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Was Zöllner mit Spielzeug und Schlangen zu tun haben

08.10.2022 • 11:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
In der Zollstelle Wolfurt. Ein Zöllner kontrolliert die Papiere eines Lkw.<br><span class="copyright">Hartinger </span>
In der Zollstelle Wolfurt. Ein Zöllner kontrolliert die Papiere eines Lkw.
Hartinger

Die Aufgaben von Zöllnern sind sehr ­vielfältig. Täglich fertigen sie Tausende von Lkw mit verschiedensten Waren ab.

Wer an Zöllner denkt, sieht vor seinem inneren Auge meist einen Uniformierten, der an der Grenze steht. Manchmal stellt sich zudem die Frage: Was machen Zöllner heute, nachdem es keine EU-Grenzen mehr gibt? Antwort darauf: Sehr viel. Am Zollamt Wolfurt werden zum Beispiel täglich bis zu 600 Lkw abgefertigt, die aus Drittstaaten – also der Schweiz oder Liechtenstein – kommen beziehungsweise dorthin fahren. An den Grenzen zu den beiden Staaten selbst werden jeden Tag die Ein- oder Ausfuhrformalitäten von 3500 Lkw erledigt.

Dienststellenleiter Wolfgang Hämmerle (l) und Organisationsleiter Othmar Pichler. <span class="copyright">Hartinger</span>
Dienststellenleiter Wolfgang Hämmerle (l) und Organisationsleiter Othmar Pichler. Hartinger

Zum eingangs geschilderten Szenario: In der Zollstelle Wolfurt ist kaum ein Uniformierter zu sehen, und wenn doch, handelt es sich um einen Schweizer Beamten. Der Schweizer Zoll betreibt hier nämlich eine Außenstelle, genauso wie der österreichische in St. Margrethen. Die rund 40 Zöllner in Wolfurt tragen Alltagskleidung und arbeiten in Büros. Die Uniform – im Fachjargon Dienstkleid genannt – wird nur an der Grenze oder bei mobilen Kontrollen getragen, informiert Wolfgang Hämmerle, Dienststellenleiter der Dienststelle West, zu der alle Zollstellen in Vorarlberg und Tirol gehören. Hämmerle ist damit der unmittelbare Chef der 326 Zöllner in den beiden westlichsten Bundesländern, circa 200 davon arbeiten im Ländle.
Weshalb es in Wolfurt, das nicht an einer Grenze liegt, eine große Zollstelle gibt, hat weniger mit dem Güterbahnhof zu tun, sondern mit den Lkw. Würden sie alle direkt an den Grenzen abgefertigt, hätte das längere Staus – vor allem in Lustenau – zur Folge. Deshalb werden sie quasi in Wolfurt abgefangen. Aus demselben Grund betreibt der Schweizer Zoll in Wolfurt eine Außenstelle und der österreichische in St. Margrethen.

Waren kommen über Hamburg

Die Hauptaufgabe der Zöllner und Zöllnerinnen in Vorarlberg – das Geschlechterverhältnis liegt fast bei 50 zu 50 und ist vor allem auf flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmöglichkeiten zurückzuführen – ist der gewerbliche Güterverkehr. „In Vorarlberg haben wir Im- und Exporte aus der ganzen Welt, die vor allem über die Häfen in Hamburg laufen“, erklärt Hämmerle. „Wir erheben darauf Zölle, Umsatz- und Verbrauchssteuern.“ Hauptsächlich trifft dies auf Waren aus Nicht-EU-Staaten zu. Aber auch bei Produkten aus EU-Mitgliedsländern können Verbrauchssteuern anfallen: Wenn etwa Bier aus Deutschland nach Vorarlberg importiert wird, muss Biersteuer bezahlt werden.

Illegales Mitbringsel: tote Schlange in Alkohol. Schlange stand unter Artenschutz. <span class="copyright">Hartinger</span>
Illegales Mitbringsel: tote Schlange in Alkohol. Schlange stand unter Artenschutz. Hartinger

Weiters ist der Zoll für Verbote und Beschränkungen für die EU-Außengrenze zuständig. Das bedeutet: Zu jedem Produkt gibt es gesetzliche Grundlagen, für deren Vollziehung der Zoll zuständig ist. Konkret geht es dabei um Produktpiraterie, Artenschutz, Waffen, Arzneiwaren und weiteres. Medikamente etwa dürfen nur unter bestimmten Bedingungen ein- oder ausgeführt werden, zudem kann der Zoll überprüfen, ob sie gefälscht sind. Bezüglich Artenschutz ein Beispiel: „Wenn ich aus dem Urlaub in den USA Schlangenlederstiefel mitbringe, fallen sie zu 99,9 Prozent unter den Artenschutz“, sagt der Dienststellenleiter. Sprich: Die Schlange war geschützt, weshalb der Zoll die Stiefel beschlagnahmt.
Stichwort Schlange: Othmar Pichler, Organisationsleiter der Dienststelle West, ist beim Interview mit der NEUE am Sonntag ebenfalls dabei, verlässt bei der Geschichte mit den Schlangenlederstiefeln den Raum und kommt mit einer Flasche in den Händen zurück. Darin befindet sich neben einer gelblich-braunen Flüssigkeit – Alkohol – eine schlanke, braun-schwarz geschuppte Schlange, die, no na, tot ist. „Ein Mitbringsel aus Thailand, wo es vermutlich als Medizin verwendet wird“, sagt Pichler. „Das fällt unter das Delikt Artenschutz, wahrscheinlich wird es aber auch um Lebensmittel gehen.“

Eingang zur Zollstelle Wolfurt. Der Zoll ist dem Finanzministerium unterstellt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Eingang zur Zollstelle Wolfurt. Der Zoll ist dem Finanzministerium unterstellt. Hartinger

Weitere Bereiche, die unter Verbote und Beschränkungen fallen, sind: Pflanzenschutz, Lebensmittel (dazu zählen beispielsweise Lebensmittel, die nicht der EU-Norm entsprechen) oder Qualitätsklassenkontrolle. Letztere betrifft ebenfalls Nahrungsmittel – etwa Bananen oder Gurken aus Drittstaaten –, die vom Zoll auf ihre Qualität geprüft werden. Zudem prüfen die Zöllner Produkte auf ihre Sicherheit, zum Beispiel Spielzeug. Und, ganz aktuell: Die EU-Sanktionen gegen Russland mit den Embargos werden ebenfalls vom Zoll vollzogen. „Wir schauen darauf, dass keine unerlaubten Güter nach Russland exportiert werden“, sagt Hämmerle.
Die Güter, die in den Zollstellen abgefertigt werden, sind sehr vielfältig. Organisationsleiter Pichler: „Es gibt nichts, womit nicht gehandelt wird.“ Das bedeutet für den Zöllner, dass er sich in Warenkunde gut auskennen muss. Deshalb dauert die Zöllner-Ausbildung recht lange (vier bis sechs Jahre).

Programm warnt

Beschlagnahmte Ware. <span class="copyright">Hartinger</span>
Beschlagnahmte Ware. Hartinger

Bei – wie eingangs erwähnt – bis zu 600 Lkw, die alleine in Wolfurt abgefertigt werden, kann nicht jedes einzelne Fahrzeug überprüft werden. Hierzu gibt es ein elektronisches Programm, in dem für jede Ware die Verbote oder Beschränkungen hinterlegt sind. Das Programm prüft, ob Gewicht, Sender, Empfänger oder der Preis plausibel sind, und wenn es Unstimmigkeiten findet, warnt es den Zöllner. Dieser veranlasst daraufhin eine Kontrolle. Erfahrene Beamte haben zudem ein Gespür entwickelt, ob etwas nicht stimmt.
Neben den bereits erwähnten Aufgaben des Zolls kommen noch Betriebsprüfungen, Austrittsbestätigungen, die Erfassung von Bargeld oder Zollfahndungen hinzu. Letzteres bedeutet: „Wenn wir den Verdacht haben, dass ein Unternehmen Zölle nicht bezahlt hat, kann es sein, dass es Besuch von uns bekommt“, so Hämmerle. „Der Beruf ist sehr vielseitig und spannend“, sagt er abschließend.

Organisation

Das Zollamt Österreich ist eine Behörde, dem Finanzministerium unterstellt und in fünf Dienststellen unterteilt. Dazu zählt die Dienststelle West, zu der Vorarlberg und Tirol gehören. Vorständin des Zollamtes Österreich ist Heike Fetka-Blüthner.

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