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Pflegeskandal in Salzburg: Übernahme beschlossen

19.09.2022 • 13:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Senecura-Pflegeheim in Salzburg
Das Senecura-Pflegeheim in Salzburg APA/Barbara Gindl

Plätze für alle 13 Personen dürften sich aber nicht finden.

Die Stadt Salzburg hat am Montag in einem Sondersozialausschuss beschlossen, Bewohner des in die Kritik geratenen Senecura-Pflegeheimes in Lehen in die städtischen Seniorenheime zu übernehmen. Vorgesehen ist ein Reißverschlusssystem: Freie Plätze werden abwechselnd mit einer Person aus dem Heim und mit einer Person von der rund 200 Menschen umfassenden Warteliste belegt. Alle 13 Senecura-Bewohner aufzunehmen, dürfte der Stadt in der vorgesehenen Frist aber nicht gelingen.

Nach dem die Volksanwaltschaft in dem Senecura-Heim gravierende Missstände aufgedeckt hat, setzte der zuständige Sozialreferent im Land, LHStv. Heinrich Schellhorn (Grüne), dem Heimträger vergangene Woche ein Ultimatum. 13 der derzeit 63 Bewohnerinnen und Bewohner müssen bis Ende Oktober auf andere Heime verteilt werden, um die notwendige Betreuungsqualität zu sichern. Andernfalls drohe die Schließung des Hauses.

Die Stadt Salzburg betreibt fünf Seniorenheime selbst, für drei weitere Einrichtungen gibt es ein Zuweisungsrecht. In den Heimen fehlt es jedoch an Pflegekräften – 90 Betten stehen aktuell wegen Personalmangels leer. “Bis Ende Oktober geht sich das nicht aus”, sagte am Montag Christoph Baumgärtner, der für die Senioreneinrichtungen der Stadt zuständige Amtsleiter, im Ausschuss. Reißverschlusssystem heißt auch, dass man binnen gut eines Monats 26 Plätze benötigt. Ohne Hilfe privater Träger oder Einrichtungen in benachbarten Bezirken werde das nicht gehen. “Wir wollen nicht nur Mindeststandards erfüllen, sondern den Anspruch an gute, qualitativ hochwertige Betreuung erfüllen.”

Eine Übersiedlung von Bewohnern benötige eine entsprechende Vorlaufzeit. “Die Bewohner, ihre Familien, die Teams müssen darauf vorbereitet werden.” Zudem würden viele Formalien anfallen – etwa neue Heimverträge mit den Bewohnern oder neue Anträge auf Sozialhilfe. Zugleich möchte die Stadt verhindern, dass Bewohner von der Senecura in andere Heime des Trägers verlegt werden, die weit weg der Landeshauptstadt liegen.

“Je besser die Bewohner eingebunden sind, je mehr sie einen Wechsel wünschen oder akzeptieren, desto besser funktioniert ein Umzug. Das letzte was wir wollen ist, dass über Bewohner bestimmt wird”, sagte am Montag Patrick Pfeifenberger, der Leiter der Sozialabteilung der Stadt.

Die Experten der Stadt forderten am Montag auch ein entsprechendes Krisenmanagement beim Land. “Wir müssen jetzt zusammenarbeiten. Für die anderen Träger, wo die Stadt kein vertragliches Zuweisungsrecht hat, muss die Koordination das Land übernehmen”, erklärte Baumgärtner. Wie heute bekannt wurde, soll es am kommenden Donnerstag ein Treffen der großen Sozialträger im Bereich der Pflege im Land geben – und im Anschluss daran ein Treffen mit Vertretern der Stadt.