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Kauffmanns Bezug zum Bregenzerwald

20.09.2022 • 19:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ganymed, den Adler des Jupiters tränkend, 1793           <span class="copyright">Foto: Markus Tretter</span>
Ganymed, den Adler des Jupiters tränkend, 1793 Foto: Markus Tretter

Bis Ende Oktober erkundet die Ausstellung im Angelika-Kauffmann-Museum Schwarzenberg Herkunft, Identität und Selbstinszenierung der Künstlerin anhand von Originalwerken.

Die Ausstellung geht dem Selbstverständnis der Malerin zwischen hochtalentiertem Ausnahmetalent, polyglotter Weltbürgerin und Liebkind der kulturellen High Society in London und Rom nach.

Vereinnahmung

Der Titel der Ausstellung „Eine von uns – Angelika Kauffmann verehrt und vereinnahmt“ legt eine kritische Lesart der Reklamierung Angelika Kauffmanns durch Schwarzenberg und den Bregenzerwald nahe. Vom Museum verweist man aber vor allem auf die Vereinnahmung Angelika Kauffmanns durch die Deutschnationalen hin, die im Raub zweier Angelika-Kauffmann-Gemälde aus dem Kunsthistorischen Museum und Hängung im Arbeitszimmer Adolf Hitlers in Berlin gipfelte.


Angelika Kauffmann ist bekanntlich 1741 in Chur geboren und 1807 in Rom gestorben. Die ruhmverwöhnte Künstlerin tat den Geburtsort als Zufall ab, immerhin reiste sie mit ihrem Vater als Hofmaler von Fürst zu Fürst und wurde – wie man das vom jungen Wolfgang Amadeus Mozart kennt – als Wunderkind herumgereicht.

<span class="copyright">TIROLER LANDESMUSEUM FERDINANDEUM, INNSBRUCK</span><br>Pallas von Turnus getötet, Ölskizze, 1785
TIROLER LANDESMUSEUM FERDINANDEUM, INNSBRUCK
Pallas von Turnus getötet, Ölskizze, 1785

Besuche in Schwarzenberg

Angelika Kauffmann kam nur zwei Mal in ihrem Leben nach Schwarzenberg, und zwar als junges Mädchen, als sie die heute noch zu besichtigenden Apostelköpfe in der Schwarzenberger Kirche malte, und einmal zu einem längeren Besuch. Das Altarblatt in der Schwarzenberger Kirche ließ sie – bereits schwerkrank – nach Schwarzenberg transportieren und weinte, als ihr mitgeteilt wurde, mit welch großer Anteilnahme der Bevölkerung das Bild – eine Krönung Marias durch die Heiligste Dreifaltigkeit – in „ihrer Heimat“ aufgenommen wurde.
Übrigens kann man heute noch das Frühwerk und Spätwerk Angelika Kauffmanns anhand der Apostelköpfe und des Altarblattes in der Kirche in Schwarzenberg studieren.

<span class="copyright">Privatsammlung A.&amp;S.G.</span><br>Angelika Kauffmann, Selbstbildnis mit Schmuckkränzchen, 1764/65
Privatsammlung A.&S.G.
Angelika Kauffmann, Selbstbildnis mit Schmuckkränzchen, 1764/65

Heimatliebe

Jedenfalls macht der Vorarlberger Historiker und Universitätsprofessor im „Unruhestand“ Gerhard Wanner in den Beiträgen zur Kunstgeschichte Vorarlbergs in seinem Artikel „Angelika Kauffmann aus Vorarlberger Sicht“, der erstmals 2021 erschien und in gekürzter Form im Katalog zur aktuellen Ausstellung abgedruckt ist, eine kluge Bemerkung zum Heimatverständnis von Angelika Kauffmann, wenn er schreibt: „Es wurde wiederholt die Frage gestellt, wie Kauffmanns angebliche Heimatliebe zu erklären sei. (…) Ihre Ideale von Friede und Abgeschiedenheit in unverdorbener Natur und Sitte waren das Gegenteil jener Großstädte, in denen sie sich aufhielt. (…)
Es ist auch ein Vergleich zwischen ihrer idealisierten Heimat Bregenzerwald und ihrer antiken Kunstbegeisterung möglich. Beides waren Traumwelten, mit denen sie sich identifizieren wollte, in die sie flüchtete.“

Heldinnen der Antike

Jedenfalls sind ihre solitäre Stellung als Frau in einer Männerkunstwelt und die Darstellung der weiblichen Heldinnen der antiken Mythologie auch ein Grund für die Vereinnahmung von Angelika Kauffmann durch den zeitgenössischen Feminismus. Bettina Baumgärtel, die ausgewiesene Kauffmann-Kennerin aus Düsseldorf, hat dafür die wissenschaftliche Vorarbeit geleistet. Eine Alice Schwarzer, die sie auch in die feministische Schrift „Emma“ aufnahm, wie dem Museumstext zu entnehmen ist, war sicher angetan davon, dass die Kauffmann statt Odysseus seine Frau Penelope und statt Admetos dessen Gattin Alkeste als die wahren Heldinnen des Mythos ins Zentrum ihrer Bilder rückte, wie das in der aktuellen Schau in Schwarzenberg gut nachvollzogen werden kann.

Ausgestellte Werke

Insgesamt sieht man in

Insgesamt sieht man in Schwarzenberg in der von Thomas Hirtenfelder kuratierten Ausstellung viele Spitzenwerke von Angelika Kauffmann aus Privatsammlungen, dem vorarlberg museum und der Sammlung des Museums selbst.


Die Museumsführerin Edith Ulmer verweist als persönliche Lieblingsbilder auf eine Ideenskizze von 1786, die „Hermann und Thusnelda“ in erstaunlicher Modernität zeigt, und auf ein Selbstbildnis von Angelika Kauffmann aus den Jahren 1964/65, das die junge Künstlerin im Alter von 23 Jahren an der Schwelle zum Star „wunderschön und mit einem so wissenden Blick“ darstellt.

Von Wolfgang Ölz