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Kampf für eine bessere Zukunft

23.09.2022 • 19:10 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Clara Riedmann von der Grünen Jugend Vorarlberg. <span class="copyright">Hartinger</span>
Clara Riedmann von der Grünen Jugend Vorarlberg. Hartinger

Clara Riedmann ist seit August geschäftsführende Landessprecherin der Grünen Jugend.

Welche Dinge beschäftigen die jungen Menschen? Was sind die wichtigen Themen?
Clara Riedmann:
Ich kann natürlich nicht für alle jungen Menschen sprechen, aber ich kann sagen, was mich beschäftigt und warum ich politisch aktiv bin. Die ersten Demos, auf denen ich alleine gewesen bin, waren die „Fridays For Future“-Demos. Die Klimakrise spitzt sich immer weiter zu und in der Politik werden jetzt die Entscheidungen darüber getroffen, wie die Zukunft für meine und die weiteren Generationen aussieht. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, warum ich aktiv bin. Außerdem bin ich eine junge Frau. In Vorarl­berg beträgt der „Gender Pay Gap“ knapp 30 Prozent, das ist der Spitzenwert in Österreich. Ein weiteres großes Thema ist die Männergewalt. Heuer hat es schon 26 Femizide in Öster­reich gegeben, zuletzt auch wieder einen in Vorarlberg. 26 Frauen sind dieses Jahr schon von ihren Partnern oder Ex-Partnern umgebracht worden. Meistens auch noch zu Hause, wo man sich eigentlich sicher fühlen sollte. Das ist erschreckend.

Gibt es noch weitere wichtige Themen?
Riedmann: Kürzlich war gerade die Pride und auch in diesem Bereich gibt es noch viel zu tun. Konversionstherapien dürfen von nicht-medizinischem Personal immer noch durchgeführt werden. In der Schule hört man kein einziges Wort zu gleichgeschlechtlicher Liebe und generell gibt es noch keinen umfassenden Diskriminierungsschutz. Wenn ein lesbisches oder schwules Paar irgendwo etwas essen gehen möchte, kann ihnen verweigert werden, dass sie bedient werden. Das ist nicht zeitgemäß. Aus all diesen Gründen möchte ich heute für eine bessere Zukunft für alle kämpfen. Darum stecke ich meine Energie in die Grüne Jugend.

Auch an den "Fridays For Future"-Demos hat sich die neue Landessprecherin beteiligt. <span class="copyright">Symbolbild/Steurer</span>
Auch an den "Fridays For Future"-Demos hat sich die neue Landessprecherin beteiligt. Symbolbild/Steurer

Wie einfach oder wie schwierig ist es, junge Menschen für politisches Engagement bei der Grünen Jugend zu begeistern?
Riedmann: Sobald sie einmal bei uns sind, ist es sehr einfach, weil sie zu 100 Prozent motiviert sind. Ein großes Thema ist aber die Mobilisierung und die jungen Menschen zu erreichen. Wir sind zum Beispiel auf Social Media sehr aktiv. Oft ist es auch so, dass Leute Freundinnen oder Freunde mitbringen.

Es heißt immer wieder, die Jugend sei politikverdrossen. Wie sehen Sie das?
Riedmann: Ich glaube, die „Politikverdrossenheit der Jugend“ ist zu einem bestimmten Grad auch ein Klischee. Ich denke nicht, dass diese so schlimm ist, wie das viele behaupten. Es gibt ganz viele politisch interessierte junge Menschen und viele, die motiviert sind, selbst etwas zu tun. Wenn man aber immer wieder Berichte etwa über Korruptionsaffären hört, dann geht das Vertrauen in die Politik verloren. Man muss daher daran arbeiten, dass es mehr Transparenz gibt. In Vorarlberg gibt es bald neue Regelungen zur Parteienfinanzierung. Das ist vorbildlich und derartige Dinge müssen weiter forciert werden. So können auch junge Menschen wieder mehr Vertrauen in die Politik haben.

Grüne Jugend

Vor drei Jahren wurde die Grüne Jugend Vorarlberg gegründet. Bei der Landesversammlung, die kürzlich über die Bühne ging, wurde Clara Riedmann zur geschäftsführenden Landessprecherin gewählt. Im Vorstand wird sie von ihrer Vorgängerin Leah Birnbaumer, Sprecher Constantin Eberle, Finanzreferent Samuel Moosmann sowie Evelyn Dünser und Valentina Walch unterstützt.

Der Vorstand der Grünen Jugend: Evelyn Dünser, Clara Riedmann, Constantin Eberle, Leah Birnbaumer, Valentina Walch und Samuel Moosmann (von links). <span class="copyright">Grüne Jugend</span>
Der Vorstand der Grünen Jugend: Evelyn Dünser, Clara Riedmann, Constantin Eberle, Leah Birnbaumer, Valentina Walch und Samuel Moosmann (von links). Grüne Jugend

Werden junge Menschen und ihre Anliegen von der Politik wahrgenommen?
Riedmann: Zu einem gewissen Grad schon, aber es ist immer noch zu wenig. Es hilft aber, wenn die Jugend sich in der Politik repräsentiert fühlt. Viele Politiker gehören aus unserer Sicht einer anderen Generation an. Wir haben aber zum Beispiel mit Aaron Wölfling einen sehr jungen Stadtrat in Dornbirn. Ich denke, dass es wichtig ist, dass junge Leute in der Politik sind. Denn sie haben den Blick einer jungen Person und vertreten deren Anliegen.

Wie ernst wird die Grüne Jugend innerhalb der eigenen Partei genommen?
Riedmann: Ich bin sehr zufrieden damit. In Vorarlberg haben wir als Grüne Jugend einen Sitz im Vorstand der Grünen. Es ist gut, dass wir da mitreden können. Auch bundesweit funktioniert es sehr gut. Wir hatten gerade unser Sommercamp und da war beispielsweise Sigrid Maurer (Anm. Grünen-Klubobfrau im Nationalrat) zu Besuch, hat sich einen Abend lang den Fragen gestellt und uns zugehört. Bei unserer Landesversammlung war Eva Hammerer zu Gast. Gerade der Austausch ist sehr wichtig. Man fühlt sich dadurch gehört. Ich habe schon das Gefühl, dass wir gesehen werden.

Vor wenigen Monaten wurde der Aktionsplan gegen Diskriminierung von LGBTIQ*-Personen vorgestellt. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Vor wenigen Monaten wurde der Aktionsplan gegen Diskriminierung von LGBTIQ*-Personen vorgestellt. VLK/Serra

Die Grünen sind sowohl im Land als auch im Bund Teil der Regierung. Ist das ein Extra-Anreiz, sich zu engagieren, weil man die Möglichkeit hat, politische Entscheidungen zu treffen?
Riedmann: Das denke ich auf jeden Fall. Seit die Grünen in der Regierung sind, sind sowohl bundesweit als auch in Vorarl­berg viele wichtige Dinge beschlossen worden. Das beste Beispiel ist das Klimaticket. Dieses ist ein Erfolg der Regierung, der gerade vielen jungen Menschen hilft, die beispielsweise studieren und dadurch Geld sparen können.

Die Situation ist im Bezug auf den Koalitionspartner aber nicht einfach – Stichwort Wirtschaftsbund und ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss.
Riedmann: Ich denke, dass die Regierungsbeteiligung sehr wichtig ist, auch wenn sehr viele Dinge zu langsam passieren. In einer Koalition ist es aber so, dass man Kompromisse eingehen muss. Trotzdem werden viele wichtige Beschlüsse getroffen. In Vorarlberg wurde zum Beispiel erst kürzlich der Aktionsplan gegen Diskriminierung von LGBTIQ*-Personen beschlossen. Das halte ich für sehr wichtig, denn dieser enthält viele gute Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit.

Vorarlberg ist ein seit Jahrzehnten konservativ regiertes Land. Wie schwierig ist es da für eine Partei wie die Grünen?
Riedmann: Ich bin noch nicht so lange in der Politik, dass ich beurteilen könnte, wie es früher war. Aber gerade in meiner Generation beschäftigen viele Themen wie „Fridays For Future“, die Pride oder auch „Black Lives Matter“. Ich habe schon das Gefühl, dass die Grüne Jugend sehr viel Zuspruch hat.

In einer Koaltion muss man auch Kompromisse eingehen, ist Clara Riedmann überzeugt. <span class="copyright">Hartinger</span>
In einer Koaltion muss man auch Kompromisse eingehen, ist Clara Riedmann überzeugt. Hartinger

Wie intensiv ist der Austausch mit den Jugendorganisationen der anderen Parteien?
Riedmann: Es gibt immer wieder Themen, bei denen es zwischen uns Überschneidungen gibt. Wegen des Kriegs in der Ukraine hatten wir gerade erst eine gemeinsame Kundgebung mit den Junos, der Jungen ÖVP und der Jungen Generation der SPÖ. Da haben wir uns bewusst zusammengetan, weil das Thema uns alle über die Fraktionsgrenzen hinweg beschäftigt. Auf diese Weise gibt es immer wieder verschiedene Kooperationen.

Hilft da die Tatsache, dass man der gleichen Generation angehört und sich für die eigene Zukunft einsetzt?
Riedmann: Ich denke schon. Auf jeden Fall sind der Kontakt und der Austausch immer da. Dazu haben wir viele Gemeinsamkeiten, auch wenn es in manchen Bereichen durchaus sehr unterschiedliche Ansichten gibt. So ist nun einmal die Politik, egal ob bei uns Jungen oder bei den Mutterparteien.

Sie sind seit diesem August Landessprecherin der Grünen Jugend. Planen Sie eine politische Karriere?
Riedmann: Ich nehme die Dinge so, wie sie kommen. Ich schließe eine Karriere in der Politik nicht aus, aber ich fixiere mich nicht darauf. Nach der Matura werde ich auf jeden Fall studieren gehen, um auch andere Möglichkeiten zu haben. Allerdings weiß ich auch, dass ich derzeit sehr zufrieden damit bin, wie ich politisch aktiv bin.