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Urige Seilbahn mit bewegter Geschichte

24.09.2022 • 20:43 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Marcus Naumann ist Betriebsleiter bei der Seilbahn Schnifis. <span class="copyright">Hartinger</span>
Marcus Naumann ist Betriebsleiter bei der Seilbahn Schnifis. Hartinger

Nach dem 60-Jahr-Jubiläum 2021 folgte heuer eine Herausforderung für die Verantwortlichen der Schnifner Seilbahn.

Acht Minuten dauert die Fahrt mit der Seilbahn von Schnifis aus zum Hensler auf 1334 Meter Seehöhe. In einer kleinen Kabine mit fünf Sitzplätzen geht es über Bergwiesen, Waldstücke und Wanderwege hinweg in Richtung Bergstation. Dort gibt es nicht nur eine Einkehrmöglichkeit im Henslerstüble, sondern die Station ist auch der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen etwa auf den Hochgerach. Oder Sportler nutzen die steilen Alpwiesen, um mit dem Paragleiter in Richtung Tal zu fliegen. Im heurigen Frühjahr wäre es jedoch beinahe so weit gewesen, dass das urige Schnifner Bähnle seine letzte Fahrt getätigt hätte.

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Hartinger (3)

Im Zuge einer Routineüberprüfung wurde am 17. März festgestellt, dass die Tragseile nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben entsprachen, erläutert Betriebsleiter Marcus Naumann: „Wir haben dann den Betrieb sofort eingestellt.“ Der Raggaler, der Seilbahnmanagement studiert hat, machte sich sofort daran, sich einen ersten Überblick darüber zu verschaffen, welcher Aufwand mit dem Austausch der Tragseile verbunden wäre. Bei einer Sitzung der Seilweggenossenschaft Schnifis-Schnifisberg, welche die Bahn betreibt, konnte er schon eine erste Schätzung präsentieren. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei klar der Wille zum Ausdruck gekommen, die Seilbahn weiter zu betreiben. Allerdings stellte sich die Frage, wie die Kosten dafür bewältigt werden sollen.

Finanzierung

Einen Monat später lag dann ein konkreter Plan für den Neustart vor. Etwa 200.000 Euro sollten der Austausch der Seile sowie die Erneuerung weiterer technischer Anlagen kosten. Das Land, die Gemeinden der Region Dreiklang (Schnifis, Düns und Dünserberg) sowie die Seilweggenossenschaft waren bereit, den Großteil der Kosten zu tragen. Als vierte Säule hofften die Seilbahnbetreiber auf die Unterstützung der Öffentlichkeit. Schon 2003 war ein Unterstützungsverein für das Bähnle gegründet worden. Dessen Verantwortliche hatten ebenfalls signalisiert, einen Beitrag für die Finanzierung leisten zu wollen.

Zudem wurde über die Plattform „Mit.Einander.at“ der Vorarlberger Raiffeisenbanken eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Knapp 33.000 Euro wurden darüber eingenommen. Allein in den ersten zwei Wochen der Kampagne kamen 20.000 Euro zusammen. „Mit solch einem Zuspruch haben wir nicht gerechnet“, sagt Naumann. Doch nicht nur im Rahmen der Crowdfunding-Aktion wurde deutlich, welche Bedeutung die Bahn für die Menschen in der Region hat. Denn durch einen glücklichen Zufall, wie der Betriebsleiter es nennt, gingen am ersten Juli-Wochenende die Landes-Feuerwehrleistungsbewerbe in Schnifis über die Bühne. Beim dazugehörigen Fest waren die Seilbahnverantwortlichen natürlich mit einem Stand vertreten. Auch hier gab es viel Unterstützung für den Erhalt der Bahn.

Im Tal kümmert sich Toni um das Wohl der Fahrgäste... <span class="copyright">Hartinger (4)</span><span class="copyright">.</span><span class="copyright"></span>
Im Tal kümmert sich Toni um das Wohl der Fahrgäste... Hartinger (4).

Seit Anfang September ist das Bähnle nun wieder in Betrieb. Die 22 Millimeter starken Tragseile wurden bei der Schweizer Fatzer AG in Romanshorn speziell für die Schnifner Seilbahn gefertigt. Wie Naumann erklärt, hat die Bahn eine „schräge Länge“ von 1750 Metern. Die beiden Tragseile kommen somit auf eine Gesamtlänge von etwa 3,8 Kilometern. Jedes davon wiegt etwa fünf Tonnen. Mit den neuen Seilen und weiteren Modernisierungen ist die Seilbahn gut für die Zukunft gerüstet, sind die Betreiber überzeugt. „Unsere elektronische Steuerung ist moderner als bei manch anderer Bahn im Land“, berichtet der Betriebsleiter stolz. Erst heuer wurde die detaillierte TÜV-Überprüfung, die laut Gesetz alle fünf Jahre vorgenommen werden muss, ohne Mängel überstanden. Bis 2032 ist die Betriebsbewilligung noch gültig.

Im Henslerstüble bietet sich eine Einkehrmöglichkeit. Die Verantwortlichen der Bahn setzen auf regionale Produkte. <span class="copyright">Hartinger (4)</span>
Im Henslerstüble bietet sich eine Einkehrmöglichkeit. Die Verantwortlichen der Bahn setzen auf regionale Produkte. Hartinger (4)

Dennoch machen sich die Verantwortlichen bereits Gedanken über die Zukunft. So steht auch ein möglicher Neubau der über 60 Jahre alten Bahn im Raum, um die Kapazität zu erhöhen. Statt der kleinen Kabinen mit fünf Sitzplätzen könnte es dann etwa größere Gondeln mit bis zu zehn Plätzen geben. Auch ein Zwischenstopp könnte eingebaut werden, um den Dünserberger Ortsteil Bassig mit der Seilbahn erreichbar zu machen.

Regional

Die große Frage ist jedoch, wie ein Neubau finanziert werden könnte. Für die Dreiklang-Gemeinden allein wäre dieser wohl nicht zu stemmen. Denkbar wäre eine Finanzierung mit Unterstützung der Gemeinden im Walgau, wie dies schon bei anderen Projekten der Fall ist. Denn die Bahn ist für die Talschaft durchaus von Bedeutung. „Immerhin 45 Prozent unserer Fahrgäste stammen aus der Region“, merkt der Betriebsleiter an. Zugleich legen die Seilbahnverantwortlichen Wert darauf, auch etwas zurückzugeben. So werden etwa im Henslerstüble zu 90 Prozent regionale Produkte verwendet. „Es ist ein Geben und Nehmen“, ist Naumann überzeugt. Bezüglich des möglichen Neubaus der Seilbahn bleibt er gelassen. „Wir haben da keinen Stress“, sagt er. Denn mit der erfolgreichen Erneuerung der Tragseile und den Modernisierungen ist die Zukunft der Bahn nun gesichert.

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