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Gedichte kontrastreich vertont

07.10.2022 • 18:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Liederabend mit Andrè Schuen und Daniel Heide.                                  <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">Schubertiade GmbH</span>
Liederabend mit Andrè Schuen und Daniel Heide. Schubertiade GmbH

Am Donnerstag gab das Liedduo André Schuen und Daniel Heide Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine, Hugo von Hofmannsthal und Goethe zum Besten.

Mit Liedern von Robert Schumann, Hugo Wolf und Frank Martin machten der Südtiroler Bariton Andrè Schuen und sein Klavierpartner Daniel Heide dem Schubertiade-Publikum ein großes Geschenk. Nicht nur die Kompositionen, auch die zugrundeliegenden Gedichte von Heinrich Heine, Johann Wolfgang von Goethe und Hugo von Hofmannsthal waren hochkarätig, was bei Schuens Textdeutlichkeit noch zusätzlichen Genuss beschert.

Vergebliche Liebe

Der Liederkreis op. 24 nach Heinrich Heine, es ist der erste von Schumanns Liedzyklen, kann als Geschichte vergeblicher und verlorener Liebe gelesen und gehört werden, voll von Sehnsucht, Hoffnung, Verzweiflung und mit einem melancholischen Abschluss. Hinzu kommen Brüche, getragen von der „romantischen Ironie“, Naturbeobachtungen, in die sich das Empfinden des „lyrischen Ichs“ mischt.

Schumann hat diese Gedichte reich differenzierend vertont, voll von Kontrasten und mit einem Klavierpart, der die Texte spiegelt oder manch inneren Zwiespalt hervorhebt. Andrè Schuen begibt sich ganz hinein mit seinen samtig geheimnisvollen Pianofarben, der Wärme in den Bögen oder in zornigen Aufwallungen. Daniel Heide trägt ihn nicht nur auf weichen Akkordbrechungen, er ist auch charaktervolle Gegenstimme (in „Lieb’ Liebchen“), ironischer Kommentar oder zaubert sanfte Nachspiele. Gedichte von Heinrich Heine hat Schumann auch später gern vertont, die Künstler wählten Lieder voll innigen Staunens („Dein Angesicht“), spukhafter Kontraste („Mein Wagen rollet langsam“ mit dem wunderbaren Humor im Klavier), stimmlicher Größe und Pianokultur (in „Tragödie I und II“).

Klavier und Stimme

Als Übergang von Schumann zu den groß angelegten Jedermann-Monologen von Frank Martin hatten Schuen und Heide die drei Harfenspieler-Lieder von Hugo Wolf nach Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ gewählt: Sie mögen spröder sein als die bekannten Schubert-Lieder, doch beeindrucken sie mit einer dichten Verschränkung von Klavier (das bisweilen Harfenakkorde andeutet) und Stimme. Noch mehr spannten die beiden weite Bögen in großen Steigerungen aus, chromatische Harmonik, gewichtige Akkorde und Schuens Möglichkeiten, in der Gestaltung der Dynamik bis hin zum metallisch fokussierten Fortissimo, ließen eintauchen in Wolfs Dramatik.

Todesangst und Versöhnung

Gewaltig in Text und Vertonung sind die sechs Monologe aus Hofmannsthals „Jedermann“, die der Schweizer Komponist 1943 geschaffen hat. Aus dem Sprechgesang heraus erlebt man über der farbenreich schillernden Harmonik der Klavierklänge die wachsende Todesangst des reichen Lebemanns und die abschließende Läuterung und Versöhnung.
Schuen und Heide sind einander in langer musikalischer Partnerschaft verbunden, das bewährt sich bei diesem Zyklus, der stimmlich wie harmonisch an die Grenzen geht. Von angstvoller Getriebenheit über Erschütterung bis zu strahlend choralartigen Akkorden reicht das Spektrum, großartig dargeboten und durchlebt. Mit dem berührenden Schlusslied „Alte Laute“ aus dem Zyklus der Kerner-Lieder op. 35 kehrten die beiden in ihrer Zugabe zu Schumann zurück, versöhnlich und innig. Katharina von Glasenapp

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