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Farbenreiche und spannende Debüts

03.10.2022 • 18:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim Kammerkonzert gab es einen Einspringer.             <span class="copyright">Schubertiade</span>
Beim Kammerkonzert gab es einen Einspringer. Schubertiade

Die Herbstschubertiade in Hohenems begann mit Debüts, Programmänderungen und Einspringern.

Die russische Pianistin Anna Vinnitskaya, die seit Jahren in Hamburg lebt und bei Evgenij Koroliov studiert hat, ist gerade auf Tournee mit dem österreichisch-armenischen Geiger Emmanuel Tjeknavorian. Für den Cellisten Daniel Müller-Schott sprang kurzfristig sein Kollege Emanuel Graf, Solocellist im Orchester der Bayerischen Staatsoper, ein.

An Stelle des vorgesehenen c-Moll-Trios von Brahms, das in der Kürze der Zeit vielleicht doch zu heikel gewesen wäre, wählte die Pianistin ein Solostück des französischen Romantikers César Franck. So muss man die besonderen Umstände berücksichtigen, in denen so ein Trio nicht so schnell zusammenwächst (tags zuvor hatten die drei das erste Konzert miteinander), aber doch so inspiriert wie möglich aus der Musiziererfahrung heraus schöpft.

Empathische Bögen

Das Klaviertrio des 18-jährigen Debussy, der damals erst seine Musiksprache finden musste und von verschiedensten Komponisten beeindruckt war, wartete mit zahlreichen Farben zwischen Romantik und frühem „Impressionismus“ auf, das Scherzo klang durchsichtig und humorvoll. Im langsamen Satz schwangen sich die Pianistin und die Streicher zu empathischen Bögen auf.

Mit César Francks op. 18 „Präludium, Fuge und Variation h-Moll“ erlebte man Anna Vinnitskaya in ihrem dichten, warmen Klang, der an Bach geschulten Klarheit in den chromatischen Linien und Akkordblöcken und einer fein perlenden Auflösung im dritten Teil. In Schuberts B-Dur-Trio führte die Pianistin mit kraftvollem Zugriff, sodass sich der erste Satz fast konzertant und energisch entwickelte. Im langsamen Satz durften sich die Kantilenen der Streicher entfalten, getragen vom Klavier und vereint im seligen Gesang.

Auch Konstantin Krimmel sprang ein.     <span class="copyright">Schubertiade</span>
Auch Konstantin Krimmel sprang ein. Schubertiade

Mit längerer Vorlaufzeit als das Trio übernahm der Bariton Konstantin Krimmel an Stelle von Fatma Said den Liederabend am Samstag und zeigte an der Seite des so feinfühligen Liedpianisten Wolfram Rieger einmal mehr, dass er einer der interessantesten Sänger der jungen Generation ist. Wirkten die Liedgruppen von Schubert und Loewe auf den ersten Blick relativ kurz, so zeichneten sie sich durch große Dichte und Spannung aus. Pianofarben, leichte Höhe und Kopfstimme, aber auch die Linienführung begeisterten bei Schubert.

Hervorgehoben seien das „Nachtstück“ nach Mayrhofer mit dem sanften Klavierteppich und der riesigen Steigerung, und die wunderbare selige Ruhe von „Des Fischers Liebesglück“ mit den anspruchsvollen Registerwechseln. In den Balladen von Carl Loewe zeigten sich Krimmel und Rieger als dramatische Erzähler mit Temperament und Sensibilität, eine Entdeckung war „Geisterleben“ nach Ludwig Uhland.

Lieferte ein gelungenes Schubertiade-Debüt: der deutsche Bassist Georg Zeppenfeld.<br><span class="copyright">Schubertiade</span>
Lieferte ein gelungenes Schubertiade-Debüt: der deutsche Bassist Georg Zeppenfeld.
Schubertiade

Sein Schubertiade-Debüt hatte auch der deutsche Bassist Georg Zeppenfeld, der bei den Bayreuther Festspielen und an der Staatsoper Dresden, seinem Stammhaus, regelmäßig für seine Wortdeutlichkeit und Gestaltungskunst vor allem in Wagnerpartien gefeiert wird. Beides kommt auch seiner Interpretation von Schuberts „Winterreise“ zugute, denn gemeinsam mit dem wunderbaren Liedpianisten Gerold Huber zeichnet er die Stationen des Winterwanderers teils erzählend, teils als Seelenzustände nach.

Zeppenfeld belebt das untere Register mit Macht und samtiger Fülle, gebietet aber auch über helle Pianofarben. So ein echter Bass ist ja eher selten unter den Liedersängern, natürlich versteckt er auch die Opernstimme nicht. Und Gerold Huber hellt auch den tiefer gelegten Klavierpart mit seiner liebevollen Detailzeichnung auf. Ovationen und Erleichterung für und über dieses gelungene Debüt! Katharina von Glasenapp

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