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Stephen King lehrt die Welt das Fürchten

18.09.2022 • 19:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stephen King, der König des Horrors
Stephen King, der König des Horrors AP

Der erfolgreichste Horror-Autor aller Zeiten feiert seinen 75. Geburtstag.

Mehr als 400 Millionen verkaufte Bücher, erhältlich in 40 Sprachen. Zu behaupten, dass Stephen King einen Nerv getroffen hat, wäre eine kühne Untertreibung. Der Autor aus dem Nordosten der USA traktiert die Nerven seiner Leser seit fast einem halben Jahrhundert. Mit Büchern, die in den meisten Fällen von der Angst handeln.

Horror, daneben Thriller und Fantasy: Das sind die Genres, in denen sich der 1947 in Portland, Maine geborene Autor bewegt. Sozusagen die Schmuddelecken des literarischen Betriebs, die von der „ernsthaften“ Literaturkritik nur in Ausnahmefällen wahrgenommen werden. Andere Genres sind bei der Rezeption von „E“ und „U“ durchlässiger. Wäre King Musiker, er wäre Popmusiker. Wäre er Filmemacher, er wäre ein Regisseur von Blockbustern. Er ist ein Mann für die Breite. Millionen von Leserinnen und Lesern hat er in seine düsteren Weltentwürfe gezogen, mit einer unglaublich ausdauernden literarischen Erzählkraft. King hat nicht nur viele Bücher geschrieben (mehr als 50 Romane, dazu zahlreiche Erzählungen, Kurzgeschichten und einige nicht-fiktionale Werke), viele dieser Bücher sind glänzende Literatur mit einem ganz speziellen Sound.

Eine normale Welt gibt es bei King ohnehin nicht. Sinistre Regierungsbehörden, finstere Gemeinschaften und dysfunktionale Familien bevölkern seine Geschichten. Die Schule ist dabei ebenso ein Ort der Unterdrückung wie das Leben in den beschaulichen Vorstädten. Die „echte“, sehr amerikanische Welt in Kings Romanen ist oft angsteinflößender als alle Monster. Kings Verachtung für das reaktionäre Amerika und die Dämonen, der er selbst zu bekämpfen hatte, haben ihre Spuren hinterlassen: von der schweren Alkohol- und Kokainsucht bis zu einem Autounfall, den er haarscharf überlebt hat. Dass er es überhaupt zum Autor brachte, verdankt er einer Verlagslektorin, die die Qualität eines unverlangt eingesandten Manuskripts mit dem Titel „Carrie“ nicht überlesen hatte.

Stephen King

Stephen King wurde am 21. September 1947 geboren.
Verheiratet mit Tabitha King, 3 Kinder.
1974 erschien der Roman „Carrie“, mit dem ihm der Durchbruch gelang.
Zahlreiche Bücher, unter anderem auch unter den Pseudoymen Richard Bachman und John Swithen.
Es gibt bisher an die 70 King-Verfilmungen.

King schürt meisterhaft die latent vorhandenen Ängste. Der Autor scheucht die Irrationalität unseres Bewusstseins, virtuos entwickelt er selbst aus den banalsten, abgedroschensten Situationen (die Furcht vor dem Monster im Schrank, dem Mörder unter dem Bett oder in einem verlassenen Haus) blanken Horror. Und auch wenn manche seiner Techniken durchschaubar sind, auch weil sie stereotyp eingesetzt werden, ist sein Talent evident.

In seinem mehrbändigen Hauptwerk „Der dunkle Turm“ entwirft Stephen King eine Fantasywelt auf der Folie eines Westerns. Vielleicht wird „Der dunkle Turm“ einmal als eines der großen Werke der Postmoderne gelten. Alte Mythen, literarische Einflüsse und popkulturelle Elemente sind darin ineinander verschmolzen und schaffen einen völlig neuartigen literarischen-erzählerischen Kosmos.

Einen neuen Kosmos hat sich King auch zum 75. Geburtstag geschenkt: Gerade ist seine Märchengeschichte „Fairy Tale“ erschienen. 900 Seiten zwischen den Brüdern Grimm und der USA der Jetztzeit. Grusel inklusive.