Allgemein

Sehnsüchte aus der Werbung

23.09.2022 • 19:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Szenenbild aus "Little Italy"    <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Szenenbild aus "Little Italy" Klaus Hartinger

Am Donnerstag war die Uraufführung von „Little Italy“ von der jungen Autorin Kathi Klein im Theater Kosmos. Regie führte Stephan Kasimir.

Vier Frauen im glitzernden Trainingsanzug kommen auf die Bühne. Mit weißen Sneakers und pinken Perücken verkörpern sie die Touristin Elisa vor einer Skulptur aus Spiegelplatten. Es wirkt, als wäre eine Person viergeteilt oder vier Personen zu einer zusammengesetzt. Sie sprechen, jede nur ein bisschen, aber dafür immer wieder. Abwechselnd beenden sie gegenseitig ihre Sätze und tauschen die Plätze im Kreis. Ein paar Wörter müssen reichen für spontane Eingebungen, die nicht zu Ende gedacht werden, denn schon ist die Nächste dran. Gewürfelte Gedanken werden ins Publikum gereicht. Die Rede ist von Italien, wo „die Sonne immer“ scheint.

Alles für Nichts

Dort am Strand ist die Touristin im Sommer, wo ein Strandverkäufer billigen Ramsch aus China verhökert und Müllmänner im Abfall versinken. Es geht um die Wirklichkeit, um die Wahrnehmung der eigenen Existenz und einer Umwelt, die in einzelne Teile zerlegt und ganz genau betrachtet wird.
Die durchdachten Texte der Autorin Kathi Klein bringen kritische Elemente auf eine subtile und sehr bildhafte Weise zum Ausdruck. Amüsant und individuell wird die Beschäftigung mit der eigenen Person und dessen Umwelt roh wiedergegeben. Eindrückliche Vergleiche regen zum Nachdenken an. Alles geht sehr schnell und erfordert die Wachsamkeit der Zuschauer.
Träume von einem Hund werden abgelöst von italienischem Dialekt und Gesprächsfetzen mit einer Therapeutin. Gesprochen wird von Wänden, die schwitzen, vergoldetem Schleifpapier und Petroleum im Meer. Worte folgen aufeinander und deren Sinn ergibt sich manchmal erst später. Es ist ein erfrischendes Stück, das Zeit braucht, um sich zu entfalten.

Die Stimme aus dem Off<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Stimme aus dem OffKlaus Hartinger

Poetischer Streifzug

„Little Italy“ lebt von Sprachspielereien mit ausholenden Sätzen, die alle Details am Weg berücksichtigen und nie zu Ende kommen. Es gibt eine Tiefgründigkeit, in der Probleme der Umweltverschmutzung und des Konsums hervorragend in kleinen bildhaften Häppchen reflektiert werden. „Der Kopf der Touris­tin liegt im Teller“, während sie verschmiert von der Bolognese-Sauce, vom gleißenden Licht eines Scheinwerfers angeleuchtet wird. Müllberge türmen sich am Strand. „Jedes Jahr verschwindet eine Insel.“ Die Touristin sehnt sich in die Ferne.
Zwischendurch geht der Strom aus, gefolgt von kurzen Jingles aus elektronischer Musik, die fast zu häufig zum Einsatz kommen. Eine Stimme aus dem Off beschreibt die Szenarien und überblickt das Geschehen im touristischen Palermo.

Die Frauen tanzen vor der spiegelnden Skulptur im Hintergrund zu italienischer Popmusik und posieren mit Sonnenbrillen für Fotos. Trotz der ähnlichen Kostüme (Caro Stark) werden die unterschiedlichen Figuren in der Inszenierung von Kaija Ledergerber, Laura Dittmann, Maria Strauss und Simone Loser sehr individuell und fassbar dargestellt. Vor allem Simone Loser überzeugt mit einer starken Bühnenpräsenz in der Darstellung des Strandverkäufers.


Weitere Vorstellungen: heute; 29. und 30. September; 1. und 6. bis 8. Oktober im Theater Kosmos.