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Erste Europäische Wildkatze in Vorarlberg nachgewiesen

19.09.2022 • 19:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sechs verschiedene Luchse wurden innerhalb eines Jahres im Rätikon, Montafon und Mellental von Wildkameras festgehalten. <span class="copyright">Büro für Wildökologie</span>
Sechs verschiedene Luchse wurden innerhalb eines Jahres im Rätikon, Montafon und Mellental von Wildkameras festgehalten. Büro für Wildökologie

Europäisches Wildkatzenweibchen streift durchs Dornbirner Berggebiet.

Bereits im Jahr 2018 hatte Jagdschutzorgan Erich Knappitsch im Ebnitertal eine verdächtige Katze mit seiner Wildkamera festgehalten. Jetzt brachte eine Haarprobe Gewissheit: Es handelt sich um eine Europäische Wildkatze, genauer gesagt ein Wildkatzenweibchen. „Dies ist der erste genetische Nachweis einer freilebenden Wildkatze in Vorarlberg“, freut sich Daniel Leissing vom Büro für Wildökologie. Offiziell gelte die Art bei uns als ausgestorben bzw. verschollen.
Die Europäische Wildkatze zählt zu den seltensten und unbekanntesten heimischen Säugetierarten. Der Wissensstand über die Wildkatze in Öster­reich ist dürftig. Dies liegt zum einen an ihrer verborgenen Lebensweise, zum anderen an ihrem unauffälligen Aussehen. Für Ungeübte ist die Wildkatze leicht mit einer Hauskatze zu verwechseln. Der Nachweis der Wildkatze ist dementsprechend schwierig.

Die Wildkatze streift seit geraumer Zeit durch die Dornbirner Berglandschaft. <br><span class="copyright">Büro für Wildökologie </span>
Die Wildkatze streift seit geraumer Zeit durch die Dornbirner Berglandschaft.
Büro für Wildökologie

Mit Lockstöcken aufgespürt

Um die heimliche Katze aufzuspüren, arbeiten Wildökologen mit Wildkameras und Lockstöcken. Ein Lockstock ist ein rauer Holzpflock, der im Waldboden eingeschlagen und mit Baldrian-Tinktur präpariert wird. Während Baldrian auf Menschen beruhigend wirkt, ist er für Katzen das reinste Aphrodisiakum. Eine Wildkatze, die von einem solchen Lockstock angezogen wird, reibt sich an diesem und setzt ihre eigene Duftmarke ab. Dabei bleiben Fellhaare am Stock zurück, die genetisch analysiert werden können. Dies ist notwendig, um eine Wildkatze eindeutig von einer Hauskatze zu unterscheiden.

Im Frühjahr 2022 konnte zum ersten Mal eine Haarprobe jener Katze gewonnen, die seit geraumer Zeit im Dornbirner Berggebiet umherstreift. Genetisch analysiert wurde die Probe vom Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik.
Ein Verwandter der Wildkatze ist der Luchs, der sich in Vorarl­berg immer mehr etabliert. Im Zuge des Luchs-Monitorings entstanden im Rätikon, Montafon und Mellental seit vergangenem Herbst insgesamt 53 Fotos von Luchsen. Dabei handelt es sich um sechs verschiedene Individuen. Wie viele Luchse insgesamt durch Vorarlberg streifen, ist noch unklar.