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Studium: Wenn ein neues Kapitel beginnt

30.09.2022 • 22:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
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Im Audimax der Universität Wien werden neue Gesichter zu sehen sein.Symbolbild/APA

Heute beginnt das Semester an vielen Österreichischen Universitäten. Für den reibungslosen Start hat die NEUE Tipps für Erstsemestrige zusammengefasst.

Mit dem Semesterstart kommt Neues auf Studienbeginner zu. Der Paradigmenwechsel vom Schulunterricht zum Studienalltag und der Schritt zur Selbstständigkeit stelle eine große Umstellung dar, sagt der Leiter der Psychologischen Studierendenberatung Innsbruck Christian Schöpf. Das Studium bringe neue Lernstrategien und die Pflicht zur Einhaltung von Fristen mit sich, so der 61-Jährige.
Auch Selbstzweifel seien ein Thema. So geht es auch Sarah Neville, die am Montag das Informatikstudium an der FHV beginnt. „Mich macht das Unwissen bezüglich Abläufen, Lernaufwand und ob ich es schaffe, nervös“, so die 34-Jährige. Schöpf spricht vom zweischneidigen Schwert, dass neben dem Klischee von vielen Partys auch Leistungsdruck herrsche. Folgende Tipps sollen den Studienstart erleichtern.

1. Welches ist das richtige Studium?
Punkt bei der Studienwahl ist nach Schöpf der Berufsbezug. Ein Studienanfänger solle berücksichtigen, ob ihn nicht nur der Studieninhalt interessiert, sondern auch das Ausüben eines Berufes in diesem Feld Spaß machen würde. Für die Wahl soll sich Zeit genommen und Interessen berücksichtigt werden. Nicht immer ist die erste Wahl die richtige Wahl. Zweifel am Studienfach sollen nicht als Scheitern gesehen werden sondern als Wechsel, so Schöpf. Manche würden sich schämen und schnell zu einem leichten Studium wechseln. Jedoch sei es wichtig, sich dann Zeit für die Wahl zu nehmen.

2. Was ist bei der WG-Suche wichtig?

Für Studierende in einer neuen Stadt bietet sich eine Wohngemeinschaft oder ein Zimmer im Studentenwohnheim an. Anzeigen sind etwa über das Schwarze Brett der ÖH, dem Anbieter „WG-Gesucht“ oder Facebookgruppen zu finden. Bei WGs gibt es oft Castings. Bei diesen ist es laut Schöpf wichtig, bei sich selbst zu bleiben und sich nicht zu sehr anzupassen. Ein Wohnungssuchender soll sich nicht verstellen aufgrund der Angst, eine Zimmer nicht zu bekommen. Es sollen dabei Regelungen des Putzdienstes und Konfliktlösungsstrategien erfragt werden. Auch ob es sich um eine Zweckgemeinschaft oder einen familiären Kontakt handelt.

3. Wo finde ich Infos und Beratung?

Wer aus den Studienplänen, Plattformen wie Moodle oder der Website nicht schlau wird, kann persönliche Beratung suchen. An mehreren Fakultäten wird ein Buddy- und Mentoringprogramm angeboten. Buddys sind Studierende, die bei Fragen zur Verfügung stehen und Tipps geben. Mentoren sind Lehrende, die bei Problemen kontaktiert werden können. Zu Beginn des Semesters gibt es meist Orientierungsveranstaltungen, wie die „Einführungswoche“ an der Med Uni Graz, „Informiert ins Studium“ an der Universität Innsbruck und die „Welcome Days“ an der WU. Die zentrale Studienberatung oder auch die Beratungsstelle der ÖH ist für allgemeine Fragen da, wie unter anderem zu den Themen Förderungen, Stipendien oder Rechtsberatung. Die psychologische Studierendenberatung hilft bei persönlichen Problemen, Stress oder Prüfungsangst. Studierende in Vorarlberg können die anonyme Chatberatung in Anspruch nehmen, weil es keine Stelle im Land gibt. Facebookgruppen eignen sich für die Suche nach Mitschriften oder den Austausch von Erfahrungen. Wie etwa, für welche Vorlesungen der Kauf der Pflichtlektüre notwendig ist.


4. Wie organisiere ich mein Studium?
Die Umstellung von der Schule zur Hochschule ist die Selbstorganisation. Erstsemestrige sollen sich laut der ÖH Vorarlberg schon vor dem Studienbeginn Gedanken zum Zeitmanagement auch in Verbindung mit Beruf und Familie machen. Dazu gehören teilweise auch Themen wie die Betreuung der Kinder. Wichtig ist es, Struktur zu schaffen und Fristen für die Einzahlung des Studienbeitrags und des ÖH-Beitrags, Anmeldung für Prüfungen und Seminare im Kopf zu haben. Fristen variieren je nach Studiengang und Hochschule. Während die Zulassungsfrist an manchen Unis erst Ende Oktober ist, ist die Frist an anderen Hochschulen schon abgelaufen. Für Anmeldungen von Prüfungen und Übungen gibt es diverse Systeme – etwa First Come First Served oder ein Punktekonto. Wichtig sei es, bei Unwissen Fragen zu stellen und nichts aufzuschieben, so Schöpf

5. Wie lerne ich auf Prüfungen?
Die Lernart unterscheidet sich je nach Studienrichtung. Während in Jus eher das Auswendiglernen gefragt sei, gehe es in Psychologie um das Verschaffen eines Überblicks, so Schöpf. Er rät Studierenden, den Arbeitsplatz zu gestalten und diesen vom Schlafplatz zu trennen. Dafür eigenen sich Bibliotheken und Studierendenräume. Der erste Schritt sei, das Handy außerhalb des Sichtfeldes aufzubewahren. Auch Struktur und das Zeitmanagement ist essentiell. Nach Schöpf eignen sich maximal eineinhalb Stunden Lernzeit, auf die eine halbstündige Pause folgt. Der Erfolg solle nicht an der bewältigten Stoffmenge gemessen werden, da im Studium nicht der komplette Stoff beherrscht werden kann. Stattdessen ist die Lernzeit das Maß.

6. Wie gehe ich mit Angst, Druck um?
Bei Prüfungsangst ist der erste Schritt, diese zuzulassen anstatt sie zu bekämpfen. Eine wichtige Frage ist laut Schöpf: Wovor habe ich Angst? Dies gebe Sicherheit, wenn ein Studierender realisiere, dass mögliche Konsequenzen nicht schlimm wären.

7. Wie knüpfe ich neue Kontakte?
Für das Kennenlernen eignen sich Orientierungsveranstaltungen und USI-Sportkurse. Schöpf empfiehlt Bibliotheken. Es sei zwar Reden nicht erlaubt, jedoch halten sich dort viele Studierende für das Lernen auf. Er empfiehlt, sich zu trauen, andere in Vorlesungen anzusprechen und Kontakte zu pflegen. Gruppenarbeiten oder das Bilden von Lerngruppen ist ein Grundstein für neue Kontakte. Diese sind nützlich für den Austausch.

Ansprechpartner

Allgemeine Beratung zum Thema Recht (Studien-, Wohnrecht), Förderungen, Sozialberatung, Stipendien, Wohnbeihilfe und Ähnliches: www.oeh.ac.at

Psychologische Unterstützung: www.studentenberatung.at

Beratung/Hilfe/Vermittlung für Studierende und Studieninteressierte: www.hochschulombudsstelle.at

Tobias Gorbach, FH Vorarlberg:
Ich rate Erstsemestrigen, dass sie immer am Stoff dran bleiben sollen. Es ist wichtig, ständig konsequent mitzulernen, sonst wird es irgendwann zu viel und man schafft die Prüfung nicht.

Tobias Gorbach studiert Mechatronik an der FHV. <span class="copyright">Schwärzler</span>
Tobias Gorbach studiert Mechatronik an der FHV. Schwärzler

Nathalie Kröll, FH Vorarlberg:
Es ist vorallem das Zeitmanagement und das Schaffen von Struktur wichtig. Man soll sich die Zeit gut einteilen, damit nicht irgendwann der Workload zu groß wird. Dann ist es nicht so stressig.

Nathalie Kröll studiert Soziale Arbeit an der FHV. <span class="copyright">Schwärzler</span>
Nathalie Kröll studiert Soziale Arbeit an der FHV. Schwärzler

Benjamin Keckeis, FH Vorarlberg:
Ich rate Erstsemestrigen, mit Studierenden aus höheren Semestern Kontakt zu knüpfen. Denn die wissen, auf was es bei den Labors, Prüfungen und Abgaben ankommt.

Benjamin Keckeis studiert Mechatronik an der FHV. <span class="copyright">Schwärzler</span>
Benjamin Keckeis studiert Mechatronik an der FHV. Schwärzler

Florian Nick, FH Vorarlberg:
Das Zeitmanagement ist wichtig. Man soll nicht versuchen, etwas aufzuschieben, damit kein Stress entsteht. Von älteren Semestern soll man sich nicht von Erzählungen verrückt machen lassen.

Florian Nick studiert soziale Arbeit an der FHV. <span class="copyright">Schwärzler</span>
Florian Nick studiert soziale Arbeit an der FHV. Schwärzler

Lena Schwärzler, Universität Innsbruck:
Zu Beginn ist es wichtig, alle von der Uni angebotenen Aktivitäten in der Orientierungsphase wahrzunehmen, um mehr Studierende zu treffen. Das Soziale ist wichtig in einer neuen Stadt.

Lena Schwärzler studiert Psychologie. <span class="copyright">Schwärzler</span>
Lena Schwärzler studiert Psychologie. Schwärzler

Doris Rhomberg, Technische Universität Wien:
Wichtig ist es, Kontakte zu knüpfen. Die findet man auf Partys, im Hörsaal oder in der Mensa. Der fordernde Beginn wird mit Unterstützung anderer einfacher.

Doris Rhomberg studiert im Master an der TU Wien. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Doris Rhomberg studiert im Master an der TU Wien. Rhomberg

Marina Nagele, Comenius Universität Bratislava:
Ich rate Erstsemestrigen, sich nicht nur auf die Bücher zu stürzen, sondern auch zum Fortgehen zuzusagen. Kontakte sind wichtig. Auch soll man rausfinden, welcher Lerntyp man ist.

Studium: Wenn ein neues Kapitel beginnt
Marina Nagele studiert Medizin.Nagele

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