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Wandertipp: „Alpgang“ zur Mittagsfluh in Au

30.09.2022 • 20:42 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Hertha Glück und Gerhard Vylet machen eine Rundwanderung.<span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Hertha Glück und Gerhard Vylet machen eine Rundwanderung.Gerhard Vylet

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern ab der Kuratienkirche Au-Rehmen durchs Bergbigenvorsäß bis zur Mittagsfluh und durch Berngat zurück.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Kulturgeschichte, Naturschönheit und überraschende Ausblicke sorgen für Abwechslung und lassen einen, die teils steilen Passagen, leichter meistern.

Anforderung und Gehzeit: Es sind circa 12 Kilometer mit 880 Höhenmetern im Auf und Ab. Ungefähr fünf Stunden Gehzeit. Für den Aussichtspunkt Liegstein ist Trittsicher- und Schwindelfreiheit erforderlich.

Charakter der Wege: Forst-, Wiesen- und Waldwege, Straße

Kultur und Natur: Kuratienkirche Rehmen, Themenweg «alpgang», Rehmerbach und Wicka (Biotop 20322), Berbigenvorsäß (Biotop 20316), Großraumbiotop Mittagsfluh (Biotop 20315)

Anziehen und Mitnehmen: Wanderkleidung, Schuhe je nach Witterung, Getränk und Jause, eventuell Wanderstöcke

Einkehrmöglichkeiten: Au

Start und Ende: Kuratienkirche in Au-Rehmen, Bregenzerwald

Ziel der Route in Au im Bregenzerwald ist die Mittagsfluh (auf 1637 Meter Höhe), ein sagenumwobener Berg. In Au stand neben der Bienenzucht, Fischerei und Obstbau vor allem die Jägerei im Vordergrund, wovon viele Namen im Bregenzerwald noch zeugen, wie beispielsweise Hirschau, Schnepf­au, Jaghausen oder Bärngath (Bärengang).

Mit diesem historischen Hintergrundwissen lässt sich die Rundwanderung hinter der Kuratienkirche Au-Rehmen in Richtung Holand und Wikatobel starten. Bald zweigt man links auf einen Wiesenweg ab, der ordentlich steil hinaufführt. Schnell wird eine Kapelle mit Blick auf verschiedene Auer Ortsteile erreicht. Die Route führt den Karrenweg links folgend zu einem Wurzelweg. Daraufhin steuert die Wanderung vorbei an Baumpilzen, über eine schmale Holzbrücke bei Kobel geradeaus Richtung Wikatobel und Berngat. Nach einem kurzen Abstieg zum Bach zeigt sich nach der Brücke in der Rückschau ein Wasserfall.

Eine Bank zwischen den Bäumen lädt zum Sitzen und Genießen des Ausblickes ein. Beim Aussichtspunkt fällt der Felsen steil ab. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Eine Bank zwischen den Bäumen lädt zum Sitzen und Genießen des Ausblickes ein. Beim Aussichtspunkt fällt der Felsen steil ab. Gerhard Vylet

Neues Wissen

Danach bei der Abzweigung Berbigen und Geißerweg beziehungsweise Mittagsfluh folgt ein Waldweg, nämlich der Themenweg „Alpgang“, hinauf. An gut sichtbaren, großen Steinen kann per Kette eine Tafel herausgezogen werden. Wanderer können dadurch Einblicke in die Bregenzerwälder Alpwirtschaft bekommen und sich Wissen über das immaterielle Kulturerbe „Die Dreistufenwirtschaft“ aneignen. Die Bregenzerwälder bewirtschaften seit Jahrhunderten in mehreren Stufen ihre Weiden: im Frühsommer ziehen Senner und Kühe vom Tal auf das Vorsäß, im Sommer auf die Hochalpe, im Herbst aufs Vorsäß und dann zurück ins Tal..

Beim Berngater Ried ist bereits die Höhe von 1166 Metern geschafft und in knappen zwei Stunden wird das nächsten Bio­top erreicht. Der Ausblick erstreckt sich über das Tal und die Bregenzerwälder Bergwelt. Nahe sind die Alp- und Vorsäßhütten. Zudem ist im Bereich des Berbigenvorsäß ein ökologisch wertvolles Biotop mit Streu-, Magerwiesen und Han

Fliegenpilz. <span class="copyright">Vylet</span>
Fliegenpilz. Vylet

Pflanzenkunde

Der Fliegenpilz kommt vom Sommer bis zum Herbst verbreitet in Nadel- und Laubwäldern vor und ist stellenweise häufig, besonders in der Nähe von Birken. Er wächst in dichten wie lichten Wäldern sowie an Wald­rändern. Im Gebirge gedeiht er bis zur Waldgrenze. Der Hut kann bis zu 15 Zentimeter breit, der Stiel bis 20 Zentimeter lang werden. Die weißen Tupfen sind Reste einer frühen weißen Hülle und werden mit dem Regen abgewaschen. Junge Pilze sind noch kugelig, ältere haben einen flachen Hut. Der Pilz ist giftig, nicht für den Verzehr geeignet.

Seltene Vogelarten

Bei den letzten Hütten führt der Weg über die Alpwiese steil hinauf zum Wald. Dort findet sich eine „Alp­gang“-Tafel. Diese berichtet über frühere Arbeitsbedingungen der Vorsäßbewirtschaftung. Der schmale Weg führt in den Wald und hinauf zur Kuppe zur Alpstraße in Richtung Obere Sattelalpe und Mittagsfluh. Dort befindet sich der Lebensraum von Turmfalke, Steinadler, Schwarz- und Grünspecht, Neuntöter und weitere seltenen Vogelarten. Sie bevorzugen ein Gelände mit vielen Rippen, Kuppen, kleinen Tälchen und Dolinen.

Franz Michael Felder

In geraumer Zeit erwandert man das Großraumbiotop Mittagsfluh, die aufgrund geringer Höhe bis in die Gipfelregion bewaldet ist. Hier kommen verschiedene wärmebedürftige Arten der Fauna und Flora vor. Beim Aussichtspunkt „Liegstein“ erfahren Wanderer Informationen über den Sozialreformer Franz Michael Felder und seine Frau, die von der Alpe Sattel stammte. Achtung, der Felsen fällt steil ab.

Erinnerung an letzten Dauersiedler

Der Rückweg ist derselbe bis zur Abzweigung des Geißerweges. Auf der Straße nach Rehmen bieten sich neue Ausblicke. Bei der ersten Kehre wird an den letzten Dauersiedler Philipp Beer (1890–1975) und seine Frau Frieda (1894–1978) erinnert. Danach wird ein Buchenwald durchquert und anschließend führt der Wanderweg an einer Tenne vorbei hinunter zu einem steilen Karrenweg. Die Wanderung endet beim Startpunkt.

Eine Tafel am Themenweg. <span class="copyright">Vylet</span>
Eine Tafel am Themenweg. Vylet

rund um die Tour

Die erste dauerhafte Besiedlung lässt sich nicht genau datieren, da das Gebiet vorerst nur während des Sommers als Alpgebiet genutzt wurde, wobei die Talterrassen „Ohna“ und „Bärngath“ als erste Verwendung fanden. Eine dauerhafte Besiedlung dürfte circa zwischen 1200 und 1300 erfolgt sein, wurde doch 1372 schon eine Kapelle in Jaghausen eingeweiht. Aus dem Jahre 1390 stammt der Stiftsbrief der Pfarrkirche Au, der endgültig auf dauerhaft bewohntes Gebiet deutet.

Die Siedler bewirtschafteten Wiesenflächen auf den Schuttkegeln des Rehmer-, des Wiedener- und des Argenauerbaches und des „Büntelers“ und bestritten ihren Lebensunterhalt vorwiegend mit Viehzucht und Milchwirtschaft. Durch Rodung weiterer Flächen für die Bewirtschaftung, bauten sie auch Flachs an, welcher im Winter von den Frauen gesponnen wurde. 1733 wurden erstmals Erdäpfel gepflanzt, diese verdrängten den Flachs.

Die ersten Urlauber. Bereits 1968 zählte Au schon zu den 71 wichtigsten Orten des Fremdenverkehrs in Österreich. Von den 96 Vorarlberger Gemeinden ist Au die elftgrößte Tourismusgemeinde. Die zentrale Lage inmitten der Skiregion Bregenzerwald – Großes Walsertal – Lechtal macht Au zu einer Drehscheibe für den Tourismus.

Textstellen aus einer der 14 Tafeln: „Alpgang“ Geißerweg 1890 konstatiert Pfarrer Hiller 217 Ziegen in Au. Zeitzeugen berichten noch für die erste Hälfte des Jahrhunderts vom Auftrieb der Geißen über den Geißerweg: Sobald Mitte Mai der Schnee fort ist, sammelt der Geißler die Tiere in der Gasse mit dem Bockshorn und treibt sie dem Rehmer Bach entlang aufwärts. Die Geißen stammen alle aus Rehmen. Am Abend kommen die Geißen zurück ins Dorf und werden vom Besitzer gemolken. Ab der Vorsäßzeit nehmen die Besitzer ihre Geißen wieder zu sich.

Quellen: au-schoppernau.at, gemeinde-au.at, unesco.at, naturfreunde-vorarlberg.at,

http://apps.vorarlberg.at/archiv/umweltschutz/biotopinventar/Au.pdf

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