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Facettenreichtum und Leuchtkraft

10.10.2022 • 18:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Sopranistin Katharina Konradi.      <span class="copyright">Sonja Werner</span>
Die Sopranistin Katharina Konradi. Sonja Werner

Liederabende von Ilker Arcayürek und Katharina Konradi zum Abschluss der diesjährigen Schubertiade Hohenems.

Kammermusik, Klavierrecitals und Liederabende bestimmten das zweite Wochenende des Schubertiadeherbstes in Hohenems. Die Liederabende von Ilker Arcayürek, an der Seite von Simon Lepper, und Katharina Konradi gemeinsam mit Ammiel Bushakevitz seien hier herausgegriffen.

Geboren ist Ilker Arcayürek in Istanbul. Im Alter von fünf Jahren kam er nach Wien und erhielt hier seine musikalische Ausbildung als Mozart-Sängerknabe und im privaten Unterricht. Opernstudio Zürich und nachfolgende Engagements, Wettbewerbserfolge und CD-Aufnahmen begleiten seinen Weg als lyrischer Tenor. Bei der Schubertiade sprang er 2019 in Rossinis „Petite Messe Solennelle“ ein.

Ilker Arcayürek am Wochenende bei der Schubertiade.  <span class="copyright">Schubertiade</span>
Ilker Arcayürek am Wochenende bei der Schubertiade. Schubertiade

Sein Liederabend in Hohenems war also eigentlich ein Debüt. Eine gewisse Befangenheit war durchaus zu spüren, obwohl er in Simon Lepper einen erfahrenen Liedpianisten an der Seite hat, mit dem ihn viel verbindet und obwohl Ilker Arcayürek doch mit einer warm strahlenden, facettenreichen Stimme für sich einnimmt.

Unter die fein gestalteten vertrauten Lieder des ersten Teils mischte sich ein freundlich aufspringendes naives Lied mit dem schönen Titel „Hänflings Liebeswerbung“. Schlicht und sehr natürlich klangen „Fischerweise“ und „An die Laute“, bevor die den ersten Teil abschließende Ballade „Der Liedler“ nach Josef Kenner wieder einmal zeigte, wie der junge Schubert auch von seltsamen Texten inspiriert wurde. Die beiden Künstler widmeten sich dem Stück und seinen dramatischen Wendungen freilich mit viel klangmalerischer Fantasie.

Körpersprache

In der Ballade „Der Sänger“ öffnete sich Ilker Arcayürek dann auch in seiner Körpersprache, Simon Lepper ließ den Klavierpart sprudeln und leuchten, denn Schubert lässt ihn hier groß hervortreten. Heimelige Wärme fingen die Künstler in „Der Winterabend“ ein. In großer Ruhe und Geschlossenheit interpretierten sie dann „Das Meer“ nach Heine und die drei Gesänge des Harfners, wobei diese in ihrer Melancholie fast zu „dunkel“ erscheinen für den Tenor.

Wie ihre Schubert-CD „The Path of Life“ hatten die Künstler ihr Programm als Lebensreise angelegt, endend mit dem stillen „Nachtstück“ nach Mayrhofer: Entsprechend führte sie in der ersten Zugabe mit Hugo Wolf an „Anakreons Grab“ mit seinen lyrischen Bögen. Im silbernen Perlen von „Der Jüngling an der Quelle“ schien der Sänger (endlich) ganz frei in dem sehnsüchtigen Ruf nach „Louise“. Die Künstler verabschiedeten sich zum fast vollen Mond draußen mit „Nacht und Träume“.

Der Auftritt von Katharina Konradi in Hohenems.    <span class="copyright">Schubertiade</span>
Der Auftritt von Katharina Konradi in Hohenems. Schubertiade

Nach ihrem wunderbaren Debüt vor zwei Jahren und einem freudigen Ensembleabend im vergangenen Jahr war auch der jetzige Lieder­abend der Sopranistin Katharina Konradi ein Hochgenuss. Denn bei der in Kirgistan geborenen und in Deutschland ausgebildeten Sopranistin stimmen Ausstrahlung, Gestaltung, Textverständlichkeit selbst im hohen Register und natürlich die Leuchtkraft ihrer Stimme aufs Schönste zusammen.

Ammiel Bushakevitz war nicht nur ein sensibler Klavierpartner mit federndem Puls und feiner Dynamik. In zwei Liedgruppen griff er auch zur Gitarre, was die Intimität von „Meeres Stille“ oder „Des Fischers Liebesglück“ im Zusammenklang mit der Stimme noch hervorhob. Die Gitarre ist allerdings im Saal etwas zu leise, eine leichte Verstärkung wäre da wohl gut gewesen.

Da er auch im Abschlusskonzert am Sonntagmorgen gemeinsam mit dem Schumann-Quartett musizierte, war der Klarinettist Jörg Widmann schon vor Ort: Im beliebten „Der Hirt auf dem Felsen“ für Sopran, Klarinette und Klavier verschmolzen Widmann und Konradi in einer vollkommenen Einheit der Klangfarben. Aus dem genüsslich getragenen Tempo mit langen Atembögen im ersten Teil entwickelte sich ein schwingender Tanz mit funkelnden Koloraturen.

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