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Tirol-Wahl: ÖVP fällt um zehn Prozent

25.09.2022 • 17:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
ÖVP-Spitzenkandidat Anton Mattle verteidigt wohl unhaltbare 44,3 Prozent
ÖVP-Spitzenkandidat Anton Mattle verteidigt wohl unhaltbare 44,3 Prozent APA/EXPA/JOHANN GRODER

Volkspartei stürzt in Tirol weniger stark ab, als befürchtet.

Die Tiroler Landtagswahl bringt der ÖVP das historisch bei Weitem schlechteste Ergebnis: Laut der ersten Hochrechnung fällt die Volkspartei auf 34,5 Prozent. Dahinter liegt die FPÖ mit 18,9 Prozent haarscharf vor der SPÖ mit 18,6 Prozent. Das Rennen um den zweiten Platz ist aber noch nicht entschieden, die Schwankungsbreite beträgt um 17:36 Uhr noch 2 Prozent.

Auch der bisherige Koalitionspartner der ÖVP dürfte abgestraft worden sein: Die Grünen erhielten laut der ersten Hochrechnung 8,8 Prozent der abgegeben Stimmen, 1,8 Prozentpunkte weniger als noch 2018. Am meisten gewinnen konnte die Liste Fritz, die auf 10 Prozent wächst. Neos müssen mit einem vorläufigen Ergebnis von 6,1 Prozent noch um den Einzug in den Landtag zitter, die impfkritische MFG dürfte die 5-Prozent-Hürde mit 2,6 Prozent klar verfehlt haben.

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535.112 Menschen waren heute in Tirol zur Wahl des 36-köpfigen Landtages aufgerufen. Die letzten Wahllokale schlossen um 17.00 Uhr, in Osttirol wurde die letzte Stimme bereits um 16 Uhr abgegeben. Das vorläufige Endergebnis dürfte um 19 Uhr eintreffen.

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Die ersten Hochrechnungen knapp nach 17 Uhr weisen noch eine große Schwankungsbreite auf, da Ergebnisse aus Innsbruck werden erst spät kommen, erklärt SORA-Chef Christoph Hofinger im ORF. Die Landeshauptstadt habe eine “eigene politische Landschaft” und könnte daher die Werte im ganzen Bundesland noch entscheidend ändern.

Im Zentrum der Wahl stand die Frage, wie stark die bisher vorherrschende ÖVP unter ihrem neuen Spitzenkandidaten Anton Mattle abstürzen würde. Bei der letzten Wahl 2018 hatte Günther Platter im Windschatten Sebastian Kurz’ auf 44,3 Prozent zugelegt. Diesmal kam der Wind aus Wien eher in die Gegenrichtung. So ist das historisch schlechteste Ergebnis heute ein Erfolg: In Umfragen wurde die Volkspartei teils klar unter 30 Prozent gesehen, noch am Sonntag hatte ÖVP-Chef Mattle auf einen “guten Dreier” gehofft.

Die ÖVP-Tirol zwischen Frust und Jubel
Die ÖVP-Tirol zwischen Frust und JubelAPA

Obwohl man in der Volkspartei über einen Verlust von fast zehn Prozentpunkten nicht jubeln kann, wird die Partei mit dem Ergebnis gut leben können. Denn mit über einem guten Drittel der Stimmen kann sich ÖVP-Chef Mattle nun seinen Koalitionspartner zwischen SPÖ und FPÖ aussuchen. Ein Szenario, das so im Vorfeld nicht alle Umfragen vorhergesehen hatten.

Enger Kampf um den symbolischen zweiten Platz

Hinter der Volkspartei ging es für SPÖ und FPÖ um den Kampf um den zweiten Platz – und um die Regierungsbeteiligung: FPÖ-Chef Markus Abwerzger stellte im Vorfeld den Anspruch, selbst Landeshauptmann zu werden, die Freiheitlichen freuten sich auf das historisch beste Ergebnis in Tirol. Den zweiten Platz der ersten Hochrechnungen zu halten, wäre für die FPÖ symbolisch wertvoll. Tatsächlich politisch verwertbar ist aber die Tatsache, dass sich eine schwarz-blaue Koalition ausgehen würde.

Mit dem dritten Platz kann die SPÖ in Tirol nicht zufrieden sein
Mit dem dritten Platz kann die SPÖ in Tirol nicht zufrieden seinAPA

Die SPÖ unter der Führung von Georg Dornauer hatte auf mindestens 20 Prozent gehofft und wollte zweitstärkste Kraft bleiben. Beide Ziele dürften, Stand jetzt, verfehlt worden sein. Dass sich aber eine schwarz-rote Mehrheit ausgehen dürfte, wird in der SPÖ wohl positiv entgegengenommen. Immerhin machte Dornauer im Wahlkampf keinen Hehl daraus, zu zweit mit der ÖVP regieren zu wollen.

Alle drei großen Parteien würden Zweierkoalitionen bevorzugen. Somit dürften die bisher mitregierenden Grünen bei Koalitionsverhandlungen leer ausgehen. Auch Neos und die stark zulegende Liste Fritz bräuchten ein (sehr unwahrscheinliches) Bündnis aus drei bis vier Parteien, um in die Regierung zu kommen. Anders als Grüne und Neos fühlt sich die Liste Fritz in der Oppositionsrolle aber ohnehin wohl.

Bundespolitischer Stimmungstest

Die KPÖ kandidierte in der Landeshauptstadt Innsbruck und in Innsbruck-Land und erzielte laut der ersten Hochrechnung 0,3 Prozent. Die Gruppierung “mach mit– Die Liste für alle anderen” trat nur in Innsbruck-Land an und versammelte sich laut der aktuellen Hochrechnung 0,1 Prozent der Stimmen hinter sich.

Politikwissenschafter Peter Filzmaier ließ vor der Wahl abfragen, welche Themen von den Tiroler Wahlberechtigten sehr häufig diskutiert wurden. “Da gibt es einen ganz klaren Spitzenreiter, das ist das Thema Teuerung”, sagt Filzmaier im ORF: Mehr als 54 Prozent der Befragten gaben an, im Wahlkampf sehr häufig über “Inflation und steigende Preise” diskutiert zu haben. Über ein Drittel haben häufig über leistbares Wohnen sowie die Sicherung der Energieversorgung gesprochen.

Alle drei Themen sind bundes-, wenn nicht sogar europapolitisch. Auch deshalb gilt die Tiroler Wahl als wichtiger bundespolitischer Stimmungstest. Am 9. Oktober folgt dann mit der Bundespräsidentenwahl ein bundesweiter Urnengang. Im kommenden Jahr wählen Niederösterreich, Salzburg und Kärnten ihre Landtage neu.

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