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Keramiken, gefundene Bohrkerne und die Landkarte von Rom

30.09.2022 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Gestern eröffnete das Künstlerhaus Bregenz die Schau des Bildhauers Martin Chramosta, der in medienübergreifenden Arbeiten künstlichen Landschaften reflektiert.

Martin Chramosta und ein Werk seiner Keramikserie  <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Martin Chramosta und ein Werk seiner Keramikserie Sieglinde Wöhrer

Ein Jahr war der Bildhauer und Maler Martin Chramosta in Rom, um sich mit künstlichen Landschaften auseinanderzusetzen. Nun ist er wieder zurück und präsentiert im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz seine Ausstellung „Miraggio“ (auf Deutsch Trugbild), in der er die gesammelten Eindrücke in plastischen Werken und Videos verarbeitet hat.

Architektonische Formen

Über zwei Stockwerke hat er seine Werkserien aus Keramik und Metall verteilt und eröffnet dabei sehr unterschiedliche Zugänge, wie Einflüsse von Orten und Materialien aus der Landschaft bildhauerisch verwertet werden können, wobei auch Elemente der Baukunst in die Arbeiten einfließen.
Der Künstler selbst begreift architektonische Landschaften als Theaterkulissen, künstliche Landschaften sind für ihn hybrid. Natur und Gebäude greifen ineinander über, wie er am Beispiel der künstlichen Felsen des Zoos in Rom in einer Videoarbeit verdeutlicht. Im ersten Stock ragen Bohrkerne aus Stein und Ziegel als Fundobjekte wie Ruinen aus dem Boden hervor. An den Wänden hängt eine Serie von Keramiken, die an römische Fassaden angelehnt sind und zeigen, wie sich die Bauten idyllisch in die Landschaft eingliedern.
Fein moduliert hat Chramosta kleine Details, geometrische Formen und Naturelemente wie Pflanzen, Gräser oder Felsen in die fließenden Bilder des rohgebrannten Tons eingearbeitet. Es seien alles Fantasielandschaften, sagt er, dennoch könne man als Betrachter reale Elemente und Architekturstile erkennen.

Bücher aus Metall

Ganz anders gestaltet sind seine Konstruktionen aus Metall, die an Tore und Zäune erinnern, geometrische Formen beinhalten und teilweise wie Chramosta erklärt, in den Umrissen der Landkarte von Rom geformt sind. Neben Werken mit figurativen Elementen hat der Künstler im Obergeschoss sehr abstrakte Formen in Metallrahmen eingearbeitet, die sich wie ein Buch aufklappen lassen. Dem Künstler ist es in seinem Schaffen wichtig, dass Werke offen sind und Raum lassen für freie Interpretationen, aber auch eigene Assoziationen ermöglichen, obwohl er oft Motive wie beispielsweise Tiere oder Schlangenformen verwendet, die einen einfachen Zugang bieten.

Werke aus Metall im Obergeschoss vom Künstlerhaus
Werke aus Metall im Obergeschoss vom Künstlerhaus


Chramosta geht mit einer sehr praktischen und auch ökonomischen Haltung an seine Arbeiten heran, überlegt, wo man seine Werke in der Öffentlichkeit platzieren könnte, und denkt dabei etwa an eine Schule oder einen Gemeindebau. Einen Großteil des von ihm verwendeten Metalls sind übriggebliebene Elemente, die er auf Baustellen zusammengesammelt hat. Er möchte nicht wie manche anderen Künstler riesige Skulpturen aus teurem Material anfertigen lassen, sondern findet es spannender, Material für seine Kunst zu verwenden, das schon da ist.

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