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Internationale Kunst im Kosmos Atelier

29.09.2022 • 19:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Thomas Bo Henriksson im Kosmos Atelier   <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Thomas Bo Henriksson im Kosmos Atelier Sieglinde Wöhrer

Mit Thomas Bo Henrikssons Ausstellung „30 Jahre Malerei“ wird das internationale Programm des Kosmos Ateliers eröffnet.

Wenn der schwedische Künstler Thomas Bo Henriksson malt, weiß er selbst nicht, was es am Ende wird und wie es aussehen soll. Er lässt sich treiben über die Grenzen seiner Vorstellungen hinweg. Seine Kunst ist nicht planbar, sondern entsteht ganz aus dem Zufall. Er malt oft das Gleiche in verschiedenen Größen und unterschiedlichen Farben, und trotzdem ist jedes Bild anders. Als Singularitäten beschreibt Henriksson die Bilder.

Ölfarbe zum Anfassen

Sie sehen aus wie Raster. Zwischen den Kästchen ist die Farbe verschwommen, an den Linien tritt die Farbe aus dem Bild heraus. Der Künstler wollte die Ölfarbe fühlen: „Für mich war es immer wichtig, dass Bilder physisch waren, dass man die Ölfarbe anfassen konnte.“ Was die Bilder bedeuten und was sie sind, sei nicht das Gleiche.
Es könnten Gebäude sein oder Fenster, und gleichzeitig ist es abstrakt, auch wenn in den Bildern etwas Gegenständliches liegt. Die Gemälde sind durchzogen von verschiedenen Ebenen und der reliefartigen Struktur der Farbe, die sich in Schemen über das Bild verteilt.

Internationale Werke

Seit dem Jahr 2020 gibt es im Gebäude neben dem Theater Kosmos nun das Kosmos-Atelier, welches durch die Unterstützung der Rhomberg Gruppe realisiert werden konnte. Im oberen Stock hat der Maler Lorenz Helfer sein Atelier eingerichtet. In den Räumlichkeiten unten will man unterschiedliche Kunstsparten abbilden.
Mit dem Kurator Linus Barta, der selbst auch als Künstler tätig ist, wurde das Konzept nun begonnen. Mithilfe seiner ­Künstlerkontakte will er den Raum mit abwechslungsreichen und internationalen Werken füllen.
Drei bis vier Ausstellungen sollen ab diesen Herbst im Kosmos-Atelier gezeigt werden, wobei Barta eine möglichst große Bandbreite unterschiedlicher Medien präsentieren möchte.

Maschinenbild aus Studienzeiten.   <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Maschinenbild aus Studienzeiten. Sieglinde Wöhrer

Maschinenbilder

30 Jahre Malerei“ heißt die Ausstellung von Henriksson, und 30 Jahre liegen zwischen den Bildern des Künstlers, die er in unterschiedlichen Schaffensperioden anfertigte und die den Übergang von gegenständlicher Malerei zum Abstrakten widerspiegeln. Darunter findet sich auch ein Bild von Maschinen in der Industrie aus Henrikssons Studienzeiten. Früher habe er sehr viele solche Bilder gemalt, erklärt der Künstler. „Die Technik sieht man nicht oft“, dennoch sei sie wichtig für die Welt und wecke bei Betrachtern unterschiedliche Emotionen.
Inzwischen ist viel Zeit vergangen, Henriksson hat in New York gelebt und ist nach Berlin gezogen. Sieben Wochen hat er im Koma verbracht, nachdem sein Atelier abgebrannt war. Auch den Tod seiner Katze musste er verkraften, Dinge, die einen Maler verändern.


Henrikssons Werke im Kosmos Atelier.  <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Henrikssons Werke im Kosmos Atelier. Sieglinde Wöhrer

Lebendiges Material

Danach hat sich Henriksson vom Figurativen gelöst und erschaffte mit einer speziellen Impasto-Technik abstrakte Gemälde. Mit der Spachtel bringt er die Farbe auf die Leinwand und lässt sie dort reifen, die Ölfarbe arbeitet über die Jahre und „lebt“. Mit dem Material verändern sich auch die Bilder. Aber das könne man nur sehen, wenn man die Bilder sehr genau und immer wieder betrachte, beschreibt der Künstler. „Das Wichtigste als Maler ist, Starren zu lieben.“ Und Zeit sei die einzige Sache, „die mir erzählen kann, falls ein Bild ein Ausdruck oder Gefühl hat, das wichtig ist“, sagt Henriksson.
Die Bilder seien dem Künstler sehr wichtig: „Nach dem Feuer war Malerei alles für mich“, und „Ich hab besser gemalt, als ich je vorher gemalt hab, auch wenn ich davor nicht ganz schlecht gemalt hab.“


30 Jahre Malerei: bis 11. November.

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