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Land erhöht Druck bei Pflegelehre

20.09.2022 • 20:42 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Ausbildungen im Bereich der Pflege sind in Vorarlberg durchaus gut nachgefragt. <span class="copyright">Symbolbild/APA/DPA</span>
Die Ausbildungen im Bereich der Pflege sind in Vorarlberg durchaus gut nachgefragt. Symbolbild/APA/DPA

Landesverantwortliche sprachen über den Start der Pflegeausbildungen.

Personalmangel macht Vorarlbergs Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen zu schaffen.

So standen etwa Anfang Juli über 150 Pflegebetten in Vorarlberg leer, weil nicht genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen beschäftigt waren. Zugleich warten im ganzen Land über 200 Personen auf einen Platz in einer Pflegeeinrichtung. Am Dienstag haben Landeshauptmann Markus Wallner, Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (beide ÖVP) und Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) daher im Pressefoyer einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Ausbildung geworfen. Zudem machten sich die Mitglieder der Landesregierung erneut für eine rasche Einführung der Pflegelehre stark.

Vorschlag steht

Das Land sei für eine duale Ausbildung in der Pflege gerüstet, berichteten der Landeshauptmann und die Gesundheitslandesrätin. Eine „aktive Arbeitsgruppe“ beschäftige sich intensiv mit der Frage und habe bereits einen Vorschlag für ein mögliches Curriculum. Allerdings fehlten die rechtlichen Voraussetzungen für die Pflegelehre. Die entsprechenden Gesetzesänderungen müssen im Bund beschlossen werden. Um die Lehrausbildung ab Herbst 2023 anbieten zu können, müsse dies rasch gesehen, sagte Rüscher. Denn für einen Start im Herbst müsse man im Februar 2023 in die Bewerbung gehen.

Gesamte Ausbildungskette

Wallner dämpfte zugleich jedoch die Erwartungen an die Pflegelehre. Diese könne nicht als alleinige Lösung der Personalmisere gesehen werden. Dennoch könne die duale Ausbildung ein Baustein bei der Bekämpfung des Mitarbeitermangels sein. Immerhin sei Vorarlberg ein Land der Lehre. Ebenso sei es wichtig, bei Mangelberufen Ausbildungsmöglichkeiten über die gesamte Ausbildungskette anzubieten.

Katharina Wiesflecker, Markus Wallner und Martina Rüscher (von links). <span class="copyright">VLK</span>
Katharina Wiesflecker, Markus Wallner und Martina Rüscher (von links). VLK

Im Pflegebereich sei die Lehre noch das fehlende Glied in der Kette, meinte der Landeshauptmann. Es gehe darum, junge Menschen früh und entsprechend behutsam an den Pflegeberuf heranzuführen. Ohne die Möglichkeit einer Lehrausbildung bestehe die Gefahr, dass sich interessierte Jugendliche für einen anderen Karriereweg entscheiden würden oder für eine Pflegelehre in die benachbarte Schweiz gingen, ergänzte die Gesundheitslandesrätin.

Gut ausgelastet

Gemeinsam mit ihren beiden Regierungskollegen berichtete sie, dass die im Land vorhandenen Pflegeausbildungen gut angenommen würden. So seien alle 134 Plätze in den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen besetzt. An der FH Vorarlberg beginnen 62 Studierende ihre Bachelorausbildung – sieben weitere könnten noch dazukommen, wobei insgesamt 90 Plätze zur Verfügung stehen. Auch an der Kathi-Lampert-Schule sowie der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Bregenz seien die Klassen, in denen die Pflegeassistenz zur Ausbildung gehört, gut besetzt.

SPÖ-Pflegesprecherin Elke Zimmermann. <span class="copyright">Hartinger</span>
SPÖ-Pflegesprecherin Elke Zimmermann. Hartinger

Zimmermann lehnt Pflegelehre ab

Stark irreführend ist aus Sicht von SPÖ-Pflegesprecherin Elke Zimmermann der Begriff der Pflegelehre. Denn es handle sich dabei nicht um eine Pflegeausbildung, „wie wir sie brauchen würden“. Vielmehr handle es sich um eine Ausbildung zur Betreuung von Pflegebedürftigen. Benötigt würden gut ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger und keine reinen Betreuungskräfte. Das Ergebnis seien junge Menschen mit einer Ausbildung, für die im Pflegesystem kein echter Bedarf bestehe. Sowohl für die Betroffenen als auch das System führe die Lehre in eine Sackgasse.

Zimmermann fordert die Landesregierung daher auf, die Pflegelehre nicht mehr weiter zu verfolgen. Stattdessen müsse man darauf setzen, mehr Personen in die Fachausbildungen zu bekommen. Die SPÖ-Abgeordnete spricht sich dafür aus, mehr Anreize zu schaffen – vor allem für Umschulungen.

Zimmermann rief die Landesregierung zudem auf, den Pflegebediensteten die Auszahlung des heurigen Gehaltsbonus zu garantieren – unabhängig davon, was der Bund tue. Die Abrechnung zwischen Land und Bund dürfe nicht die Sorge der Pflegekräfte sein.

Erstmals gibt es diesen Herbst eine Ausbildungsförderung, welche auf dem Pflegepaket des Bundes basiert. Wer eine Pflegeausbildung absolviert, bekommt für deren Dauer – ein, zwei oder drei Jahre – jeweils 600 Euro pro Monat an Unterstützung. Bei gedehnten oder berufsbegleitenden Modellen bleibt die Gesamtförderung für die Ausbildung gleich hoch, aber die Monatssätze reduzieren sich entsprechend. Zusätzliches Geld gibt es auch für jene, die bei der connexia Implacementstiftung eine Pflegeausbildung absolvieren. Sie bekommen zur derzeitigen Unterstützung noch weitere 200 Euro pro Monat zusätzlich. Die Kosten für die gesamte Ausbildungsförderung liegen bei rund 300.000 Euro pro Monat. Der Bund übernimmt davon zwei Drittel, den Rest trägt das Land.

Mitarbeiter halten

Im Kampf gegen den Personalmangel gehe es jedoch nicht nur darum, neue Pflegekräfte auszubilden, sondern auch darum, die bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten, betonte Soziallandesrätin Wiesflecker. Teil des Pflegepakets des Bundes sei daher auch eine finanzielle Anerkennung für die Beschäftigten. Heuer und 2023 gibt es daher Bonuszahlungen für alle Pflegekräfte. Diese dürften nach Angaben der Landesrätin in etwa bei 160 Euro pro Monat liegen. Heuer soll das Geld als Einmalzahlung im Dezember überwiesen werden.

Finanzierung sichern

Es dürfe sich nicht nur um eine befristete Gehaltserhöhung in den Jahren 2022 und 2023 handeln, betonten Wiesflecker und Wallner. Wie die langfristige Finanzierung aussehe, werde daher auch Thema der Finanzausgleichsverhandlungen zwischen Bund und Ländern im kommenden Jahr sein müssen.