und Fotografie von 1982 bis 2022 und erlaubt Einblicke in das überzeugende Schaffen der Künstlerin.

Ursula Dorigo feiert ihren 80. Geburtstag mit einer sehenswerten Ausstellung. In ihrem bürgerlichen Leben war die gebürtige Salzburgerin AHS-Lehrerin am Bundesgymnasium bzw. Bundesrealgymnasium in Feldkirch. Die Übersiedlung nach Vorarlberg war für sie ein einschneidendes Erlebnis.

Nach Sommerakademien bei Georg Eisler in den Jahren 1984 bis 1986, Seminaren für Radierung des damaligen „Bundesministeriums für Unterricht und Kunst“ in den Jahren 1985 und 1987 machte sie ab 1986 eine kontinuierliche Ausbildung bei K.P. Franz in München. Stipendien führten sie auf Einladung des russischen Kulturministeriums zu Plein-air-Malerei in Urjupinsk und zwei Stipendien der Vorarlberger Landesregierung nach Pyrgi auf der Insel Chios in Griechenland und nach Paliano in Italien.
Seit 1992 ist sie Mitglied der Berufsvereinigung Bildender Künstler Vorarlberg mit Sitz in Bregenz und 2002 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der KunstVorarlberg, die als Gegenpol zur Bregenzer Berufsvereinigung in Feldkirch gegründet worden war.

Naturalistische Anfänge

Begonnen hat bei Ursula Dorigo alles expressiv und naturalis­tisch. Im ersten Raum sieht man Portraits ihrer Mutter und von Walter Khüny genauso wie ein großformatiges Bild ihrer Tochter mit zwei wilden Freundinnen, dass die Künstlerin „Drei Grazien“ getauft hat.
Jedes Bild in der aktuellen Ausstellung ist die Auswahl aus einer ganzen Fülle an Bildern zu der jeweiligen künstlerischen Fragestellung. So auch der zweite Raum, der mit den Sandbildern und Steinporträts, die nach der eigenen Einschätzung der Künstlerin ihre wichtigste Arbeit darstellt. Über Jahre hat sie in Griechenland und vor allem auch auf Elba glitzernden schwarzen Sand gesammelt, um die Landschaft aus sich selbst heraus zu malen.
Entstanden sind gültige Bildwerke aus dem Geist des Konstruktivismus, die in der Einfachheit der Materialien der Arte Povera zuzurechnen sind.

Vierzig Jahre Schaffen

Im dritten Raum findet sich die „religiöse Ecke“, keineswegs eine „Kitschecke“, wie das Kunstbischof Hermann Glettler einmal, generell religiöse Gebrauchskunst unter Generalverdacht stellend, apos­trophiert hat. Ursula Dorigo hat sich sogar von einem Griechen das Ikonen schreiben (nicht malen) lernen lassen.

Und ein Spruch ihres Großvaters „sic transit Gloria mundi“ – „so vergeht der Ruhm der Welt“ ist ebenfalls zu finden, der sie auf ihrem Lebensweg begleitet hat. 40 Jahre Leben, 40 Jahre Schaffen, ein biblischer Zeitraum, der an die 40 Jahre denken lässt, die das Volk Israel durch die Wüste gezogen ist. Auch ein künstlerischer Weg wie der von Ursula Dorigo kann als Auszug aus den knechtenden Verhältnissen der frühen Jugend in die Freiheit und Reife im gelobten Land gelesen werden. Die Qualität stimmt jedenfalls fast immer. Der Kritiker kann nur wünschen „ad multos annos“, noch auf viele gelungene künstlerische Jahre.

Von Wolfgang Ölz