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Der Goldene Henkel des Mondes

30.09.2022 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Goldene Henkel des Mondes
Das Licht der aufgehenden Sonne strahlt das Juragebirge an, während im Tal noch Dunkelheit herrscht. Seeberger

Kommenden Mittwoch fällt Sonnenlicht auf Juragebirge am Mond. Wie Henkel hebt sich Lichtbogen vom schwarzen Kraterboden ab.

Hobbyastronomen können auf dem Mond wundervolle Phänomene beobachten. Mit bloßen Augen erkennt man die täglich wechselnden Mondphasen. Im Zeitraum von zwei Wochen nimmt der beleuchtete Teil des Mondes stetig zu.

Bei Vollmond vermitteln dunkle und helle Gebiete die Illusion des Mondgesichts. Im Fernglas erscheint der Mond um Klassen schöner. Er wirkt plastisch und dreidimensional. Dem Reiz der vielen Details aus Kratern, Gebirgswällen und flachen Gegenden kann sich kaum jemand entziehen.

Die “Meere” des Mondes

Die ersten Fernrohrbeobachter des Mondes glaubten in den dunklen Flächen Meere zu erkennen. Mittlerweile wurde in tiefen Mondkratern Wasser nachgewiesen. Die vor 400 Jahren so bezeichneten Meere sind jedoch staubtrocken und das Ergebnis großer Meteoriteneinschläge. Die Ebenen erhielten phantasievolle Namen wie Meer der Ruhe, der Kälte, der Heiterkeit, der Gefahren und der Fruchtbarkeit. Manche Zeitgenossen machen den Mond für unsere Stimmungen verantwortlich. Diese Ansicht war in früheren Jahrhunderten verbreitet und so erhielten die Meere ihre stimmungsvollen Bezeichnungen. In der kommenden Woche empfiehlt es sich, das Regenmeer und die daran angrenzende Regenbogenbucht aufmerksam zu betrachten.

Der beste Zeitpunkt

Fotografen stehen für perfekte Bilder früh auf oder nutzen die flach einfallenden Lichtstrahlen kurz vor Sonnenuntergang. Bei tief stehender Sonne werfen auch kleinste Objekte schöne, lange Schatten und die Welt sieht plastischer aus. Bei zunehmendem Mond geht die Sonne an der Licht-Schatten-Grenze, dem sogenannten Terminator, auf. Genau auf dieser Linie kann man die meisten Details erkennen. An der Grenze zwischen dem hellen und dem dunklen Teil des Mondes werfen kleinste Un­ebenheiten, Krater und Gebirgszüge lange, dunkle Schatten. Innerhalb von zwei Wochen wird jeder Punkt des Mondes auf diese Art hervorgehoben. Von Neumond bis zum Vollmond wird jeden Abend ein anderer Streifen optimal sichtbar.

Der Goldene Henkel

Kommenden Mittwoch verläuft der Terminator durch die Regenbogenbucht, die am Rande des Regenmeeres liegt. Das Juragebirge zieht einen großen Bogen über gut 400 Kilometer am Rande der Regenbogenbucht. Die Bergspitzen und der Kamm des Gebirges erheben sich einige Kilometer. Das Licht der aufgehenden Sonne strahlt das Juragebirge an, während im Tal noch Dunkelheit herrscht. Von der Erde aus betrachtet hebt sich der Jurabogen wie ein gelber Henkel vom tiefschwarzen Boden der Regenbogenbucht ab. Weil das Phänomen so schön ist, hat man es „Goldener Henkel des Mondes“ genannt. Diese Besonderheit ist am Mittwoch gleich nach Mondaufgang von 17.30 Uhr circa eine Stunde zu sehen. Später treffen die Sonnenstrahlen auf den Talboden und der Henkel verschwindet. Das Phänomen ist im Fernglas zu sehen und tief beeindruckend für Teleskopbeobachter.

Buchstabe X ist zu sehen

Die Berge und Krater des Mondes sorgen für weitere Lichteffekte. Die Mondkrater Hesiod und Pitatus sind durch einen Gebirgswall verbunden. Durch eine Lücke im Wall fällt ein Lichtstrahl auf den dunklen Kraterboden des Hesiod. An einem anderen Ort werden Gebirgswälle so beleuchtet, dass wir für einige Zeit ein X sehen.

Robert Seeberger

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