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Wirtschaftskammer holt die Musterbrecher

06.10.2022 • 20:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
WKV-Präsident Wilfried Hopfner. <span class="copyright">WKV/Mauche</span>
WKV-Präsident Wilfried Hopfner. WKV/Mauche

Deutsches Unternehmen soll der Kammer bei Organisationsentwicklung beistehen.

Die Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) unterzieht sich seit rund einem Jahr einem umfassenden und mehrjährigen Organisationsentwicklungsprozess. Mit der Durchführung und Leitung beauftragt wurde das deutsche Beratungsunternehmen Musterbrecher mit Sitz in Taufkirchen im Großraum München. Das geht aus wpa-Informationen hervor und wird von der WKV auch bestätigt.

Kick-Off-Veranstaltung

Der bislang rein interne Prozess startete bereits im Herbst 2021 mit Interviews der Führungskräfte. Anfang September 2022 wurden schließlich sämtliche WKV-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einer Kick-off-Veranstaltung ins „Firmament“ in Rankweil eingeladen, die am 3. Oktober 2022 über die Bühne ging. Dort wurde nicht nur der Prozess an sich vorgestellt, sondern auch die Belegschaft zur aktiven Mitarbeit eingeladen.

Arbeitszeit

In der Einladung zu der Veranstaltung in Rankweil hieß es unter anderem: „Vor knapp einem Jahr haben wir uns gemeinsam mit unseren Führungskräften intensiv mit den Chancen und Risiken der in der Wirtschaftskammer Vorarlberg gelebten Muster der Führung und Zusammenarbeit befasst.“ Aus den Interviews mit den Führungskräften seien Hypothesen über die Kultur sowie die Herausforderungen der Organisation erarbeitet worden. Jetzt wolle man diesen Prozess während des nächsten Jahres kammerintern ausweiten, insbesondere zu Fragen der strategischen Ausrichtung. Bis 20 Uhr könne die Teilnahme an der Veranstaltung als Arbeitszeit erfasst werden, wie es im Schreiben heißt.

Die Wirtschaftskammer stellt sich neu auf. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Wirtschaftskammer stellt sich neu auf. Hartinger

WKV-Präsident Wilfried Hopfner erklärte auf wpa-Anfrage, es sei das Ziel dieses internen Prozesses, dass die Institution wieder verstärkt als „unsere Wirtschaftskammer“ sowie als „moderner und attraktiver Dienstleister und schlagkräftige Interessenvertretung“ wahrgenommen werde. Das Projekt sei noch unter seinem Vorgänger Hans Peter Metzler auf Schiene gebracht worden. „Aber es ist auch mir ein Herzensanliegen.“ Deshalb wurde das Projekt damals im Präsidium beschlossen und werde jetzt auch weitergeführt, so Hopfner.

Der Name „Musterbrecher“ sei so etwas wie ein „nomen est omen“, und genau darum gehe es im nunmehrigen Prozess, sagte Hopfner. „Wir werden bewusst versuchen, über sehr vieles nachzudenken, Dinge völlig zu hinterfragen und neue Vorgehensweisen zu überlegen.“ Deshalb lade man in diesem Stadium jetzt auch die gesamte Belegschaft zur Ideen-Einbringung ein.

„Experimentelles Vorgehen“

In einem nächsten Schritt sollen zudem die Funktionärinnen und Funktionäre miteinbezogen werden. Der Prozess soll bis zum Herbst 2023 abgeschlossen sein und dann in die Umsetzungsphase kommen, nachdem die Ergebnisse bis zum Sommer 2023 vorliegen sollten, schätzt Hopfner. Möglicherweise werden aber auch schon vorab erste Erkenntnisse umgesetzt. Der WKV-Präsident spricht hier von einem „experimentellen Vorgehen“.

Keine Angaben zum Budget

Auf die Frage, warum ausgerechnet das deutsche Management-Beratungsunternehmen „Musterbrecher“ diesen Auftrag erhielt, sagte Hopfner, dass man sich mit Absicht externes Know-how von außerhalb Vorarlbergs hereingeholt hat, weil es ja genau um dieses „Aufbrechen von Mustern“ gehe. Dabei helfe ein unvoreingenommener Blick. Angaben zum Budget für diesen Prozess und zum Honorar für die „Musterbrecher“ machte Hopfner keine. Ebenfalls nicht bekannt ist, ob der Organisationsentwicklungsprozess in irgendeiner Form öffentlich zur Vergabe ausgeschrieben wurde oder ob es einen Wettbewerb gab. Branchenkenner gehen davon aus, dass das Auftragsvolumen zumindest im sechsstelligen Euro-Bereich liegen dürfte.

Wiederholte Personalwechsel

Die umfassende Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird intern auch als Anzeichen dafür wahrgenommen, dass man auf oberster WKV-Führungsebene die seit Jahren schwelende Unruhe und die wiederholten Personalwechsel innerhalb der Belegschaft in den Griff bekommen will. In den vergangenen Jahren gab es bekanntlich einige Veränderungen innerhalb der Belegschaft wie auch bei den Fachgruppen-Geschäftsführungen.

Rückkehr in den Lehrberuf

Jüngstes Beispiel ist die Sparte Gewerbe und Handwerk, wo eine Fachgruppen-Geschäftsführung zur Besetzung ausgeschrieben ist. In der WKV-Kommunikationsabteilung wird aufgrund des bevorstehenden Wechsels eines Mitarbeiters zum Gemeindeverband ebenso ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht. Und der bisherige WKV-Finanzleiter Wolfgang Hämmerle hat sich jüngst dazu entschieden, wieder vollständig in seinen Beruf als Lehrer zurückzukehren.

Ob die aktuelle Suche der WKV nach einem Human-Resources-Generalist zur Aufstockung der Personalabteilung auch mit ersten Ergebnissen aus den Führungskräfte-Interviews der „Musterbrecher“ zusammenhängt, ist nicht überliefert.

Günther Bitschnau/wpa

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