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Satteins: Skurriles Schreiben zum Rücktritt

22.09.2022 • 14:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Satteins: Skurriles Schreiben zum Rücktritt
Bürgermeister Gert Mayer hört nach zweijähriger Amtszeit auf. VN

Amtsleiter ersucht politisch Tätige, nicht mit der Presse zu reden. FPÖ: “Er war schlichtweg überfordert”.

Es ist ein etwas merkwürdiges Schreiben, das am Mittwochabend um 19.16 Uhr an Gemeindevertreter, Mitarbeitende und Bürgermeis­terkollegen der Nachbargemeinden verschickt wurde (und nun auch der NEUE vorliegt). Verfasst und unterzeichnet hat es der Amtsleiter der Gemeinde Satteins, Matthias Mayr. Betreff: Rücktritt Bürgermeister Gert Mayer.

Eingangs informiert der Amtsleiter die Adressaten darüber, dass Mayer (Dorfteam Satteins) im Oktober 2022 auf all seine Ämter und Mandate verzichten und somit auch als Bürger­meister zurücktreten wird. Der Gemeindechef tue ­dies aus „privaten, persönlichen und nachvollziehbaren Gründen“, heißt es in dem Schreiben. Welche „nachvollziehbaren Gründe“ da genau gemeint sind, blieb zumindest in dem Schreiben offen.

“Kein Statement an die Presse”

Ganz genaue Vorstellungen hat der Amtsleiter allerdings davon, wie in weiterer Folge mit Presseanfragen umgegangen werden soll. So werden „die politisch tätigen Personen“ – also auch jene der anderen Listen – ersucht, „kein Statement an die Presse zu diesem Thema abzugeben“.

Satteins: Skurriles Schreiben zum Rücktritt
Doris Amann verabschiedete sich vor einem Monat aus der Politik.

Offen bleibt der genaue Zeitpunkt des Rücktritts. Das hänge unter anderem von der anstehenden Wahl des Vizebürgermeisters bzw. der Vizebürgermeisterin und allfälligen organisatorischen Maßnahmen sowie Fristen wegen der Neuwahl des Bürgermeisters ab, heißt es. Fakt ist: Da Mayer als Bürgermeister auch Wahlleiter für die Bundespräsidentenwahl am 9. Oktober ist, kann er frühestens am 10. Oktober offiziell als Gemeindechef zurücktreten. Die Neuwahlen des Bürgermeis­ters werden voraussichtlich im Jänner 2023 über die Bühne gehen.

Neuwahlen im Jänner 2023

Bevor Mayer sich zurückziehen kann, muss jedenfalls eine neue Vizebürgermeisterin gewählt werden. Mayers bisherige Stellvertreterin Doris Amann (ebenfalls Dorfteam Satteins) war erst am vergangenen Freitag aus familiären Gründen zurückgetreten. Sie war 17 Jahre lang in der Gemeindepolitik tätig, davon zwölf Jahre als Vizebürgermeisterin.

Im Gegensatz dazu war Bürgermeis­ter Mayer nur ein sehr kurzes Gastspiel in der Kommunalpolitik beschert. Der Quereinsteiger wurde im Herbst 2020 zum Gemeindechef gewählt. Zuvor war er als Geschäftsführer der Fachgruppe Metalltechnik in der Wirtschaftskammer Vorarl­berg tätig. Er ist Mitglied der ÖVP.

Wieder mehr Zeit für Familie

Der Bürgermeister war für eine Stellungnahme auf Anfrage nicht erreichbar. Amtsleiter Mayr verwies auf eine Presseaussendung, die allerdings nicht an alle Medien verschickt wurde. Darin heißt es, dass sich der Bürgermeister wieder mehr seiner Familie widmen wolle.
Zu den „nachvollziehbaren Gründen“ klärte Mayr auf, dass er damit gemeint habe, dass die Gründe für ihn selbst nachvollziehbar seien. Der Bürgermeis­ter sei ein absoluter Familienmensch, und die Zeit mit der Familie sei in letzter Zeit zu kurz gekommen, so der Amtsleiter.

Michael Koschat, Obmann der Parteifreien und Freiheitlichen in Satteins. <span class="copyright">FPÖ</span>
Michael Koschat, Obmann der Parteifreien und Freiheitlichen in Satteins. FPÖ

Michael Koschat, Obmann der Parteifreien und Freiheitlichen Wählerliste Satteins, stellt dem scheidenden Bürgermeister kein gutes Zeugnis aus: „Er war schlichtweg überfordert. Er hatte ja überhaupt keine Erfahrung in der Kommunalpolitik und dürfte sich das alles etwas anders, vielleicht einfacher, vorgestellt haben.“ Koschat bezeichnet es als „unverantwortlich“, dass man Mayer damals überhaupt als Bürgermeisterkandidat aufgestellt habe. Der Rücktritt habe sich insofern abgezeichnet, als dass der Gemeindechef im vergangenen Dreivierteljahr nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen sei, so Koschat.

ngskreisen zu hören ist, dürfte der Bürgermeister auch in den eigenen Reihen umstritten sein. Unstimmigkeiten habe es zuletzt auch wegen der geplanten Neugestaltung des Kirchplatzes gegeben, heißt es.

Andreas Dobler will zunächst Vizebürgermeister werden. <span class="copyright">FPÖ</span><span class="copyright"> </span><span class="copyright"></span>
Andreas Dobler will zunächst Vizebürgermeister werden. FPÖ

Klaudia Tschavoll-Wurzer, die für die Grünen im Gemeindevorstand sitzt, findet den Zeitpunkt des Rücktrittes „ungünstig“, da in der vergangenen Woche schon die Vizebürgermeisterin zurückgetreten sei. Die Gemeindevertretung stehe vor großen Herausforderungen. „Wir müssen ein Budget erstellen, zudem gibt es ein paar größere Projekte.“ Die Gemeinderätin gibt sich trotzdem zuversichtlich. „Es ist ein Neustart. Die Gemeindevertretung ist gewillt, gut zusammenzuarbeiten. Schauen wir, dass wir das Beste daraus machen“, so Tschavoll-Wurzer.

Wen die Grünen für die jetzt anstehenden Wahlen nominieren, ist noch nicht klar. Die Parteifreien und Freiheitlichen werden den Gemeinderat Andreas Dobler ins Rennen schicken. Dobler ist bereits seit 15 Jahren in der Satteinser Gemeindepolitik. Im Jahr 2020 wollte er Bürgermeister werden, unterlag jedoch Gert Mayer.